Am Pariser Autosalon hat Fiat im Oktober zwar Konzepte gezeigt, etwa den elektrischen Multiplina. Das spannendste Auto blieb aber in der Garage. Die Rede ist von einem neuen elektrischen Kleinstwagen, der sich die Technik mit dem neuen Citroën 2CV teilen soll. Das zeigt ein Bericht des britischen Automagazins «Autocar», das in Paris mit mehreren Fiat-Managern gesprochen hat.
Der neue Fiat-Chef Arnaud Belloni, seit Kurzem Nachfolger von Olivier François an der Spitze von Fiat, Abarth und Lancia, bestätigte gegenüber «Autocar»: Man arbeite derzeit an mehreren Fahrzeugen auf Basis der sogenannten E-Car-Plattform von Stellantis. Auf dieser kleinen, rein elektrischen Plattform steht auch der neue 2CV.
Fertig, aber noch nicht gezeigt
Laut Fiat-Designchef François Leboine ist das erste E-Car von Fiat bereits genauso weit wie der 2CV. Paris sei aber «nicht der richtige Moment» gewesen, um es zu zeigen. «Autocar» vermutet, dass Fiat Citroën an deren Heimmesse nicht die Show stehlen wollte. Beim Design verspricht Belloni «einen ganz anderen Ansatz, kein Neo-Retro». Anders als beim 2CV oder beim Fiat 500 soll also kein Klassiker neu aufgelegt werden, Elemente der Panda dürften aber trotzdem einfliessen.
Einen offiziellen Namen gibt es noch nicht. Fiat hat sich allerdings die Marke «Koala» schützen lassen, was gut zur Bären-Familie rund um Panda und Grizzly passen würde. Belloni scherzte gegenüber «Autocar», der einzige Bär, den Fiat nicht nehmen könne, sei der Kodiak, weil Skoda den Namen schon für sein SUV Kodiaq nutzt.

Der Koala soll die aktuelle Benzin-Panda, die seit 2024 offiziell «Pandina» heisst, übrigens nicht sofort ablösen. Die beiden Modelle sollen eine Weile nebeneinander angeboten werden. Fiats Europachef Gaetano Thorel sprach von einer «Panda-Population», für die es Lösungen mit verschiedenen Antrieben brauche. Wer sich erinnert: Ursprünglich sollte der Name Pandina für ein günstiges Elektroauto verwendet werden.
Was über Technik, Start und Preis bekannt ist
Offizielle Daten gibt es noch keine, vieles beruht auf Berichten und Einschätzungen. Wie «Electrive» unter Berufung auf das italienische Magazin «Quattroruote» schreibt, dürfte der Koala unter vier Meter lang sein und rund eine Tonne wiegen. Gebaut werden sollen er und der 2CV im süditalienischen Werk Pomigliano d'Arco, wo Stellantis ab 2028 mit dem E-Car-Projekt startet. Entsprechend wird mit einer Markteinführung frühestens 2028 gerechnet.
Beim Preis kursiert die Zahl von rund 15'000 Euro, die auch für den 2CV im Raum steht. Für Fiat ist das aber noch nicht bestätigt, und was das für die Schweiz bedeutet, ist offen. Zu Akku und Reichweite gibt es nur Schätzungen von Analysten: Realistisch wären kleine Batterien mit 25 bis 35 kWh und eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern nach WLTP.
Im Hintergrund steht eine geplante neue Fahrzeugklasse der EU. Im Dezember 2025 hat die EU-Kommission die Kategorie M1E vorgeschlagen, angelehnt an die japanischen Kei-Cars: rein elektrische Autos bis 4,20 Meter Länge, die in der EU gebaut werden. Sie sollen bei den CO₂-Flottenzielen der Hersteller bevorzugt angerechnet werden und so günstigere Kleinwagen ermöglichen. Fertig verhandelt ist die Regel allerdings noch nicht.
Ideen von Designstudierenden
Einen ersten Hinweis aufs Design könnte ein Wettbewerb geben, den Fiat mit Studierenden der Designschulen IED Turin und ISIA Rom durchgeführt hat. Begleitet wurden sie von Leboine und Giorgetto Giugiaro, der einst die erste Panda gezeichnet hat. Die drei Finalisten «Ippo», «Lumo Su Misura» und «Fizz» stellte Fiat im April an der Mailänder Design Week aus. Das Publikum wählte «Ippo» von Luca Di Tonto und Alessio Vasta zum Favoriten, einen kantigen Kleinwagen, der Anleihen bei alter und neuer Panda nimmt. Laut Leboine fliessen Ideen der Studierenden in künftige Fiat-Modelle ein und könnten auch den Koala beeinflussen.
Ich bin gespannt: Eine bezahlbare, elektrische Panda-Alternative ist genau das, was Fiat im Moment fehlt. Ob es am Ende tatsächlich ein Koala wird, wissen wir aber wohl erst, wenn Fiat das Auto offiziell zeigt.