Vor einigen Wochen deutete vieles darauf hin, dass der VW-Konzern die spanische Automarke Seat bis 2029 aufgeben könnte. Vom Tisch ist dieses Szenario weiterhin nicht. Zwar erklärte Seat kurz nach den ersten Berichten in einer Stellungnahme, dass bislang nichts entschieden sei. Das bekräftigte Seat-CEO Markus Haupt nun auch in einem Interview mit Autocar.
Kampflos will sich Seat seinem möglichen Ende aber nicht ergeben, auch wenn offenbar weiterhin kein rein elektrisches Modell geplant ist. Anders als die Schwestermarke Cupra bietet Seat bislang keine Elektroautos an. Leon und Leon Sportstourer sind immerhin als Plug-in-Hybride erhältlich. Ibiza und Arona ergänzen das Portfolio als klassische Verbrenner.
Der Seat-Chef macht die Zukunft der Marke von den künftigen regulatorischen Vorgaben abhängig. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie lange neue Verbrenner noch verkauft werden dürfen. Die EU hat beschlossen, dass neue Personenwagen ab 2035 im Betrieb kein CO₂ mehr ausstossen sollen. Das würde für klassische Benzin- und Dieselautos faktisch das Aus bedeuten.
Bereits ab 2030 gelten strengere CO₂-Flottenziele für die Hersteller. Über diese Vorgaben wird inzwischen allerdings wieder intensiv diskutiert. Darin könnte eine Chance für Seat liegen: Sollte die EU die beschlossenen Ziele tatsächlich lockern, hätte die Marke mehr Spielraum, ihre Modelle mit Verbrennungsmotor länger anzubieten. Doch auch wenn dies so kommt, und danach sieht es aus, wäre Seat weiterhin nicht vom Schneider.
Haupt räumt offen ein, dass ein Auslaufen von Seat als Automarke bis Ende 2029 eine Option ist. Er betont allerdings, dass auch andere Möglichkeiten geprüft werden. Sollte es tatsächlich zum Aus kommen, verspricht der Seat-Chef, den Service für weitere 15 Jahre sicherzustellen. Entscheidend seien letztlich die Nachfrage und der Spielraum, den die künftigen regulatorischen Vorgaben lassen.
Meine Einschätzung zur Zukunft von Seat
Die Aussagen von Markus Haupt greifen für mich zu kurz. Eine Lockerung der CO₂-Ziele könnte Seat zwar Zeit verschaffen. Sie beantwortet aber nicht die entscheidende Frage: Welchen Stellenwert hat Seat überhaupt noch innerhalb des VW-Konzerns? Genau hier dürfte das eigentliche Problem liegen. Mit Volkswagen, Skoda, Seat und Cupra führt der Konzern gleich mehrere Marken, deren Angebote sich bei Technik und Zielgruppen teilweise stark überschneiden.
Denkbar wäre für mich gewesen, Seat konsequent als preiswerte Einstiegsmarke zu positionieren – auch mit bezahlbaren Elektroautos. Renault zeigt mit Dacia, dass eine klare Ausrichtung auf erschwingliche und unkomplizierte Fahrzeuge durchaus erfolgreich sein kann. Dafür hätte der VW-Konzern allerdings auch die Abgrenzung zu Skoda und Volkswagen schärfen müssen.
Letztlich bleibt festzuhalten: Gelockerte Regulierungen werden das Problem rund um Seat nicht lösen – höchstens die Galgenfrist noch etwas verlängern.