«The Lost Wild» setzt auf Verstecken statt Ballern. Darauf hab ich richtig Bock.
«The Lost Wild» setzt auf Verstecken statt Ballern. Darauf hab ich richtig Bock. | Bild: Annapurna Interactive
Meinung Gaming Sony PlayStation 5

«The Lost Wild»: Warum ich auf diesen Dino-Horror hoffe

Fünf Gründe, warum «The Lost Wild» 2027 das Dino-Game der Stunde werden könnte. Einer davon hat mit «Alien: Isolation 2» zu tun.

Chris Bucher
Chris Bucher

Ein neues Entwicklertagebuch zu «The Lost Wild» zeigt, wie das britische Studio Great Ape Games seine Dinosaurier zum Leben erwecken will.

Ich habe es mir angeschaut und bin ehrlich gesagt ziemlich angefixt. Warum ich glaube, dass dieses Survival-Horror-Spiel die grosse Dino-Hoffnung für 2027 sein könnte, erkläre ich dir hier.

Was das Dev Diary zeigt

Vor wenigen Tagen hat Great Ape Games aus der englischen Küstenstadt Brighton ein Entwicklertagebuch auf YouTube veröffentlicht. Darin erzählt das Team, woran es seit einer Weile tüftelt: wie die Saurier aussehen, sich bewegen, jagen und auf die Spielerin reagieren. Mit dabei ist Game Director Gary Napper, der früher an «Alien: Isolation» gearbeitet hat – das übrigens eine Fortsetzung kriegt.

Man spielt Saskia, eine ganz normale Person, die auf einer verlassenen Insel strandet. Dort streift sie durch überwucherte Forschungsanlagen und dichte Wildnis, und zwar ohne schwere Waffen. Stattdessen soll man beobachten, ablenken, ausweichen und im richtigen Moment rennen. Laut den Berichten zum Video setzt das Spiel auf nicht-tödliche Werkzeuge und auf die Umgebung. Die Dinosaurier sollen einzeln oder im Rudel jagen und auf Bewegungen und Geräusche reagieren.

Veröffentlicht wird «The Lost Wild» von Annapurna Interactive, entwickelt wird es laut Playfront mit der Unreal Engine 5. Erscheinen soll es 2027 für PS5 und PC. Ein genaueres Datum gibt es aktuell noch nicht.

Grund 1: Es sieht verdammt gut aus

Fangen wir beim Offensichtlichen an: «The Lost Wild» sieht toll aus. Und zwar nicht nur die Dinos, sondern auch bei den Umgebungen. Sei es der dichte und düstere Wald oder verlassene Labors – optisch macht der Titel nach aktuellem Stand schon sehr viel her.

Wie Art Director Tim Mehmet im Video erzählt, ist das Team für die Recherche sogar unter anderem in die Redwood-Wälder Kaliforniens gereist. Man sieht es.

Bei den Sauriern selbst legt das Studio Wert darauf, sie wissenschaftlich einigermassen fundiert darzustellen. Im Video sieht man dann auch gefiederte Raptoren. Beim Allosaurus setzt ma – im Gegensatz etwa zu seinem filmischen Gegenpart in «The End of Oak Street» auf den klassischen Schuppenlook.

Grund 2: Dinos als Raubtiere, nicht als Kanonenfutter

In vielen Dino-Games sind die Echsen im Grunde wandelnde Zielscheiben. In «The Lost Wild» sollen sie eine echte Bedrohung sein, aber eben keine stumpfen Monster, die einfach auf einen losstürmen.

AI- und Gameplay-Programmiererin Lou Thorpe-Monaghan beschreibt die Saurier im Video sinngemäss als Charaktere statt als klassische Gegner. Laut Noisy Pixel will das Team Begegnungen schaffen, die sich wie Konfrontationen mit lebenden Raubtieren anfühlen und nicht wie geskriptete Schreckmomente.

Ob die KI das am Ende wirklich hält, kann natürlich erst ein Test zeigen. Entwicklertagebücher sind immer auch PR. Aber die Idee ist an sich richtig und spannend.

Grund 3: Schleichen statt Ballern

Wer bei Dino-Games an «Turok» denkt, denkt an Bögen, Raketenwerfer und sehr viele tote Raptoren. «The Lost Wild» will in die andere Richtung gehen. Hier versteckt man sich, lenkt ab, wartet ab und rennt, wenn alles andere versagt. Ist mal ein anderer Ansatz.

Dass der Game Director an «Alien: Isolation» beteiligt war, wo man ebenfalls einem übermächtigen Jäger ausgeliefert ist, macht mir an dieser Stelle zusätzlich Hoffnung.

A propos Hoffnung: Ich hoffe einfach, dass mir lange Ausharr-Momente, in denen ich minutenlang in Schränken oder unter Tischen warte, bis der Gegner vorbeigewatschelt ist, erspart bleiben. Weil das nervt irgendwann. Mussten auch die Entwickler von «Silent Hill: Townfall» feststellen und haben nachgepatcht.

Grund 4: Erinnert an «Jurassic Park: Survival», na und?

Ja, vom bisher Gezeigten erinnert mich «The Lost Wild» stark an «Jurassic Park: Survival», jenem seit Ewigkeiten in Entwicklung befindenden Titel, von dem böse Zungen sagen, dass es nie kommen wird (zu denen gehöre ich nicht!).

Insel, Forschungsanlagen, eine Hauptfigur ohne Waffe, Dinos im Nacken – das soll auch das Franchise-Projekt liefern. Das muss aber nichts Schlechtes heissen. Ich traue Great Ape Games zu, daraus ein eigenständiges und spannendes Horrorspiel zu machen. Und ich finde: Lieber zwei ähnliche und gute Dino-Games als nur eines.

Grund 5: Dino-Games haben gerade einen Lauf

Sehr zu meiner kindlichen Freude erleben Dino-Spiele gerade ein Revival. Da wären «Primal Planet» der Parkour-Horror «Terrible Lizards», die beide Ende Oktober erschienen sind. Capcom hat «Dino Crisis 2» auf PS4 und PS5 gebracht, das ich mir natürlich gleich wieder gegönnt habe. Dazu kommen «Jurassic Park: Survival» und eben «The Lost Wild». Zudem wird auch Dinojäger «Turok» im Frühling nach langer Abstinenz mit einem neuen Game zurückkehren.

Mein Fazit

«The Lost Wild» hat alles, was ich mir von einem Dino-Horrorspiel wünsche. Atmosphäre, glaubwürdige Raubtiere und einen Fokus aufs Überleben statt aufs Ballern. Offen bleibt, wie gut das alles im fertigen Spiel zusammenspielt und wann genau 2027 es so weit ist.

Aber wenn das Team hält, was das Dev Diary verspricht, könnte das der Dino-Titel des Jahres werden. Ich drücke jedenfalls die Daumen und halte die Ohren offen. Man weiss ja nie, was hinter dem nächsten Farn lauert.

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