Audible testet neue KI-Funktionen für einzelne Hörbücher.
Audible testet neue KI-Funktionen für einzelne Hörbücher. | Bild: Audible
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Audible bringt KI ins Hörbuch: Was die Features können

Audible testet drei KI-Features, vom Figurenüberblick bis zum Dialog mit Charakteren. Kommen die Features auch in die Schweiz?

Chris Bucher
Chris Bucher

Audible testet drei KI-Funktionen, die Hörbücher interaktiver machen sollen. Darunter eine Figurenübersicht, Gespräche mit Romanfiguren und virtuelle Ausflüge an Schauplätze.

Dahinter steckt wohl weniger Liebe zur Literatur als ein klares Geschäftsziel. Interessant ist das für alle, die Hörbücher hören und sich fragen, wie viel KI künftig zwischen ihnen und der Geschichte steht.

Wie das Handelsblatt berichtet, hat die Amazon-Tochter Audible am Rande der Frankfurter Buchmesse drei neue Funktionen vorgestellt:

  • Character Guide: Wer bei Geschichten mit vielen Figuren den Überblick verliert, bekommt Infos zur Person, die gerade spricht. Beim Hören kann man schliesslich nicht kurz zurückblättern.
  • Interactive Story: Hier führt man einen Dialog mit einer Figur, zum Start mit Renfield, dem Diener von Dracula, aus der neusten Dracula-Adaption auf Audible. Im November soll das Format auf das Audible-Original «Exoplanet» von «Wolverine»-Autor Benjamin Percy ausgeweitet werden.
  • Visual Explorer: Er bietet eine bildliche Reise durch die Schauplätze einer Geschichte, etwa einen virtuellen Spaziergang durch Paris.

Laut Audible wurden die Funktionen intern entwickelt und sind exklusiv für die Plattform. Vorerst gibt es sie nur bei ausgewählten Titeln und als limitierte Beta für Kundinnen und Kunden in den USA und Grossbritannien.

Kommt das in die Schweiz?

Audibles Inhaltechefin Rachel Ghiazza kündigt gegenüber dem «Handelsblatt» an, dass die Features bis Ende Jahr auch in Deutschland verfügbar sein sollen. Ob und wann die Funktionen in die Schweiz kommen, ist noch unklar.

Gemäss Ghiazza soll die KI aber nicht «ausbrechen» können, wenn man sich beispielsweise mit einer Figur unterhält. Ghiazza nennt das «Storytelling in einer anderen Dimension». Man arbeite eng mit den Kreativen zusammen, und «alles darin wird abgenommen und entspricht ihrer Vision».

Wie gut dieses Versprechen hält, lässt sich von aussen noch nicht prüfen. Dass Sprachmodelle sich mit genug Hartnäckigkeit aus ihren Leitplanken locken lassen, ist jedenfalls kein Geheimnis. Vollständig KI-generierte Geschichten oder Produktionen gibt es bei Audible laut Ghiazza nicht.

Meinung:

Es ist ziemlich eindeutig, was Audible mit diesen Features erreichen will: Sie sollen die Bindung an die Geschichte stärken und so die Zeit erhöhen, die Kundinnen und Kunden auf der Plattform verbringen.

Sich mit Renfield und Co. unterhalten zu können klingt zwar nach einer witzigen Idee, aber halt auch nach einer limitierten Angelegenheit. Je nachdem, wie eng die Corsage ist, in die man die Figuren schnürt, dürften die «Gespräche» relativ einseitig ausfallen.

Tatsächlich halte ich von den drei Features den Character Guide als besonders sinnvoll. Schon bei ebooks finde ich es umständlich, zum allfälligen Personenverzeichnis zurückzuspringen. Beim Hörbuch entfällt diese Funktion. Hier also einen «Einflüsterer» zu haben, der mir genau erklärt, wer Person X ist und wie sie zu Person Y steht, dürfte vor allem bei figurenstarken Romanen à la Dostojewski nützlich sein. Oder wenn ich eine längere Pause bei einem Buch einlege.

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