Mit einigem Staunen richtet sich der Blick nach China: In den vergangenen Wochen und Monaten hat Volkswagen dort eine Reihe spannender Elektroautos präsentiert, darunter die sportlich positionierte Limousine ID. Unyx 09 (siehe Beitragsbild). Im Gegensatz zu den jüngsten Neuvorstellungen in Europa basieren die in China eingeführten Modelle bereits auf einer modernen 800-Volt-Architektur. Diese ermöglicht nicht nur deutlich höhere Ladeleistungen, sondern geht auch mit einer spürbar gesteigerten Systemleistung einher.
Der technologische Vorsprung in China kommt nicht von ungefähr. Anders als bei den hierzulande angebotenen Modellen profitiert VW dort von der engen Zusammenarbeit mit lokalen Partnern – allen voran Xpeng. Der chinesische Hersteller ist inzwischen in Europa und der Schweiz mit einem spannenden Portfolio vertreten: Sämtliche Modelle basieren auf einer 800-Volt-Architektur und ermöglichen entsprechend hohe Ladeleistungen.

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, weshalb Volkswagen die in China entwickelte Plattform nicht auch für seine europäischen Modelle adaptiert. Tatsächlich deutet Konzernchef Oliver Blume nun genau solche Überlegungen an. Hinter den Kulissen prüft der deutsche Automobilhersteller entsprechende Optionen bereits mehr oder weniger konkret.
Doch kurzfristig ist ein solcher Schritt nicht zu erwarten. Zunächst will Volkswagen die CMP-Plattform (China Main Platform) zur Serienreife bringen. Nach Angaben von Oliver Blume soll die neue Architektur im kommenden Jahr zunächst in China eingeführt werden. Erst im Anschluss will der Konzern prüfen, inwieweit sich daraus Optionen für den europäischen Markt ableiten lassen.
Für Volkswagen fungiert China damit zunehmend als Testmarkt. Zunächst will der Konzern Rückmeldungen chinesischer Kund:innen zu neuen Technologien und Fahrzeugkonzepten sammeln, bevor entschieden wird, welche Ansätze und Modelle sich für Europa eignen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Segmente, die im hiesigen Portfolio bislang nicht abgedeckt sind.
Transformation ein Rennen gegen die Zeit
Die Chancen standen schon schlechter, dass VW die in China entwickelte Technologie früher oder später auch in europäische Modelle integrieren wird. Klar ist jedoch: Es ist ein Rennen gegen die Zeit, denn die Konkurrenz schläft nicht. Vor allem chinesische Hersteller drängen mit hoher Geschwindigkeit auf den europäischen Markt. In vielen Bereichen sind ihre Fahrzeuge den aktuellen Modellen von Volkswagen technologisch bereits überlegen.