Es ist Herbst und damit die passende Zeit, um an verregneten Tagen mit einer heissen Tasse Tee auf dem Sofa zu sitzen und sich zu entspannen. Das kannst du auch in Game-Form, wie dir mein erster und zweiter Artikel zu den besten Cozy-Games gezeigt haben.
Natürlich habe ich noch eine ganze Reihe weiterer Cozy Games in petto, die dir einen Abend nach einem anstrengenden Tag (oder gleich ein ganzes verregnetes Wochenende) versüssen können.
All diese Spiele sind für PlayStation 5 erhältlich. Die meisten davon gibt es auch auf anderen Plattformen.
Unravel (2016)
Hygge wäre wohl das passende Wort für dieses Spiel. Als Yarny – ein knuffiges Figürchen aus Wolle – hüpfen und knobeln wir uns durch verschiedene, von der Schwedischen Natur inspirierten, Landschaften und nutzen unsere Woll-Abwickel-Funktion, um Rätsel und Sprungpassagen zu lösen.
Zwar hat das Spiel ein paar knifflige Stellen, die etwas un-cozy sein können, insgesamt ist Yarnys Abenteuer aber ein tolles Erlebnis. Das liegt auch am grandiosen Soundtrack von Frida Johansson und Henrik Oja.
Auch das 2018 erschienene «Unravel 2» lohnt ein Blick. Hat auch einen gelungenen Koop-Modus.
Bramble: The Mountain King (2023)
Okay, diese Empfehlung braucht etwas Erklärungsbedarf. Denn ja, auf den ersten Blick wirkt «Bramble: The Mountain King» wie ein niedliches Adventure-Game, bei dem wir als zehnjähriger Olle eine von nordischen Sagen inspirierten Welt nach unserer Schwester zu suchen, die von einem Troll entführt wurde. Dabei reiten wir auf Igeln, hüpfen über Frösche und spielen mit kleinen Gnomen mit Zipfelmützen Verstecken.
Und dann nimmt die ganze Schose eine verdammt düstere Abzweigung und bald schon fliehen wir durch einen düsteren Sumpf mit einer kindermordenden Hexe auf den Fersen, verstecken uns zwischen Leichenteilen vor einem fressenden Troll und kämpfen gegen den titelgebenden Mountain King, der Kinder zum Fressen gern hat.
«Bramble: The Mountain King» taucht manchmal ganz klar in Horrorgewässern. Dennoch hat Olles Reise durchs Sagenland auch ihre schönen und berührenden Momenten. Bevor ihr euch das Game kauft, schaut vielleicht einen Trailer an, ob euch das zusagt, den inhaltlich ist «Bramble: The Mountain King» von den Dimfrost Studios schon harter Tobak.
Forever Ago (2026)
Kehren wir auf den Boden der Realität zurück. «Forever Ago» ist ein narratives Abenteuer im Stile von «Mixtape» oder den «Life is Strange»-Games. Als grummeliger Senior Alfred begeben wir uns auf einen Roadtrip quer durch die USA, um Erinnerungen an unsere Ehefrau Audrey aufleben zu lassen.
In «Forever Ago» erkunden wir verschiedene Schauplätze, führen Gespräche mit Locals und schiessen Fotos mit unserer Sofortbildkamera. Das ist spielerisch angenehm simpel, aber wunderschön erzählt. Ich finde es auch toll, für einmal keinen Teenager oder Superheld zu spielen, sondern einen alten Mann, der eigentlich genug vom Leben hat und mit sich ins Reine kommen muss.
Lasst euch von der bunten Optik und dem Cartoon-Look nicht täuschen, «Forever Ago» von Third Shift (und im Vertrieb von Annapurna Interactive) ist ein Roadtrip zum Heulen.
Kena: Bridge of Spirits (2021)
Einer der frühen Titel für die PlayStation 5 ist zeitgleich auch einer der Besten. Das an Bali orientierte Setting (samt Gamelan-Soundtrack), die tolle Grafik im Pixar-Look und die packende Story machen das Action-Adventure «Kena» auch heute noch zu einem lohnenswerten Trip.
Ja, das Game hat ein Kampfsystem, das manche etwas fordernd finden könnten, aber die schön erzählte Reise von Kena, die in einer magischen Welt voller Geister nach ihrem Bruder sucht, lohnt sich trotzdem.
Im nächsten Jahr soll eine Fortsetzung erscheinen, die wieder vom Entwicklerteam Ember Lab umgesetzt wird und eine ältere und reifere Kena zeigen soll, die vollends in ihrer Berufung als Spirit Guide aufgegangen ist.
Dear Esther (2012)
Darf es auch etwas melancholischer sein? Dann ist «Dear Esther» der perfekte Kandidat. Hier laufen wir als einsamer Mann die wilde Natur einer Hebrideninsel in Schottland ab und finden Fragmente unserer familiären Tragödie.
«Dear Esther» ist kurz und bietet kaum Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung, aber die wunderschön gestaltete Landschaft, der tragende Soundtrack von Jessica Curry und das entschleunigte Spieltempo machen diesen traurigen Inselspaziergang zu einem perfekten Kandidaten für diese Liste.
Spiritfarer (2020)
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Das ist in dieser Liste nicht anders. «Spiritfarer» ist ein Game, das mich seinerzeit eiskalt erwischt hat.
Wo andere Games sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst viele Gegner auf möglichst kreativ-unsägliche Art und Weise ihres Lebens zu berauben, geht «Spiritfarer» einen anderen Weg. Denn hier schlüpfen wir in die Haut der jungen Stella, die als neue Fährmeisterin den Job von Charon übernimmt und die Seelen Verstorbener auf ihrer letzten Reise sicher ins Jenseits begleitet.
Entscheidend am Gameplay ist, dass wir keinerlei Stress haben. Weder gibt es Zeitdruck noch sonst einen Zwang. Jeder spielt in dem Tempo, das ihm zusagt. So verkommt das Jonglieren zwischen dem eigenen Entdeckergeist und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bewohner unserer stets wachsenden Fähre nie zu einer reinen Plackerei.
Dass «Spiritfarer» noch verdammt schön aussieht und einem die Charaktere richtig ans Herz gehen – und das Loslassen damit nur noch schwerer machen – hilft zusätzlich dabei, ein aussergewöhnliches Spiel zu sein.
Eines, bei dem man besser ein paar Taschentücher bereit hält.