MG IM6 Performance im Test: Ist das der Geheimtipp unter den Elektro-SUVs?
Der MG IM6 Performance im Test | Bild: vybe
Fahrbericht MG Elektroauto

MG IM6 Performance im Test: Ist das der Geheimtipp unter den Elektro-SUVs?

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Inhaltsverzeichnis

Als MG Motors im vergangenen Jahr die beiden vollelektrischen Modelle IM5 und IM6 vorstellte, war mir schnell klar, dass ich unbedingt in eines dieser Fahrzeuge sitzen wollte. Da die Fahrzeuge unter den Testern aber sehr beliebt sind, musste ich mich einige Monate auf einen freien Testslot gedulden. Anfang Mai 2026 war es schliesslich soweit: Ich durfte den MG IM6 für zwei Wochen in Empfang nehmen.

Nach der Übergabe stand das Fahrzeug zwei Wochen lang im Mittelpunkt meines Alltags. Mit dem IM6 habe ich letztlich knapp 1000 Kilometer zurückgelegt und dabei zahlreiche Eindrücke gesammelt, die ich nun mit euch teilen möchte. Der IM6 positioniert sich als modernes und äusserst leistungsstarkes Elektro-SUV mit Fokus auf Technologie und Komfort bei einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wie gut dem MG IM6 der Spagat gelingt, habe ich für euch über einen Zeitraum von gut zwei Wochen getestet.

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Exterieur

Optisch erinnert der MG IM6 an das Model Y von Tesla. Ich würde behaupten, dass das Elektro-SUV von Tesla durchaus als Vorbild für den MG IM6 herangezogen wurde. Verkehrt ist das nicht, zumal Tesla damit in der Vergangenheit grosse Erfolge feiern konnte. So setzt auch MG auf ein Fliessheck. Die Proportionen wirken dynamisch, gepaart mit einer klaren Linienführung, die das Fahrzeug bei seitlicher Betrachtung flacher erscheinen lässt, als es tatsächlich ist.

Mit einer Länge von knapp fünf Metern ist der IM6 definitiv kein Kompaktfahrzeug, dafür bietet er aber ein üppiges Platzangebot. Mehr dazu unter Interieur. Die Lichtsignatur verleiht dem Fahrzeug einen modernen und etwas futuristischen Auftritt.

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Interieur

Das Model Y von Tesla diente nicht nur bei der Optik als Vorbild. Im Interieur setzt MG auf Minimalismus und viel Displayflächen. Physische Tasten sind nur am Lenkrad vorhanden, alles andere wird über Touchscreens bedient. Im MG IM6 gibt es davon gleich zwei: Für alle fahrzeugspezifischen Einstellungen wie die Klimasteuerung oder Sitzfunktionen gibt es in der Mittelkonsole einen 10,5 Zoll grossen Touchscreen. Weiter geht es mit einem 26,3 Zoll grossen Panorama-Display, das sich fast über das gesamte Armaturenbrett erstreckt. Es beinhaltet nahtlos das Kombiinstrument und das Touchscreen für das Infotainmentsystem.

Die Materialien im Innenraum wirken deutlich hochwertiger als beim MG4 Xpower und vermitteln ein "Business-Lounge"-Feeling. Die Fahrer- und Beifahrersitze aus lederähnlichem Material bieten guten Halt und sind auch auf längeren Strecken sehr bequem. Dank Sitzlüftung und -heizung sowie einer Massagefunktion für den Fahrer kommt der Komfort nicht zu kurz. Die Bein- und Kopffreiheit ist nicht nur auf den vorderen Plätzen, sondern auch auf den ebenfalls bequemen Plätzen für Passagiere im Fond sehr gut. Die Ambientebeleuchtung lässt sich individuell seinen Wünschen anpassen.

Mit einem Volumen von 665 Litern ist der Kofferraum des IM6 sehr geräumig. Darin lassen sich problemlos mehrere grössere Koffer verstauen, was den IM6 auch für Familien attraktiv macht. Wird die Rücksitzbank umgeklappt, ergibt sich ein Volumen von 1640 Litern. Im 32 Liter fassenden Frunk (vorne) lässt sich etwa das Ladekabel verstauen. Alternativ bietet der IM6 im Kofferraum auch ein zusätzliches Staufauch unterhalb des Kofferraumbodens.

Bedienung und Infotainment

Bei der Bedienung scheiden sich die Geister. Zwar verbaut MG ein zusätzliches Touchscreen-Display für die fahrzeugspezifischen Funktionen, allerdings ist dieses suboptimal platziert. Es ist ziemlich tief neben dem Fahrer angebracht, sodass man zwangsläufig den Blick von der Strasse abwenden muss. Das sorgt für unnötige Ablenkung und kann letztlich auch eine Gefahr darstellen. Ich persönlich würde einen Mittelweg bevorzugen, wie er etwa beim IONIQ 9 von Hyundai zu finden ist.

Wer schon einmal ein Fahrzeug aus China gefahren ist, wird sich mit dem Infotainmentsystem schnell vertraut machen können. Es bietet alles, was wir von anderen chinesischen Marken kennen, und ist ähnlich aufgebaut. Hier und da gibt es noch Handlungsbedarf bei der Übersetzung, denn nicht immer ist direkt erkennbar, wofür welche Funktion im Endeffekt steht. Positiv hervorzuheben ist, dass das Infotainmentsystem kabellos Android Auto und Apple CarPlay unterstützt.

Der MG IM6 verfügt über zahlreiche Assistenzsysteme, die sich akkustisch schnell bemerkbar machen. Gut, mittels Shortcuts lassen sich die Assistenzsysteme, etwa der Tempowarner relativ schnell deaktivieren. Das Auto beispielsweise problemlos selbstständig die Fahrspur wechseln und auf Wunsch auch selbstständig einparken. Letzteres funktioniert sehr intuitiv. Auf dem Touchscreen werden verfügbare Parkplätze angezeigt, die sich einfach auswählen lassen. Anschliessend manövriert das Fahrzeug gekonnt und mit einem erstaunlich hohen Tempo in die Parklücke. Einfacher geht Einparken kaum. Alternativ lässt sich das Fahrzeug auch aus einer Parklücke manövrieren. Das hat im Test jedoch nicht immer reibungslos funktioniert – insbesondere dann nicht, wenn sich andere Fahrzeuge in der Nähe befanden.

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Rund um das Fahrzeug sind zahlreiche Kameras integriert. Besonders die Rückfahrkamera habe ich während des Tests sehr oft genutzt. Dadurch ist der Seitenblick nach hinten sehr stark eingeschränkt. Der IM6 nutzt die Kameras auch fürs selbstständige Fahren. „Selbstständig” ist dabei allerdings nicht ganz korrekt, da autonomes Fahren nicht unterstützt wird. Dafür gibt es einen adaptiven Tempomat und einen Spurhalteassistenten, wobei die Hände dabei immer am Lenkrad bleiben müssen. Dieser ist zwar deutlich besser als meine Erfahrungen mit dem MG4 Xpower, doch kommt es weiterhin hin und wieder zu unerklärlichen Temporeduzierungen.

Fahrleistung und Fahrspass

Schon der MG4 XPower hat mich mit seinen Fahrleistungen beeindruckt. Der IM6 setzt mit seiner Systemleistung noch einen drauf – zumindest, wenn man sich für die Performance-Variante mit Allradantrieb und 553 kW (751 PS) entscheidet. Dank dieser Systemleistung und einem maximalen Drehmoment von 802 Nm beschleunigt der über 2,4 Tonnen schwere Elektro-SUV in lediglich 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Spitze ist erst bei 267 km/h erreicht. Leistung ist damit definitiv im Überfluss vorhanden.

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Während meiner zweiwöchigen Testfahrten habe ich das Fahrzeug meist im Komfort-Modus gefahren. Doch selbst im Eco-Modus bietet der IM6 noch sehr viel Leistung, sodass auf der Autobahn problemlos überholt werden kann. Die brachiale Leistung entfaltet sich jedoch erst im Sport-Modus so richtig. Seid jedoch gewarnt: Im Sport-Modus reagiert das Gaspedal sehr sensibel. Generell lässt sich festhalten, dass sich alle drei Fahrmodi stark voneinander unterscheiden. Auf Wunsch lässt sich auch ein individueller Fahrmodi zusammenstellen.

Wer besonders viel Energie sparen möchte, kann den Super-Eco-Modus aktivieren. Doch Achtung: In diesem Modus lässt sich das Fahrzeug nur mit maximal 60 km/h bewegen. Er sollte dann auch nur aktiviert werden, wenn die Reichweite fast aufgebraucht ist. Im Super-Eco-Modus werden ausserdem andere energiehungrige Dinge wie die Klimaanlage oder das Touchscreen ausgeschaltet. Abgesehen von einem kurzen Test, habe ich den Super-Eco-Modus glücklicherweise nie verwenden müssen.

Über die zwei Tasten lässt sich die Karosserie auf Wunsch höher oder tiefer legen | Bild: vybe

Der MG IM6 Performance ist mit einer Luftfederung und adaptiven Dämpfern ausgestattet. Damit lässt sich die Karosserie auf Wunsch höher oder tiefer legen. Letzteres erleichtert den Zugang zum Fahrzeug sowie das Beladen von schwerem Gepäck. Die Höhe lässt sich auch direkt im Kofferraum per Knopfdruck einstellen. Dank einer Multilink-Hinterachse mit Doppelquerlenkerachse bietet der IM6 trotz seiner Länge von 4,9 Metern einen ausgezeichneten Wendekreis – insbesondere im sogenannten Crab-Mode. Damit kann sich das Fahrzeug bei niedrigen Geschwindigkeiten diagonal oder seitwärts bewegen.

Im Krabbenmodus lässt sich das Fahrzeug bei niedrigen Geschwindigkeiten diagonal oder seitwärts bewegen | Bild: vybe

Das Fahrwerk spiegelt die brachiale Systemleistung nicht direkt wider. Es ist vielmehr auf Komfort ausgelegt, wie wir es von vielen anderen chinesischen Marken kennen. Die Lenkung könnte für meinen Geschmack noch etwas mehr Feedback an den Fahrer abgeben und somit direkter sein. Doch alles in allem, bietet der MG IM6 auf der Strasse sehr viel Fahrspass.

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Batterie und Laden

Der MG IM6 wird in allen Modellvarianten mit einer grossen 100-kWh-Batterie ausgeliefert. Damit gibt der chinesisch-britische Autobauer eine Reichweite von bis zu 505 Kilometern nach WLTP-Zyklus an. Das kommt sogar ungefähr hin. Während meiner knapp 1000 Kilometer zeigte mir der Bordcomputer einen durchschnittlichen Verbrauch von 23,2 kWh auf 100 Kilometern an. Dabei muss erwähnt werden, dass rund 60 Prozent der zurückgelegten Kilometer auf Autobahnen zurückgelegt wurden. In anderen Worten: Das in anbetracht der hohen Systemleistung eine gute Reichweite.

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Der IM6 basiert auf einer 800-Volt-Architektur. MG nutzt diese mit einer Ladeleistung von 396 kW an der Schnellladestation nahezu vollständig aus. Ein Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent dauert damit lediglich 17 Minuten. Ein Praxistest an einem Schnelllader von IONITY zeigt, dass dieser Wert realistisch ist. Bei einer Restbatterie von 16 Prozent waren die 80 Prozent bereits nach 16 Minuten erreicht. Ja, das reicht kaum noch aus, um schnell auf die Toilette zu gehen und einen Kaffee zu trinken.

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Das Testfazit zum MG IM6 Performance AWD

Auf der Suche nach einem Elektro-SUV mit viel, nein, sehr viel Leistung? Dann lohnt sich ein Blick auf den MG IM6 Performance. Das Fahrzeug hat mich im Alltag positiv überrascht. Neben der hohen Systemleistung überzeugt der IM6 mit hohem Komfort und einer Ausstattung, die in dieser Preisklasse sonst nicht zu finden ist. Ich meine, wo gibt es sonst Features wie eine Luftfederung, ein adaptives Fahrwerk, eine ultraschnelle 800-Volt-Architektur und über 700 PS für 61990 Franken?

Doch auch der MG IM6 ist nicht ganz kritikfrei. Es ist fraglich, ob es der richtige Weg ist, alle Funktionen ausschliesslich über die Touchscreens zu steuern. Die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen ist nicht zu unterschätzen, zumal MG das zusätzliche Touchscreen für fahrzeugspezifische Funktionen ungünstig positioniert hat. Luft nach oben gibt es auch bei den einzelnen Assistenzsystemen, die zwar grundsätzlich zuverlässig arbeiten, aber gelegentlich Fehlreaktionen zeigen. Das bezieht sich insbesondere auf den adaptiven Tempomat.

Alles in allem ist der MG IM6 dennoch ein heißer Kandidat unter den Elektro-SUVs. Er überzeugt mit einem gelungenen Mix aus Leistung, Komfort und einer sehr hohen Ladeleistung. Wer sich von der touchscreenlastigen Bedienung nicht abschrecken lässt, erhält ein insgesamt sehr preiswertes Fahrzeug mit Premium-Ausstattung.