Mit der «Electric Urban Car Family» hat der Volkswagen-Konzern gleich vier neue kompakte Elektroautos auf Basis der weiterentwickelten und auf Kleinwagen angepasste MEB+-Plattform auf den Markt gebracht. Eines davon ist der Cupra Raval, der noch vor dem VW ID. Polo vorgestellt wurde. Das unterstreicht einmal mehr den Stellenwert der spanischen Marke innerhalb des Konzerns.
Wie für Cupra üblich, tritt auch der elektrische Kleinwagen sportlich und eigenständig auf. In der von mir getesteten stärksten Variante Raval VZ treffen 166 kW (226 PS) auf einen überraschend grossen Kofferraum. Damit bringt der Spanier gute Voraussetzungen mit, um sich gegen die starke Konkurrenz zu behaupten. Doch wie überzeugend ist das Gesamtpaket im Alltag?
Während knapp zwei Wochen habe ich den Cupra Raval VZ im Alltag kennengelernt – und zu schätzen gelernt.





Galerie: vybe
Exterieur
Ich muss schon eingestehen, dass mir die bisherigen Modelle von Cupra optisch immer sehr gut gefallen haben. Dem spanischen Autobauer ist es gelungen, eine eigenständige Designsprache zu entwickeln, die sich klar von den anderen Marken des VW-Konzerns abhebt und offensichtlich auch ganz gut ankommt. Beim Raval VZ fallen vor allem die markante Lichtsignatur und die ausgeprägten Radhäuser ins Auge. Besonders gefallen haben mir die matte Lackierung und die grossen Räder, die seinen sportlichen Auftritt zusätzlich unterstreichen.
Mit einer Länge von 4,05 Metern, einer Breite von 1,78 Metern und einer Höhe von 1,51 Metern bleibt der Cupra Raval trotz seines markanten Auftritts kompakt. Das macht ihn auch in der Stadt angenehm handlich, gerade wenn die Parklücken etwas knapper ausfallen. Kompakt und sportlich, diesen Anspruch erfüllt der Raval VZ optisch jedenfalls auf ganzer Linie.

Interieur
Auch der Innenraum fällt auf. Wie von Cupra gewohnt, setzt der Hersteller auf farbige Akzente. Bei unserem Testwagen fehlen zwar die markentypischen kupferfarbenen Details, dafür greifen die Akzente den Farbton der matten Aussenlackierung «Manganese Matt» auf. Das sieht ebenfalls schick aus. Besonders gefallen haben mir die Lichtprojektionen auf den Türverkleidungen, die dem Innenraum das gewisse Etwas verleihen.
Die Sportschalensitze für Fahrer und Beifahrer sind im Raval VZ mit einem Stoff bezogen, der im sogenannten 3D-Knitting-Verfahren hergestellt wird. Die Qualität fühlt sich gut an. Sie bieten sehr guten Seitenhalt und bleiben dabei auch auf längeren Strecken bequem. Für zusätzlichen Komfort an kalten Tagen sorgen das beheizbare Lenkrad und die Sitzheizung auf beiden Vordersitzen.

Bei der Materialwahl muss ich allerdings eingestehen, dass ich schon hochwertigere Innenräume gesehen habe. Cupra setzt vielerorts auf Hartplastik, das weder besonders edel aussieht noch angenehm anzufassen ist. Das gilt auch für Stellen, an denen andere Hersteller – darunter viele aus China – weichere Oberflächen verbauen.Das schmälert den ansonsten gelungenen Auftritt etwas.


Hinten wirds bei einer Körpergrösse von 1,90 Meter schon etwas enger. | Galerie: vybe
Vorne bietet der Raval ausreichend Platz für Fahrer und Beifahrer. Im Fond wird es hingegen enger, insbesondere wenn grosse Personen auf den Vordersitzen Platz nehmen. Mit meinen knapp 1,90 Metern möchte ich jedenfalls nicht hinter jemandem sitzen, der ähnlich gross ist wie ich. Dafür bleibt dann schlicht zu wenig Beinfreiheit. Bei durchschnittlich grossen Personen dürfte das Platzangebot hinten aber ausreichen.



Bild: vybe
Stark ist dafür das Kofferraumvolumen von 441 Litern. Für ein Auto in der Grössenklasse des Raval ist das mehr als ordentlich. Als einziges Manko kann die etwas hohe Ladekante aufgeführt werden, die das Einladen erschweren könnte. Unter dem variablen Ladeboden gibt es zudem ein erfreulich grosses Fach für zusätzliches Gepäck. Schade ist hingegen, dass auch der Raval VZ keinen Frunk unter der Fronthaube bietet. Das lösen andere Hersteller besser und schaffen dort zumindest Platz für das Ladekabel.

Bedienung und Infotainment
Was mich bei der ersten Generation der MEB-Plattform generell gestört hat, war das kleine Fahrerdisplay. Diesen Kritikpunkt hat der VW-Konzern mit der weiterentwickelten MEB+-Plattform nun behoben. Im Raval kombiniert Cupra ein 10,25 Zoll grosses digitales Kombiinstrument mit einem zentralen 12,9-Zoll-Touchscreen. Ein Head-up-Display (HUD) gibt es allerdings nicht, auch nicht gegen Aufpreis.
Volkswagen hatte bereits im Vorfeld der «Electric Urban Car Family» angekündigt, wieder stärker auf physische Tasten zu setzen. Damit reagiert der Konzern auf einen häufigen Kritikpunkt an früheren MEB-Modellen. Beim Raval VZ zeigt sich das besonders am Lenkrad: Hier kommen wieder echte Tasten und Drehregler zum Einsatz. Das erleichtert die Bedienung, auch wenn es für meinen Geschmack durchaus ein paar Tasten weniger hätten sein dürfen.




Der Cupra Raval VZ ist mit zahlreichen Fahrassistenzsysteme, darunter auch eine Einparkhilfe, ausgestattet. | Galerie: vybe
Ganz verschwunden sind die berührungsempfindlichen Bedienelemente bei Cupra allerdings nicht. Unterhalb des zum Fahrer geneigten Infotainment-Touchscreens sitzen weiterhin Touchflächen für die Lautstärke und die Klimasteuerung. Gerade für diese häufig genutzten Funktionen hätte ich mir physische Tasten oder Drehregler gewünscht. Es ist ein Detail, aber wenn man schon wieder stärker auf echte Tasten setzt, warum dann nicht auch hier?
Besonders gespannt war ich auf das neue Android-basierte Infotainmentsystem, das mit MEB+ eingeführt wurde. Die Darstellung ist übersichtlich und die Bedienung gelingt für VW-Verhältnisse ziemlich flott. Mit einem Wisch von oben nach unten öffnen sich die Schnelleinstellungen, die sich mit individuell gewählten Funktionen belegen lassen. So kann etwa die Geschwindigkeitswarnung mit einem Tipp deaktiviert werden. Das ist gut gelöst.

Auch die Navigation hinterliess einen guten ersten Eindruck. Die angezeigte Restreichweite erwies sich als weitgehend realistisch, und die vorgeschlagenen Ladestopps waren nachvollziehbar. Über einen integrierten App-Store lassen sich zudem weitere Apps und Spiele herunterladen. Die Auswahl beschränkt sich allerdings auf Anwendungen, die Volkswagen für das System freigegeben hat. Android Auto und Apple CarPlay funktionieren einwandfrei und kabellos.

Fahrleistung
Der Cupra Raval VZ ist die bislang sportlichste Variante des kleinen Stromers. Sein Elektromotor an der Vorderachse leistet 166 kW (226 PS) und liefert ein maximales Drehmoment von 290 Nm. Damit beschleunigt er in 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 175 km/h begrenzt. Es wird gemunkelt, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine noch etwas leistungsstärkere Variante folgen könnte.

Gegenüber den übrigen Raval-Varianten verfügt der VZ über ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial an der Vorderachse, das die Traktion beim Herausbeschleunigen aus Kurven verbessern soll. Hinzu kommen adaptive Dämpfer mit verschiedenen Abstimmungen. Die Lenkung erwies sich im knapp zweiwöchigen Test als direkt und präzise. Das Fahrwerk ist zwar eher straff abgestimmt, passt aber gut zum sportlichen Charakter. Insgesamt entpuppte sich der Raval VZ als ausgesprochen kurvenfreudiger Kleinwagen.
Die Beschleunigung ist zwar nicht so atemberaubend wie bei leistungsstärkeren Elektroautos, reicht aber locker aus, um schon beim Anfahren Spass zu haben. Besonders im sportlichsten Cupra-Modus sprechen Fahr- und Bremspedal sehr sensibel an – für meinen Geschmack einen Hauch zu sensibel. Wer möchte, kann beim Beschleunigen zudem künstliche Fahrgeräusche zuschalten. Simulierte Gangwechsel gibt es hingegen nicht.

Reichweite und Laden
Im Raval VZ steckt eine Batterie mit einer Nettokapazität von 52 kWh. Damit ist laut Cupra eine WLTP-Reichweite von bis zu 382 Kilometern möglich. Wie weit man im Alltag tatsächlich kommt, hängt unter anderem von der Fahrweise und den Wetterbedingungen ab. Gerade bei tiefen Temperaturen muss weiterhin mit spürbaren Reichweiteneinbussen gerechnet werden.
Während meines Tests lagen die Tagestemperaturen zwischen angenehmen 12 und 18 Grad – grundsätzlich günstige Bedingungen für ein Elektroauto. Auf der Autobahn bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ziemlich genau 100 km/h verbrauchte der Raval VZ gute 14,6 kWh pro 100 Kilometer. Über die gesamte Teststrecke von mehr als 400 Kilometern im Mischverkehr lag der Durchschnitt bei 16,9 kWh pro 100 Kilometer.
Für die sportliche VZ-Variante ist das ein guter Wert, der zeigt, dass der Raval auch effizient unterwegs sein kann. Wer nicht ständig die volle Leistung abruft, dürfte unter ähnlichen Bedingungen um die 310 Kilometer mit einer Ladung schaffen. Die WLTP-Angabe von bis zu 382 Kilometern wird damit zwar nicht erreicht, liegt aber auch nicht völlig fern vom Alltag.

Mit einer Ladeleistung von bis zu 105 kW gehört der Raval VZ an der Schnellladestation nicht zu den besonders schnellen Elektroautos. Unter optimalen Bedingungen gibt Cupra für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent rund 24 Minuten an. Diese Angabe erscheint nach meinen Erfahrungen durchaus realistisch: Im Test erreichte der Raval VZ bereits bei etwa 20 Prozent die angegebene Ladeleistung und hielt sie bis kurz vor der 80-Prozent-Marke. Zeitweise zeigte die Ladesäule sogar bis zu 111 kW an.
Die Ladekurve entwickelte sich während meines Tests wie folgt:
- 10 bis ca. 20 Prozent: rund 90 kW
- 21 bis 79 Prozent: rund 105 kW, zeitweise bis zu 112 kW
- 80 bis 84 Prozent: rund 82 kW
- 85 bis 95 Prozent: zwischen 22 und 31 kW
Für längere Strecken lohnt es sich deshalb, den Ladestopp bei rund 80 Prozent zu beenden. Darüber nimmt die Ladeleistung deutlich ab – besonders ab 85 Prozent braucht es spürbar mehr Geduld. An einer AC-Ladestation sind maximal 11 kW möglich. Cupra bietet keine Option auf 22 kW an. Insgesamt fällt die Ladeleistung damit für ein kompaktes Elektroauto in Ordnung aus.

Das Testfazit zum Cupra Raval VZ
Der Cupra Raval VZ hat mir während der knapp zwei Wochen viel Spass gemacht. Optisch haben mir die Cupra-Modelle sowieso schon immer gefallen, doch ich komme nicht nur wegen dem zu diesem Entschluss. Gefallen hat mir insbesondere auch das gelungene Fahrverhalten. Die direkte Lenkung, das straffe Fahrwerk und der Antrieb machen ihn zu einem unterhaltsamen Kleinwagen. Gleichzeitig bleibt er im Alltag angenehm handlich und bietet einen überraschend grossen Kofferraum.
Ganz ohne Kompromisse geht es allerdings nicht. Die vielen Hartplastikflächen trüben den ansonsten schicken Innenraum, und im Fond wird es für grosse Personen eng. Bei der Bedienung geht Cupra mit den echten Lenkradtasten einen erfreulichen Schritt vorwärts, hält bei der Klima- und Lautstärkeregelung aber weiterhin an Touchflächen fest. Hier hätte ich mir etwas mehr Konsequenz gewünscht. Soweit mir bekannt ist, gibts beim VW ID. Polo auch da physische Tasten. Warum Cupra da nicht gleich nachgezogen ist, scheint mir unklar.
Mit einer realistischen Reichweite von rund 310 Kilometern unter den getesteten Bedingungen deckt der Raval VZ meinen Alltag problemlos ab. Für längere Strecken braucht es etwas Planung, wobei die erfreulich konstante Schnellladeleistung die überschaubare Spitzenleistung relativiert.
Der grösste Dämpfer folgt allerdings beim Preis: Das getestete Modell kostet immerhin stolze 45’500 Franken. Das ist sehr viel Geld für einen Kleinwagen – auch wenn der Raval VZ mit sportlichem Fahrverhalten, guter Ausstattung und eigenständigem Design einiges zu bieten hat. In dieser Preisregion gibt es bereits deutlich grössere Elektroautos. Man muss den kompakten Spanier schon besonders mögen, um diesen Preis zu rechtfertigen. So überzeugend ich den Raval VZ im Alltag fand: Der Preis ist für meinen Geschmack zu hoch angesetzt.
Weitere Impressionen vom Cupra Raval VZ




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