Hörbücher werden immer beliebter. Amazon will die Produktion dafür nun mit KI massiv beschleunigen.
Hörbücher werden immer beliebter. Amazon will die Produktion dafür nun mit KI massiv beschleunigen. | Bild: Symbolbild von Unsplash / Mohamed M
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Virtual Voice: Amazon lässt die KI Hörbücher vorlesen

Mit der Umbenennung von Kindle Unlimited in Kindle+ hat Amazon auch angekündigt, das Hörbuchgeschäft auszubauen. Eine Rolle spielt dabei Virtual Voice, ein KI-Tool für Hörbücher

Chris Bucher
Chris Bucher

Wie ich berichtet habe, heisst Amazons Lese-Abo statt Kindle Unlimited neu Kindle+. Ändern tut sich zwar nur wenig. In den USA will Amazon aber den Hörbuchbereich ausbauen und setzt dabei auf KI-Hörbücher.

Ein Teil davon wird nicht von Menschen gesprochen, sondern von Virtual Voice. Das Tool selbst ist nicht neu: Amazon testet es seit November 2023 über sein Selfpublishing-Programm Kindle Direct Publishing (KDP), wie damals unter anderem «Publishers Weekly» berichteten.

Fast drei Jahre später steckt Virtual Voice offiziell noch immer in der Beta und ist nur im US-Marktplatz verfügbar, wie es auf der offiziellen Website von Amazon heisst.

So funktioniert Virtual Voice

Wer ein E-Book über KDP veröffentlicht hat und mit Virtual Voice ein Hörbuch erstellen lassen will, wählt eine synthetische Stimme, hört sich eine Vorschau an, korrigiert bei Bedarf und veröffentlicht.

Professionelle Sprecherinnen und Sprecher, Tonstudio und Wochen in der Produktion fallen weg. Laut der KDP-Hilfeseite stehen 80 Stimmen zur Auswahl, verteilt auf sieben Sprachvarianten: amerikanisches, britisches und australisches Englisch, lateinamerikanisches und kastilisches Spanisch, Französisch und Italienisch. Deutsch ist (noch) nicht dabei. Pro Kapitel lässt sich eine andere Stimme einsetzen, was Amazon für Geschichten mit zwei Erzählperspektiven anpreist.

Für die Erstellung verlangt Amazon laut KDP derzeit noch keine Gebühr. Den Verkaufspreis legen Autorinnen und Autoren wie bei ihren Büchern selber fest, irgendwo zwischen 3.99 und 14.99 Dollar. Pro verkauftem Hörbuch gibt es 40 Prozent Tantiemen.

Verkauft werden die KI-Hörbücher überall, wo es Audible-Titel gibt, also bei Amazon, Audible, über Alexa und in Amazon Music Unlimited. Hörbücher, die auf einem E-Book aus dem Exklusivprogramm KDP Select basieren, landen zudem im Katalog von Audible Plus und, wie mit der Umbenennung bekannt wurde, automatisch auch in Kindle+.

Was Amazon verspricht

Auf der Website wirbt Amazon mit dem üblichen PR-Paket: neue Kundschaft, «professionelle» Stimmen, Hörbücher «in Minuten statt Monaten». Laut eigenen Angaben hätten KI-vertonte Hörbücher im Schnitt eine Kundenbewertung von über vier Sternen. Woher der Wert stammt, wie viele Bewertungen dahinterstecken und womit er verglichen wird, sagt Amazon nicht.

Immerhin kennzeichnet Amazon Virtual-Voice-Hörbücher klar als solche, und bietet vor dem Kauf zudem eine Hörprobe an. Wer also keinen Bock auf KI-Hörbücher hat, wird wenigstens darauf hingewiesen.

Offen ist noch, wann und ob Virtual Voice auch im deutschsprachigen Raum angeboten wird.

Mehr, schneller, aber auch besser?

Amazon bewirbt die Technik unter anderem mit einem Statement des Bestseller-Autors Robert J. Crane. Von seinen 100 Büchern seien 89 bereits via Virtual Voice vertont, heisst es da. «Wie einfach es ist, ein Hörbuch zu erstellen? Ich habe 80 Stück in wenigen Stunden erstellt», wird Crane zitiert.

Und kosteneffizient, im Gegensatz zu den dutzenden anderen Hörbüchern, die er aus eigener Tasche bezahlt habe. Es sei eine tolle Art, neue Leser zu erreichen, die sonst nie von deinem Werk gehört hätten.

Andere Anbieter bauen ebenfalls auf KI

Amazon ist mit solchen KI-Sperenzchen nicht allein. Apple bietet schon länger KI-gelesene Hörbücher an, und auf Spotify tauchen ebenfalls immer mehr maschinell vertonte Titel auf. Spotify bringt Hörbücher gerade in über 180 Märkte, Audible testet KI-Features wie Gespräche mit Romanfiguren. Der Markt wächst, und alle wollen möglichst viele Titel im Katalog haben. KI-Stimmen sind der billigste Weg dorthin.

Meine Meinung:

Mir passt die ganze Sache nicht. Erstens finde ich Hörbücher mit KI-Stimmen bislang schlicht unhörbar. Auf Spotify tummeln sich schon einige solche Exemplare, und da hör ich viel zu deutlich, dass eine Maschine spricht.

Sie kann die Emotionen einer Szene oder eines Satzes einfach nicht greifen. Ich bezweifle zwar, dass Virtual Voice derart stümperhaft daherkommt wie manches, was auf Spotify herumschwirrt. Ich bezweifle aber ebenso, dass diese Technik derzeit einem echten Menschen selbst mit einem Mindestmass an Textverständnis das Wasser reichen kann.

Und als Autor? Ich bin selber im Selfpublishing unterwegs und habe nicht vor, meine Geschichten von einer Maschine vorlesen zu lassen. Aus Neugier würde ich vielleicht mal ausprobieren, wie Virtual Voice etwas aus meiner Feder vorliest. Aber ich habe lieber kein Hörbuch als ein schlechtes.

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