Der VW ID. Unyx 08 in hellblauer Lackierung
Das gemeinsam mit Xpeng entwickelte Elektro-SUV ID. Unyx 08 verkauft sich in China kaum | Bild: Volkswagen
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VW-Flop in China: Neues Modell verfehlt Verkaufsziel um über 90 Prozent

VW wollte mit Xpeng in China zurückschlagen. Doch das SUV ID. Unyx 08 erreicht nur rund 7 Prozent der geplanten Verkäufe.

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

China war für Volkswagen lange eine Art Lebensversicherung. 2019 war fast jedes fünfte in China verkaufte Auto ein VW, und der Markt lieferte beinahe die Hälfte des Konzerngewinns. Davon ist nicht mehr viel übrig: In den ersten acht Monaten 2026 lag der Marktanteil nur noch bei rund 10 Prozent, und auch beim Gewinn steuert China nur noch etwa ein Zehntel bei.

Die Rettung sollte die Partnerschaft mit Xpeng bringen, an dem sich VW 2023 für rund 700 Millionen Dollar mit knapp 5 Prozent beteiligt hat. Doch das erste gemeinsame Elektroauto entwickelt sich nun zum Ladenhüter.

Wie die Nachrichtenagentur «Reuters» berichtet, hat sich das Elektro-SUV ID. Unyx 08 seit dem Marktstart im April im Schnitt nur 267-mal pro Monat verkauft. Geplant hatte Volkswagen intern mit 3622 Fahrzeugen pro Monat. Erreicht wurden also gerade einmal rund 7 Prozent des Ziels. Die Zahlen stammen vom Datenanbieter ThinkerCar und beziehen sich auf den Zeitraum April bis August.

Konkurrenz verkauft ein Vielfaches

Wie deutlich der Rückstand ist, zeigt ein Blick auf die Konkurrenz. Während VW in diesen fünf Monaten rund 1300 Exemplare des Unyx 08 verkauft hat, waren es beim Xiaomi YU7 fast 57'000 und beim Zeekr 7X über 21'000 Fahrzeuge. Laut «Reuters» hat Volkswagen seine interne Prognose für den Unyx 08 im laufenden Jahr deshalb von 32'600 auf 12'300 Autos gesenkt, ein Minus von über 60 Prozent. VW selbst wollte die Zahlen gegenüber der Agentur nicht kommentieren.

Als Gründe nennt der Bericht vor allem zwei Punkte. Erstens wird der Unyx 08 nur über das noch junge Händlernetz von Volkswagen Anhui verkauft, das derzeit 166 Standorte umfasst. Die mehr als 3000 Händler der Partner FAW und SAIC sind bislang nicht beteiligt.

Zweitens ist der Preis zu hoch: Gestartet ist das SUV bei 229'900 Yuan, umgerechnet rund 27'600 Franken. Inzwischen gibt VW 17 Prozent Rabatt, nach einer Überarbeitung im September startet der Unyx 08 zeitlich begrenzt bei 189'900 Yuan, also bei rund 22'800 Franken.

Das Problem bringt Gartner-Analyst Pedro Pacheco gegenüber «Reuters» auf den Punkt: Chinesische Kunden fragen sich zunehmend, warum sie für ein deutsches Auto mehr bezahlen sollen, wenn einheimische Marken die moderne Technik deutlich günstiger anbieten.

VW verliert in China vor allem bei Elektroautos

Der Unyx 08 ist dabei nur ein Symptom. Wie «Electrive» schreibt, sanken die Verkäufe von Volkswagen in China im ersten Halbjahr 2026 um 25,9 Prozent auf 973'000 Fahrzeuge. Bei den Elektroautos fiel der Einbruch mit einem Minus von 47,9 Prozent auf nur noch 30'900 Einheiten noch deutlicher aus. Gerade im wichtigsten Elektroautomarkt der Welt kommt VW also nicht vom Fleck.

Ganz umsonst war die Zusammenarbeit mit Xpeng aus Sicht von Volkswagen trotzdem nicht. Gegenüber «Reuters» verwies der Konzern darauf, dass die Partnerschaft eine neue Elektronikarchitektur für lokal gebaute Modelle hervorgebracht habe. Die Zahlen zeigen aber auch: Moderne Technik allein reicht in China nicht mehr, um gegen die einheimische Konkurrenz zu bestehen.

Nächster Versuch: ID. Unyx 09

Am 24. Oktober ist mit dem ID. Unyx 09 das zweite gemeinsam mit Xpeng entwickelte Modell gestartet. Laut «CnEVPost» handelt es sich um eine 5,08 Meter lange Elektro-Limousine mit Fliessheck. Eine LFP-Batterie von CATL mit knapp 92 kWh soll mit Heckantrieb (230 kW) bis zu 755 Kilometer nach der chinesischen CLTC-Norm ermöglichen. Die Allradversion mit insgesamt 370 kW kommt auf 705 Kilometer.

Für die Fahrassistenz setzt VW auf Xpengs Turing-Chip. Im Vorverkauf kostet der Unyx 09 zwischen 199'900 und 249'900 Yuan, umgerechnet rund 24'000 bis 30'000 Franken. Intern rechnet Volkswagen laut «Reuters» mit knapp 4900 Verkäufen pro Monat. Ob dieses Ziel realistischer ist, wird sich zeigen.

Kommen die China-Modelle nach Europa?

Spannend ist die Entwicklung auch mit Blick auf Europa. Volkswagen prüft seit einiger Zeit, für China entwickelte Elektroautos auch hierzulande anzubieten. VW-Chef Thomas Schäfer hat kürzlich bestätigt, dass Volkswagen den Export chinesischer Modelle zunächst nach Australien und in den Nahen Osten vorbereitet. Später könnte auch Europa folgen, etwa mit dem grossen Elektro-SUV ID. Era. Entschieden ist allerdings noch nichts.

Die Lage hat dabei etwas Paradoxes: In China verkaufen sich die Modelle schlecht, weil die einheimische Konkurrenz günstiger und technisch mindestens ebenbürtig ist. In Europa dagegen wären sie dank 800-Volt-Technik und hoher Ladeleistung durchaus ein Fortschritt gegenüber den aktuellen ID-Modellen. Und gleichzeitig drängen Xpeng, BYD und Co. auch bei uns immer stärker auf den Markt.

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