Zeekr 001 im Test: Dieser Elektro-Shooting-Brake greift die Premiumklasse an
Der Zeekr 001 im vybe-Fahrbericht | Bild: vybe
Fahrbericht Zeekr Elektroauto

Zeekr 001 im Test: Dieser Elektro-Shooting-Brake greift die Premiumklasse an

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Inhaltsverzeichnis

In den letzten Jahren hat sich der europäische Automarkt gewandelt. Immer mehr chinesische Autobauer wollen Europa und damit auch die Schweiz erobern. Im letzten Jahr sind dann auch zahlreiche neue Marken hierzulande gestartet, darunter unter anderem BYD, Xpeng und eben auch Zeekr. Was viele nicht wissen: Hinter Zeekr steckt mit Geely der gleiche chinesische Mutterkonzern wie bei Volvo und Polestar.

Zeekr hat jedoch auch seine Wurzeln in Europa, genauer gesagt in Göteborg, Schweden. Der noch junge Autobauer, der vor allem im Premium-Segment auf sich aufmerksam machen will, nutzt zwar Technologie aus China, das Design entsteht jedoch in Schweden. Es ist eine Mischung, die bereits beim Elektro-SUV Zeekr 7X in unserem Fahrbericht überzeugen konnte. Ob das auch mit dem Zeekr 001 gelingt?

Nach meinem zweiwöchigen Test des Elektro-SUV Zeekr 7X stand nun also der Zeekr 001 auf dem Programm. Den vollelektrischen Shooting Brake durfte ich an einem heissen Sommertag in der Topausstattung Privilege AWD (ab CHF 71'990.–) wiederum für zwei Wochen in Empfang nehmen. Der Zeekr 001 positioniert sich als moderner und leistungsstarker Elektro-Shooting-Brake, der innovative Technologie, hohen Fahrkomfort und beeindruckende Fahrleistungen mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis verbindet.

Exterierur

Zeekr vermarktet den 001 als luxuriösen Shooting Brake. Per Definition heisst dass, dass er die Silhouette eines sportlichen Coupés mit dem Platzangebot eines Kombis verbindet. Das lassen wir mal so durchgehen, auch wenn mich das Seitenprofil eher an einen schnittigen und sportlichen Kombi erinnert. Eigenständig, aber schick, so lässt sich das Design jedenfalls ganz zutreffend beschreiben.

Mit einer Länge von knapp fünf Metern, einer Breite von fast zwei Metern und seinen ausgeprägten Radhäusern fällt das Fahrzeug auf den Strassen zweifellos auf. Die schmalen LED-Leuchten sind gut gelungen, wohingegen die grosse LED-Rückleuchte mit beleuchtetem Zeekr-Logo schon eher etwas verspielt wirkt. Was bleibt, ist: die fliessende Dachlinie und die insgesamt schnittige Optik.

Bild: vybe

Interieur

Zeekr möchte im Premium-Segment mitspielen – und dass dies keine leeren Worte sind, zeigt sich spätestens beim Einsteigen. Das Interieur überzeugt mit hochwertigen Materialien, einer tadellosen Verarbeitung und einer Haptik, die sich problemlos auf dem Niveau von europäischen Premiumherstellern bewegt. Die kupferfarbenen Dekorelemente erinnern mich zwar zwangsläufig an Cupra, die Kupfer quasi zum Markenzeichen gemacht haben. Doch sie stehen auch dem 001 absolut gut.

Ich möchte es noch einmal ausdrücklich erwähnen: Die Verarbeitungsqualität ist besonders beeindruckend. Billige Kunststoffflächen sucht man hier vergebens, und auch Knarzgeräusche, die auf eine minderwertige Verarbeitung hindeuten würden, gibt es nicht. Das musste sogar ein Freund zugeben, der sonst ein eingefleischter BMW-Fahrer ist und mit Elektroautos nichts (oder noch nichts..) anfangen kann. Weiche Oberflächen und Sitze mit perfekt eingearbeiteten Kontrastnähten, das ist beim 001 Programm.

Für Fahrer und Beifahrer gibts auch verschiedene Massage-Programme | Bild: vybe

Apropos Sitze: Auch die sind durch und durch Premium und auch auf der Langstrecke bequem. Selbstverständlich gibt es eine Memory-Funktion für die Sitzeinstellungen. Für zusätzlichen Komfort sorgen Sitzheizung und -lüftung sowie die angenehme Massagefunktion für Fahrer und Beifahrer. Besonders die Sitzlüftung, die für meinen Geschmack jedoch noch etwas stärker ausfallen dürfte, habe ich in den letzten Wochen aufgrund der hohen Temperaturen praktisch täglich genutzt.

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Auch für die Passagiere im Fond sind die Platzverhältnisse grosszügig. Grössere Menschen haben ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Da ich selbst fast 1,90 m gross bin, kann ich das ganz gut beurteilen. Eine Sitzlüftung oder Massagefunktion gibts zwar nicht für die Passagiere im Fond, dafür aber immerhin eine Sitzheizung. Zusätzlich lassen sich die äusseren Sitze elektronisch auch noch etwas nach hinten verschieben. Über ein zusätzliches Display im Fond lässt sich unter anderem die Lüftung individuell einstellen. Zudem gibt es Lademöglichkeiten für Smartphones, Tablets und Co. über USB-C und USB-A.

Hervorheben möchte ich ausserdem die sehr gute Geräuschdämmung von Aussengeräuschen. Selbst auf der Autobahn halten sich Wind- und Umgebungsgeräusche absolut in Grenzen, was zu einem angenehmen Fahrkomfort beiträgt.

Aufgrund der schräg abfallenden Dachline verkleinert sich der Kofferraum. Laut Zeekr steht aber dennoch ein Volumen von 539 Litern zur Verfügung. Das reicht in der Regel aus, sofern man nicht gleich sperrige Dinge transportieren möchte. Unterhalb der Abdeckung gibts ein zusätzliches Fach, das mit einer Höhe von 15 Zentimetern aber nicht sehr gross ausfällt. Für noch mehr Stauraum sorgt der Fraunk unter der Fronthaube. Dort lässt sich etwa das Ladekabel verstauen.

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Bedienung und Infotainment

Dass es sich beim Zeekr 001 um ein Elektroauto mit Technik aus China handelt, wird bei der Bedienung und beim Infotainment deutlich. Die Bedienung erfolgt praktisch vollständig über das zentrale, hochauflösende Touchscreen. Physische Tasten sind Mangelware und beschränken sich unter anderem auf die Warnblinkanlage und das Öffnen des Kofferraums.

Ansonsten wird alles konsequent über den zentralen 14,6-Zoll-Touchscreen bedient. Mich persönlich stört das inzwischen nicht mehr so sehr, da ich bereits zahlreiche Modelle gefahren bin, die sich überwiegend nur noch über das Touchscreen-Display steuern lassen. Dennoch empfinde ich insbesondere wiederkehrende Funktionen wie die Lüftungseinstellung als angenehmer, wenn dafür noch physische Tasten vorhanden sind.

Das Lenkrad weist eine gute Haptik auf, doch die Touchflächen trüben den sonst positiven Eindruck | Bild: vybe

Und da wir gerade bei den physischen Tasten sind: Das Lenkrad weist zwar eine gute Haptik auf, allerdings haben mich die berührungsempfindlichen Flächen am Lenkrad gestört. Im Gegensatz zum Zeekr 7X gibt es nämlich keine physischen Tasten am Lenkrad. Die Touchflächen haben sich im Alltag oftmals als unpräzise und mühsam in der Bedienung erwiesen. Ja, da sehnte ich mich wirklich nach dem Lenkrad des Zeekr 7X zurück.

Android Auto und Apple CarPlay werden kabellos unterstützt | Bild: vybe

Dank der potenten Rechenleistung läuft das Infotainment flüssig. Aufgrund mehrerer Menüstrukturen muss man hin und wieder nach bestimmten Einstellungen etwas suchen. Dafür sind die Übersetzungen in der Regel nachvollziehbar. Android Auto und Apple CarPlay werden – wie es sich gehört – kabellos unterstützt. Abgesehen vom grossen Touchscreen gibt es noch ein ausreichend großes Fahrerdisplay und ein Head-up-Display (HUD). Letzteres zeigt die wichtigsten Angaben direkt im Sichtfeld des Fahrers an.

Das Audiosystem von Yamaha konnte mit seinen insgesamt 12 Lautsprechern überzeugen. Auf Wunsch pulsiert die Ambientebeleuchtung mit, deren Farbe sich den individuellen Wünschen anpassen lässt. Das ist mir persönlich etwas zu viel des Guten, aber bekanntlich sind die Geschmäcker verschieden.

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Fahrleistung

Der Zeekr 001 Privilege AWD ist mit zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse ausgestattet. Kombiniert wird eine Leistung von 400 kW (544 PS) erreicht. Mit einem Drehmoment von 686 Nm beschleunigt der 001 in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die brachiale Kraft der beiden Elektromotoren ist vor allem im Sportmodus spürbar. Schon ein kurzes Antippen genügt und es geht ab wie die Post. Die Spitzengeschwindigkeit ist bei 200 km/h erreicht.

Das Luftfahrwerk lässt sich um bis 83 mm in der Höhe verstellen | Bild: vybe

Die Privilege-Variante verfügt über ein aktives Luftfahrwerk mit einer Höheneinstellung von bis zu 83 mm. Da es adaptiv ist, passt es sich je nach Fahrgeschwindigkeit automatisch an. So setzt sich das Fahrwerk etwa auf der Autobahn automatisch ganz ab. Im Fahrzeug bekommt man davon jedoch nichts mit. Das Fahrwerk absorbiert Unebenheiten auf der Strasse sehr gut. Teilweise hat man das Gefühl, man schwebe über den Asphalt. Ja, das geht schon in Richtung Oberklasse-Niveau.

Die Lenkung des Zeekr 001 arbeitet präzise und vermittelt ein gutes Gefühl für das Fahrzeug. Das ist heutzutage nicht mehr immer der Fall. Kurvenfahrten machen mit dem Zeekr 001 durchaus Spass, was sonst nicht unbedingt die bevorzugte Kategorie von Elektroautos ist. Das hohe Gewicht von weit über 2000 Kilogramm kann das insgesamt gute Fahrwerk wenig überraschend dann aber doch nicht ganz kaschieren.

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Der Zeekr 001 verfügt über zwei Rekuperationsmodi: „Mittel” und „Stark”. Eine leichte Rekuperation gibt es nicht. Dafür gibt es die One-Pedal-Drive-Funktion. Bei der Rekuperation ist mir eine leichte Verzögerung aufgefallen. Es wirkte so, als müsste das Fahrzeug zunächst überlegen, wie stark abgebremst bzw. rekuperiert werden soll. Im Alltag beträgt die Verzögerung zwar wohl nur einen Bruchteil einer Sekunde, dennoch fühlte sich die Rekuperation manchmal etwas eigen an. Das wiederum ist mir beim Zeekr 7X so nicht aufgefallen. Allerdings kam der 7X auch später auf den Markt und dürfte daher auf einer neueren Plattform basieren.

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Reichweite und Laden

Der Zeekr 001 verfügt über eine grosse 100-kWh-Batterie, die mit einer 400-Volt-Architektur kombiniert ist. Zwar gibt es inzwischen ein Facelift mit 900-Volt-Architektur, doch dieses wird in der Schweiz noch nicht angeboten. Immerhin ist mit der 400-Volt-Architektur eine Schnellladeleistung von bis zu 200 kW möglich. Unter optimalen Bedingungen lädt sich die Batterie so in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent auf. Das ist nicht ganz so schnell, wie etwa beim Zeekr 7X (bis zu 480 kW), aber auch nicht so tragisch. Positiv ist, dass an der heimischen Wallbox bis zu 22 kW serienmässig möglich sind.

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Für den Privilege AWD gibt Zeekr bei einem Verbrauch von 18,5 kWh auf 100 Kilometern eine WLTP-Reichweite von bis zu 585 Kilometern an. Dass der WLTP-Richtwert nicht zu 100 Prozent stimmt, insbesondere bei vielen Autobahnkilometern, sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Bei mir resultierte im Mischverkehr (Autobahn, Landstrasse, Stadt) ein Verbrauch von 21,5 kWh auf 100 Kilometern. Damit erreichte ich eine Reichweite von ca. 465 Kilometern.

Die Garantie von Zeekr ist vorbildlich: Standardmässig gibt es fünf Jahre oder 100000 Kilometer. Wer innerhalb der ersten fünf Jahre den Service nach Plan bei einem autorisierten Zeekr-Händler durchführen lässt, kann die Garantie sogar auf bis zu zehn Jahre oder 200000 Kilometer erweitern.

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Das Testfazit zum Zeekr 001

Das Design des Zeekr 001 als Shooting Brake wirkt eigenständig und hochwertig. Damit hebt sich Zeekr gekonnt vom Einheitsbrei der Elektro-SUVs ab. Besonders hervorzuheben ist die Verarbeitungsqualität des Interieurs. Damit kann Zeekr problemlos mit etablierten Premiumherstellern mithalten. Hochwertige Materialien, sehr gute Sitze mit umfangreichen Komfortfunktionen und eine hervorragende Geräuschdämmung sorgen für ein komfortables Fahrgefühl. Auch das Platzangebot ist grosszügig, wodurch der Wagen klar langstreckentauglich ist.

Der Zeekr 001 überzeugt fahrdynamisch auf ganzer Linie. Die enorme Leistung sorgt für beeindruckende Beschleunigungswerte, während das adaptive Luftfahrwerk für viel Komfort sorgt und das Fahrzeug über den Asphalt gleiten lässt. In Kurven ist das hohe Gewicht zwar wie erwartet spürbar, das Fahrverhalten bleibt aber insgesamt ausgewogen und die Lenkung ist überraschend präzise.

Kleine Schwächen bei der Touch-Bedienung oder der Rekuperation fallen nicht allzu stark ins Gewicht, wenn man das Gesamtpaket betrachtet. Der Zeekr 001 Privilege AWD ist nicht günstig, doch angesichts der üppigen Ausstattung, des Komforts und der Performance relativiert sich der Preis sehr schnell wieder. Unterm Strich ist der Zeekr 001 ein durchaus ernstzunehmender Mitbewerber im Segment der Premium-Elektroautos.