Ich gehöre zu den Menschen, die den Boden lieber morgen feucht aufnehmen. Oder übermorgen. Oder vielleicht auch erst nächstes Jahr. Beim Mova E50 Ultra habe ich gelernt, wie angenehm es ist, wenn diese Arbeit jemand anderes übernimmt.
Nur kam der Staubsaugerroboter aus dem Hause Mova ohne meine selbst montierten Gummirampen nicht über die rund drei Zentimeter hohen Türschwellen meiner Altbauwohnung.
Der Roborock Saros 20 Flow Complete spielt da in einer anderen Liga. Er ist ein Saug- und Wischroboter mit Wischwalze statt Wischpads und dem Anspruch, auch Schwellen zu meistern. Der Preis liegt bei 849 Franken. Kann er im Altbau ohne Hilfsmittel bestehen? Ich habe ihn rund drei Wochen in meiner Wohnung getestet.
Viel Zubehör zum Auspacken
Beim Öffnen der Schachtel wird schnell klar, Roborock hat an die Zukunft gedacht. Neben Roboter und Station liegt so viel Zubehör bei, dass ich damit mindestens ein Jahr – wenn nicht sogar länger – ausgerüstet bin. Im Lieferumfang befinden sich unter anderem:
- Saugroboter
- Reinigungsstation mit Frisch- und Schmutzwassertank sowie Tank für Reinigungsmittel
- Ersatzbürste für die Wischwalze
- Ersatzbürsten für den Staubsauger
- Eine Dose Reinigungsmittel
- 7 Staubsaugerbeutel
- 4 Filter

Einrichtung mit Hindernissen
Beim Mova E50 Ultra lief die Einrichtung in wenigen Minuten. Beim Saros 20 Flow Complete brauchte ich etwas mehr Geduld, und zwar nicht wegen der Hardware, sondern wegen des WLAN. Die Kopplung mit dem Gerät wollte einfach nicht klappen.
Die Lösung war am Ende simpel, aber nicht naheliegend. Ich musste auf dem Smartphone die mobilen Daten ausschalten. Erst dann verband sich der Roboter. In den Anleitungen findet sich dazu allerdings kein Hinweis. Wer also beim Einrichten verzweifelt: Mobile Daten aus und nochmals versuchen.
Mein Altbau als Endgegner, Runde zwei
Mit den kleinen, verwinkelten Räumen und mehreren hohen Türschwellen ist meine Wohnung ein totaler Hindernisparcours. Hier zeigt der Saros 20 Flow Complete seine grösste Stärke. Er kommt problemlos über die Schwellen, ganz ohne Gummirampen oder Karton-Konstruktionen.
Elegant sieht das allerdings nicht aus. Wenn sich der Roboter über die Kanten hievt, wirkt es jedes Mal, als würde er gleich das Gleichgewicht verlieren. Laut Roborock schafft er unter Testbedingungen sogar Doppelschwellen mit insgesamt bis zu 8,8 Zentimetern (4,5 plus 4,3 Zentimeter).

Präzise unterwegs
Auch bei der Navigation hat mich der Saros 20 Flow Complete überzeugt. Bei seinem ersten Rundgang tuckerte der runde Kollege erst einmal durch die Räume und kartografierte das Layout der Zimmer, allfällige Hindernisse und Möbel. Technisch setzt Roborock dabei auf ein Lidar-System (also eine Abstandsmessung per Laser), ergänzt durch eine Kamera, die Objekte und Flecken erkennen soll. Laut Hersteller kennt der Roboter über 300 Objekttypen.
Dass der Roboter den Wohnungsplan bei jeder Reinigungstour automatisch updatet, finde ich auch sehr nützlich. Liegt irgendwo ein Kabel rum oder steht eine Schachtel im Weg, erkennt er das und überträgt es auf die Karte. Hab ich das Zeug aus dem Weg geräumt, passt er die Karte dann entsprechend wieder an.
Eine App mit Lernkurve
Wie bei den meisten anderen Anbietern geht auch beim Saros 20 Flow Complete ohne Smartphone-App nichts. Die Roborock-App braucht etwas Eingewöhnungszeit, weil die Übersetzung ins Deutsche nicht überall gelungen ist. Zudem sind einige Funktionen in den Untermenüs versteckt. Hat man sich aber einmal zurechtgefunden, ist sie gut nutzbar und bietet sehr viele Einstellungen.

Die Reinigungsrouten lassen sich nämlich bis ins Detail planen. Die Reinigungsrouten lassen sich bis ins Detail planen: sowohl, an welchen Tagen er automatisch seine Putzrunde dreht, als auch, in welcher Reihenfolge er die Räume reinigt. Für verschiedene Böden wie Holz oder Teppich lassen sich zudem spezifische eigene Einstellungen festlegen.
Dazu kommen verschiedene Saugstärken für unterschiedliche Bedürfnisse. Auch kann ich die Reinigungstouren timen, so dass der Saros 20 Flow Complete dann seinen Dienst antritt, wenn ich gerade ausser Haus bin. Aber nicht vergessen, vor der Reinigung den Wassertank fürs saubere Wasser zu befüllen. Denn der fasst genug Wasser für etwa vier Reinigungen – je nach Wohnungsgrösse natürlich.
Saugen: angenehm leise
Was mir im Alltag positiv aufgefallen ist: Der Saros 20 Flow Complete ist relativ leise. Natürlich hört man ihn auf seinen Putztouren und einen Film würde ich nicht nebenher ohne Kopfhörer schauen wollen, aber im Vergleich zu Handstaubsaugern ist seine Lautstärke regelrecht angenehm.
Auf dem Papier ist er dabei alles andere als zahm. Roborock gibt eine maximale Saugleistung von 36'000 Pa an. Über die verschiedenen Saugstufen lässt sich die Leistung je nach Raum und Bodenbelag anpassen. Beim Test hat er Staub, Fussel und kleinere Papierschnipsel problemlos inhaliert.

Bei grösseren Objekten und metallischen Gegenständen wie Nägeln oder Büroklammern könnte es aber kritisch werden. Hier rät auch Roborock, diese vorgängig zu entfernen, weil sie sonst die Technik des Geräts beschädigen könnten.
Feucht aufnehmen: die Sache mit den Rändern
Beim Wischen setzt Roborock auf eine Wischwalze statt auf rotierende Pads. Sie lässt sich laut Hersteller bis zu 15 Millimeter anheben, damit er beispielsweise keine Teppiche nass aufnimmt. Die Station wäscht die Walze mit bis zu 100 Grad heissem Wasser und trocknet sie mit Warmluft. Der Trocknungsvorgang ist dann auch noch eine Weile hörbar, wenn die Putzrunde längst abgeschlossen ist.
Die Mopp-Funktion hat aber eine Schwäche: Die Walze sitzt mittig auf der Unterseite, der Roboter selbst ist aber breiter als die Walze. Damit kommt er beim Feuchtaufnehmen nie ganz an die Ränder und in die Ecken.

Zwar kann der Saros 20 Flow Complete die Wischwalze seitlich noch ausfahren, ganz bündig zu Sockelleisten oder Wänden schafft er es allerdings nicht, gut ein halber Zentimeter bleibt jeweils frei. Das ist aber ein vernachlässigbares Detail. Wer jedoch blitzblanke Fussleisten erwartet, muss weiterhin selbst nachwischen.
Clever ist hingegen, dass der Saugroboter begreift, welchen Untergrund er grad unter den Rädern hat. Teppiche nimmt er also nicht feucht auf.
Wenig Wartung dank cleverer Station
Die Reinigungsstation hat zwei Wassertanks, einen für sauberes und einen für Dreckwasser. Dazu kommt ein separater Tank für Reinigungsmittel, das die Station laut Roborock automatisch dosiert. Auch den Staub entleert die Station selbst in einen einsetzbaren Beutel.
Laut Hersteller reicht dieser Staubbeutel für bis zu 65 Tage, bevor man das Ding händisch wechseln muss. Die Füllstände muss man allerdings nicht im Hinterkopf behalten, die App informiert darüber, wann wo etwas nachgefüllt oder ersetzt werden muss.
Nicht alles klappt perfekt
Fassen wir die Schwachpunkte zusammen. Da wäre die WLAN-Kopplung, die nur mit einem Trick funktionierte, der nirgends dokumentiert ist. Das ist ein Ärgernis beim Start, das man einmal löst und dann vergisst. Ich will's trotzdem erwähnt haben.
Für penible Leute könnte die Wischfunktion schwerer wiegen. Gerade bei einem Gerät dieser Klasse hätte ich erwartet, dass es auch Ränder und Ecken erreicht. Das schafft der Saros 20 Flow Complete aber nicht einwandfrei.

Das Testfazit
Der Saros 20 Flow Complete kommt ohne Hilfsmittel über meine Altbauschwellen. Wackelig, aber zuverlässig. Für mich ist das ein grosses Plus. Dazu navigiert er präzise, ist relativ leise und aktualisiert seine Karte selbstständig, wenn mal wieder ein Kabel im Weg liegt.
Die App verlangt etwas Einarbeitung, belohnt dafür aber mit vielen Einstellungsmöglichkeiten. Und der grosszügige Lieferumfang sorgt dafür, dass ich mir so schnell keine Gedanken über Ersatzteile machen muss.
Die Einrichtung war dagegen holpriger als nötig, und beim Feuchtaufnehmen bleiben einige Ränder und Ecken aussen vor. Wer vor allem perfekt gewischte Kanten will, sollte sich das gut überlegen.
Wer aber eine Wohnung mit Schwellen hat und einen Roboter sucht, der nicht bei jeder Türe kapituliert, findet im Saros 20 Flow Complete einen souveränen und hochwertigen Mitbewohner, der im Alltag viel mühselige Putzarbeit abnimmt.