Zwischen verschiedenen Klemmbaustein-Herstellern gibt es einen regelrechten Kampf um Film- und Gamelizenzen.
Zwischen verschiedenen Klemmbaustein-Herstellern gibt es einen regelrechten Kampf um Film- und Gamelizenzen. | Bild: Unsplash / Xavi Cabrera
Hintergrund Unterhaltung Lego

Star Trek, Pokémon und Co.: So kämpfen Klemmbaustein-Hersteller um Lizenzen

Lego sammelt Filmlizenzen wie andere Leute Kaffeerahmdeckeli. Doch der dänische Riese ist längst nicht der Einzige, der Hollywood in Noppen giesst. Ein Streifzug durch die Welt der Klemmbausteine.

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Wer dieses Jahr in einen Lego-Store spaziert, braucht starke Nerven. Fox Mulder sitzt in seinem Kellerbüro, samt «I Want to Believe»-Poster. Ein paar Regale weiter wartet der britische Adel: Downton Abbey, 4711 Teile, als Lego-Ideas-Set. Und daneben steht ein blauer Tiger namens Derpy aus «KPop Demon Hunters» – dem meistgesehenen Netflix-Film aller Zeiten.

Das ist erst der Anfang. Seit August gibt es sechs Sets zur Live-Action-Serie «One Piece». Im November schlängelt sich Shenron, der Drache aus «Dragon Ball», 32 Zentimeter hoch aus der Schachtel, samt kleinem Goku auf seiner Wolke. Und Star Trek? Nach der Enterprise-D vom letzten Winter steht seit dem 1. September die Brücke der Original-Enterprise im Laden. Von mutmasslichen Sets zur neuen «Harry Potter»-Serie ganz zu schweigen.

Das Anwesen aus «Downton Abbey» gibt's auch von Lego.
Das Anwesen aus «Downton Abbey» gibt'sSieht von Lego. | Bild: Lego

Lego lizenziert inzwischen quer durch alle Genres und Generationen. Der Eindruck liegt nahe, dass im Klemmbaustein-Universum nur eine Firma die grossen Namen bekommt. Stimmt aber nicht. Einige der spannendsten Kooperationen spielen sich abseits von Billund ab.

BlueBrixx: Die Enterprise ist weg, das Stargate bleibt

Die Ironie beim Thema Star Trek liefert BlueBrixx. Der deutsche Händler aus Speyer hatte sich ab 2021 als inoffizielle Heimat der Trekkies etabliert: offizielle Raumschiffe, gebaut aus Klemmbausteinen, zu Preisen, bei denen Lego-Fans neidisch wurden. Ende 2024 kam die Nachricht, dass die Lizenz ausläuft. Die Sets wurden bis Mitte 2025 abverkauft.

In den Foren wurde damals gerätselt, ob Lego zugreifen würde. Viele winkten ab – zu nischig, zu alt, Lego habe ja Star Wars. Ein Jahr später stand die Enterprise-D mit 3600 Teilen im Lego-Shop. Jüngst folge die Brücke des bekannten Raumschiffs.

Der deutsche Hersteller Bluebrixx hat sich die «Stargate»-Lizenz geschnappt.
BlueBrixx hat sich die Rechte an «Stargate» gesichert. | Bild: Bluebrixx

BlueBrixx hat sich trotzdem nicht aus dem Science-Fiction-Genre verabschiedet. Die Firma baut weiterhin offizielle «Stargate»-Sets, inklusive Tor und Kampfschiffen, und hat Atlantis bereits auf der Wunschliste.

Zudem hat der deutsche Hersteller sich die Rechte an der beliebten Kinderbuchreihe «Die drei ???» gesichert und hat einige Sets zum jüngsten Kinofilm im Sortiment.

Und Ende Jahr dürften Comic-Fans frohlocken, denn BlueBrixx hat sich die Lizenz für Asterix und Obelix gesichert und soll rund 25 Sets auf den Markt bringen.

Mattell und der Master Chief

Der grösste Lizenz-Konkurrent heisst Mega Construx und gehört dem amerikanischen Spielzeugriesen Mattel. Was früher als Mega Bloks im Kinderzimmer lag, ist heute ein Sammelsurium grosser Marken. Pokémon, eine Lizenz, die Mattel erst kürzlich verlängert hat. Halo mit Master Chief und seinen Warthogs.

Mattels Mega-Reihe bietet den Warthog aus den «Halo»-Games an.
Mattels Mega-Reihe bietet den Warthog aus den «Halo»-Games an. | Bild: Mattel

Dazu «Masters of the Universe» samt Castle Grayskull, «Godzilla x Kong», «G.I. Joe» und sogar die Treppe aus «Squid Game». In der Vergangenheit baute Mega auch «Call of Duty» und «Star Trek» – die Enterprise hatte also schon vor BlueBrixx und Lego mehrere Werften.

Cobi schnappt sich «Top Gun»

Eine spannende Filmlizenz ausserhalb von Lego hat auch ein polnischer Hersteller. Cobi ist eigentlich für Panzer, Flugzeuge und Kriegsschiffe bekannt, oft historisch penibel genau. Passend dazu Lizenzen aus Games wie «World of Tanks» und «Company of Heroes 3».

Die MIG-28 aus «Top Gun» gibt's bei Cobi.

Und dann ist da «Top Gun». Der Hersteller Cobi, der sich vor allem au militärische Sets fokussiert, baut Flugzeuge aus dem Original und der Fortsetzung «Top Gun: Maverick» nach. Zum 40-Jahr-Jubiläum des Films kommt 2026 der Flugzeugträger USS Enterprise mit 6100 Teilen. Laut Cobi ist Top Gun eine der weltweit erfolgreichsten Lizenzen im Sortiment.

Die China-Connection: Panda, Popeye und Pokémon

Wer bei chinesischen Klemmbausteinen nur an billige Kopien denkt, hat die letzten Jahre verschlafen. Mehrere Hersteller aus China haben sich einen eigenen Lizenzkatalog aufgebaut – mit teils überraschender Auswahl.

Pantasy ist der Nostalgiker unter ihnen. Das Sortiment bietet Sets aus Animationsfilmen und Trickfilmserien wie Kung Fu Panda, Garfield, Popeye, die Peanuts mit Snoopy und die Mumins. Für Anime-Fans gibt es Dragon Ball, Saint Seiya, Mazinger Z und Astro Boy, für Gamer das Arcade-Ballerspiel «Metal Slug 3».

Sets aus dem Kinderbuchklassiker «Le Petit Prince» gibt's beim chinesischen Hersteller Pantasy.
Sets aus dem Kinderbuchklassiker «Le Petit Prince» gibt's beim chinesischen Hersteller Pantasy. | Bild: Pantasy

Und wer es literarisch mag, baut Sherlock Holmes' Wohnung an der Baker Street 221B oder den kleinen Prinzen, basierend auf Antoine de Saint-Exupérys Kinderbuchklassiker.

Keeppley vom Hersteller Qman wiederum hat in China die Pokémon-Lizenz und baut dazu Doraemon, Detektiv Conan und Hello Kitty.

«Assassins' Creed» bleibt in den USA

Einen Sonderfall liefert Wise Block aus den USA. Die Firma hat zusammen mit Ubisoft viele offizielle Sets zur «Assassin's Creed»-Reihe herausgebracht. Kaufen kann man sie in Europa allerdings nicht, Wise Block liefert nicht ins Ausland. Mögliche Gründe sind die Zölle, aber auch Legos Designschutz in der EU. Denn der dänische Konzern verteidigt die Form seiner Minifiguren mit juristischer Hingabe.

Mould King: Lizenz? Welche Lizenz?

Um genau dieses Problem zu umgehen, hat der chinesische Hersteller Mould King ein Schlupfloch gefunden. Im Online-Shop finden sich Lichtschwerter und klassische Raumschiffe aus dem «Star Wars»-Universum. Ebenso Sets aus «One Piece» und «Fluch der Karibik».

Das Prinzip ist simpel: Man nennt das Kind nicht beim Namen, sondern beim Spitznamen. Jeder Fan weiss, was gemeint ist. Juristisch bewegt sich das in einer Grauzone. Die Firma dribbelt das Lizenzspiel ganz einfach aus.

Lego zahlt Lizenzgebühren um «Star Wars» und «One Piece» auf den Karton zu pappen. Bei Mould King ist Captain Jack Sparrows «Black Pearl» ganz einfach ein «Schwarzes Piratenschiff», die «Flying Lamb» der Strohhutbande wird zur Totenkopf-Flagge Piratengaleone, und der allseits bekannte Sternenzerstörer aus Star Wars ein Venator Republic Attack Cruiser.

Der Kampf um die Noppen

Der Klemmbaustein-Markt ist längst ein Lizenz-Basar. Lego zahlt für die grossen Namen und schnappt sie der Konkurrenz auch mal vor der Nase weg, wie Star Trek zeigt. BlueBrixx, Cobi und Mega picken sich derweil gezielt Nischen heraus. Und die Chinesen bedienen alles.

Für Sammler ist das eine gute Nachricht, denn wer mit Lego nicht warm wird, findet seine Lieblingsfilme, -serien oder -games vielleicht anderswo, oft sogar günstiger. Nur wer bei Mould King einkauft, sollte wissen: Die Macht ist mit ihm, die Lizenz eher nicht.

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