Der Tesla Roadster kann in der Variante "Rocket" quasi fliegen.
Der Tesla Roadster kann in der Variante "Rocket" quasi fliegen | Bild: Tesla
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Tesla Roadster im Detail: Was hinter den spektakulären Showeinlagen steckt

Neue Details zum Tesla Roadster: rund 1360 PS, bis zu 500 kW Ladeleistung und Kaltgastriebwerke. Was hinter der spektakulären Technik steckt.

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Die Vorstellung des neuen Tesla Roadster liess zahlreiche Fragen offen. Dennoch bot das Event, bei dem sich Elon Musk sichtlich stolz zeigte, eine beeindruckende, wenn auch kuriose Demonstration. Ein Elektroauto bzw. generell ein Auto mit Kaltgastriebwerken, einem Multimodus-Lüfter- und Saugsystem sieht man schliesslich nicht alle Tage. Da dürfte sich allerdings so mancher fragen: Wer braucht das eigentlich?

Die Antwort darauf: Vermutlich niemand. Und eine Strassenzulassung dürfte damit auch vom Tisch sein. Spannend ist die Technik dahinter trotzdem. Top Gear beleuchtet sie nun in einem fast 50 Minuten langen Video und liefert dabei auch weitere Details zu den «klassischen» Spezifikationen des Tesla Roadster. Zu Wort kommen unter anderem Tesla-Chefingenieur Lars Moravy und Chefdesigner Franz von Holzhausen.

Weit über 1000 PS Leistung und Schnellladen mit bis zu 500 kW

Der Tesla Roadster verfügt über zwei Elektromotoren, die zusammen rund 1000 kW (1360 PS) leisten und ein Drehmoment von 1400 Nm liefern. Damit übertrifft er das bislang stärkste Tesla-Modell, das Model S Plaid mit 750 kW, deutlich. Während die Elektro-Limousine über Allradantrieb verfügt, setzt der Roadster auf reinen Heckantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen Varianten zunächst bei 370 km/h.

Künftige Ausführungen sollen laut Tesla sogar rund die halbe Schallgeschwindigkeit erreichen – also etwa 617 km/h. Zudem ist ein Basismodell geplant, das «nur» 800 kW (1087 PS) und ein Drehmoment von 1200 Nm bieten soll. Die Spitzengeschwindigkeit soll ungefähr 338 km/h betragen. Wann dieses erscheint, ist hingegen noch völlig offen. Das Basismodell dürfte dabei die spannendste Variante werden, da es preislich wohl noch am ehesten im Rahmen bleibt.

Die Reichweite sorgte bereits kurz nach der Vorstellung für Diskussionen. Ursprünglich hatte Tesla für die zweite Roadster-Generation knapp 1000 Kilometer mit einer Batterieladung angekündigt. Davon ist inzwischen deutlich weniger übrig: Je nach Variante soll der Roadster nun 500 bis 515 Kilometer schaffen – also nur etwa die Hälfte der einst von Tesla und Elon Musk versprochenen Reichweite. Die Batterie besteht aus zylindrischen Zellen. Ihre genaue Kapazität hält Tesla bislang unter Verschluss.

Dafür gibt es bereits Angaben zur Ladeleistung. Hier zählen die bisherigen Tesla-Modelle mit ihrer 400-Volt-Architektur nicht zur Spitzengruppe. Für den Roadster nennt Tesla nun bis zu 500 kW. Das deutet auf einen Wechsel zu einem 800-Volt-System hin, bestätigt ist dieser allerdings noch nicht. Die Batterie soll sich damit in weniger als 15 Minuten von 15 auf 80 Prozent laden lassen.

Was hat es mit dem Kaltgastriebwerk auf sich?

Besonders spannend wird das Video, als es um die Kaltgastriebwerke geht. Während die «Performance»-Version im Heck einen Kofferraum bietet, ist dort bei den Varianten «Thrust» und «Rocket» ein Gastank untergebracht. Bei der «Thrust»-Version fasst dieser 200 Liter. Die «Rocket»-Variante kommt sogar auf insgesamt 600 Liter Tankvolumen: 200 Liter im Heck und weitere 400 Liter dort, wo sich normalerweise der Beifahrersitz befindet.

Die «Thrust»-Version stösst das Gas über vier runde Düsen am Heck aus und erzeugt damit zusätzlichen Schub. So soll sich der Sprint von 0 auf 100 km/h auf knapp unter 0,9 Sekunden verkürzen. Der Schub steht allerdings nur für fünf bis sechs Sekunden zur Verfügung – danach ist der Gastank leer. Bei der «Rocket»-Variante, dem fliegenden Roadster, kommen sechs weitere Düsen an der Front und an den Seiten hinzu. Da sich diese auch nach unten ausrichten lassen, soll das Fahrzeug sogar abheben können.

Was es sonst noch beim Tesla Roadster gibt

  • Die Position der Lenksäule und der Pedale ist variabel
  • Tesla setzt auf Steer-by-Wire- und Brake-by-Wire-Technik
  • kein Head-up-Display, dafür ein kleines Fahrerdisplay + ein grösseres Touchscreen oberhalb der Mittelkonsole
  • eine Karosserie, die aus viel Carbon besteht und ein leichtes Gewicht von unter 2 Tonnen erlaubt

Fazit: Beeindruckende Technik, doch wer braucht das?

Ja, die Technik dahinter ist beeindruckend. Doch je öfter ich mir Teslas Demonstrationsvideos anschaue, desto mehr frage ich mich: Wer braucht so etwas? Aufmerksamkeit ist Tesla damit jedenfalls sicher. In den sozialen Medien werden mir heute zahlreiche kurze Clips des neuen Roadster angezeigt, in denen er eine senkrechte Rampe hinauffährt und anschliessend quasi zu Boden schwebt.

Aus meiner Sicht könnte die bislang nicht verfügbare Basisvariante am spannendsten werden. Sie dürfte dem ursprünglichen Roadster noch am nächsten kommen und auf Spielereien wie Kaltgastriebwerke verzichten. Ob auch das Ansaugsystem für mehr Traktion und Bodenhaftung entfällt, ist allerdings noch nicht ganz sicher. An Leistung dürfte es jedenfalls auch dem Basismodell nicht mangeln.

Bei all dem Irrsinn muss man dennoch festhalten: Elon Musk lässt mit dem Tesla Roadster die Muskeln spielen. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ein chinesischer Hersteller mit ähnlichen Funktionen nachzieht.

Tesla Roadster bei Top Gear