Der Volkswagen ID. UNYX 09 in Blau von schräg vorne vor einem Abendhimmel – ein Elektroauto aus China.
Der VW ID. UNYX 09 wurde bisher nur für China entwickelt. | Bild: Volkswagen Anhui
Gerüchte Volkswagen VW ID.

VW könnte Elektroautos aus China nach Europa bringen

VW hat sich die Namen ID7 X, ID8 X und ID9 S gesichert. Dahinter könnten moderne China-Modelle wie der ID. UNYX 09 stecken – kommen sie nach Europa?

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

Volkswagen entwickelt in China derzeit Elektroautos, die technisch teilweise deutlich moderner aufgestellt sind als die aktuellen europäischen ID-Modelle. Eigentlich waren diese Fahrzeuge ausschliesslich für den chinesischen Markt vorgesehen. Nun gibt es jedoch neue Hinweise darauf, dass der Konzern einige Modelle exportieren könnte – möglicherweise irgendwann sogar nach Europa.

Grund für die Spekulationen sind unter anderem neue Modellnamen, die sich Volkswagen in Australien, Neuseeland und Thailand sichern liess. Darunter befinden sich die Bezeichnungen ID7 X, ID8 X und ID9 S. «AutoWeek» vermutet dahinter Exportversionen chinesischer Modelle. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings noch nicht. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil sich VW in Europa gerade von den Nummern-Namen verabschiedet: Aus dem ID.2 wurde der ID. Polo, der ID.4 wird zum ID. Tiguan. Dass der Konzern trotzdem Namen nach dem alten Schema schützen lässt, deutet auf eigene Modelle für Exportmärkte hin.

ID. UNYX könnte unter neuen Namen exportiert werden

Konkret könnten der ID7 X und ID8 X auf dem Volkswagen ID. UNYX 07 und ID. UNYX 08 basieren. Beim ID9 S liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine internationale Variante des ID. UNYX 09 handelt.

Letzterer ist eine rund fünf Meter lange elektrische Limousine, die Volkswagen Anhui zusammen mit Xpeng entwickelt hat. Das Modell verfügt unter anderem über moderne Assistenzsysteme, leistungsfähige Computertechnik und einen KI-Assistenten. Volkswagen selbst bezeichnete das Fahrzeug bei seiner Präsentation im April noch ausdrücklich als Teil seiner Strategie «In China, for China». Seit dem 24. September ist die Limousine in China im Vorverkauf.

Dass Fahrzeuge aus diesem Umfeld grundsätzlich exportiert werden können, wäre allerdings nichts völlig Neues. Der Cupra Tavascan wird beispielsweise bereits bei Volkswagen Anhui in China gefertigt und nach Europa geliefert. In China selbst wird er als ID. UNYX 06 verkauft. «AutoWeek» berichtet zudem, dass chinesische Volkswagen-Modelle bereits in den Nahen Osten exportiert werden und weitere Märkte in Südostasien vorgesehen sind.

China wird für Volkswagen zum Techniklabor

Interessant ist die Entwicklung vor allem deshalb, weil Volkswagen in China inzwischen teilweise eine andere technische Richtung einschlägt als in Europa. Die dort entwickelte China Electronic Architecture (CEA) setzt auf eine zentrale Rechnerarchitektur, umfangreiche Over-the-Air-Updates und moderne Assistenzsysteme.

Die Architektur wurde vollständig in China entwickelt und ging Anfang 2026 mit dem ID. UNYX 07 erstmals in Serie. Volkswagen will allein 2026 mehr als 20 elektrifizierte Fahrzeuge auf dem chinesischen Markt lancieren. Bis 2030 soll das Angebot dort auf 50 Modelle wachsen.

Damit entwickelt sich China für den deutschen Konzern zunehmend vom reinen Absatzmarkt zum Entwicklungsstandort. Das ist durchaus bemerkenswert: Noch vor wenigen Jahren wurden Technologien und Plattformen hauptsächlich aus Europa nach China gebracht. Inzwischen könnte sich diese Richtung teilweise umkehren.

Was heisst das für Europa?

Ein Export nach Europa wäre für Volkswagen durchaus interessant. Schon im Sommer wurde darüber berichtet, dass der Hersteller verschiedene Möglichkeiten prüft, chinesische Plattformen oder sogar komplette Modelle stärker für Europa zu nutzen. Zu den diskutierten Optionen gehörte auch die Produktion entsprechender Fahrzeuge in deutschen Werken. Finale Entscheidungen gab es damals nicht.

Allerdings ist ein gesicherter Modellname in Australien oder Thailand noch lange keine Bestätigung für einen Europa-Start. Auch regulatorische Anforderungen, Produktionskosten, Zölle und die Positionierung innerhalb des bestehenden Modellprogramms spielen eine Rolle.

Spannend wäre ein solcher Schritt trotzdem. Gerade die in China entwickelten Fahrzeuge zeigen, wie schnell Volkswagen dort inzwischen neue Modelle und elektronische Architekturen auf die Strasse bringt. Sollten diese Technologien tatsächlich nach Europa kommen, könnte der Konzern einige technische Lücken schneller schliessen, als wenn er ausschliesslich auf seine kommenden europäischen Plattformen wartet.

Eigene Meinung

Es ist aber auch ein bisschen ironisch. Denn gerade geht die VW-Tochter Audi in Deutschland gegen Grauimporte von Audi-Elektroautos in China vor. Ein Stück weit verständlich, immerhin hebst sich das chinesische Audi auch durch das Logo vom deutschen Brand ab. Dass nun ausgerechnet VW von seinem «China exklusiv»-Plan wegkommt, entlockt zumindest mir ein Schmunzeln.