Bild der Anker Soundcore AeroClip 2 in Colmar (Frankreich) aufgenommen.
Die soundcore AeroClip 2 sind Ankers neueste Open-Ears | Bild: vybe
Test Anker Kopfhörer

Anker soundcore AeroClip 2 im Test: Bequem beim Sport, stark bei Telefonaten

Soundcore AeroClip 2 im Test: Sicherer Halt beim Laufen, freie Ohren und überraschend guter Bass. Dazu kommen klare Telefonate und bis zu acht Stunden Akku.

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Inhaltsverzeichnis

In den vergangenen Monaten hatte ich mehrere sogenannte Open-Ear-Kopfhörer aus unterschiedlichen Preisklassen im Einsatz. Den Anfang machten die LinkBuds Clip von Sony, gefolgt von den deutlich günstigeren CMF by Nothing Clip Pro. Nun hat mir Anker freundlicherweise die neuen Soundcore AeroClip 2 für diesen Test zur Verfügung gestellt, die ebenfalls auf das Open-Ear-Konzept setzen.

Open-Ear-Kopfhörer bieten den grossen Vorteil, dass sie den Gehörgang nicht verschliessen und die Umgebung dadurch weiterhin wahrnehmbar bleibt. Dafür wirkt ihre Bauform zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da sie mit einer Art Klammer an der Ohrmuschel befestigt werden. Aus der Ferne sehen die Kopfhörer fast wie ein Piercing aus. Jedenfalls wurde ich bei der Arbeit immer wieder darauf angesprochen, was ich da eigentlich am Ohr trage.

Doch zurück zu den Soundcore AeroClip 2: Im Gegensatz zur ersten Generation, die ich nicht getestet habe, setzt Anker beim neuen Modell auf den eigens entwickelten Thus-KI-Chipsatz. Dieser soll insbesondere die Sprachqualität bei Telefonaten verbessern, indem er die menschliche Stimme selbst in lauten Umgebungen zuverlässig von Hintergrundgeräuschen isoliert.

Ob das im Alltag funktioniert und was die AeroClip 2 sonst noch zu bieten haben, erfährst du in diesem ausführlichen Test.

Design, Material und Tragekomfort

Die Soundcore AeroClip 2 setzen auf die typische Open-Ear-Bauweise und sind in den Farbvarianten Mitternacht, Nebelblau, Wolkenweiss und Burgunder erhältlich. Letztere hätte ich persönlich am spannendsten gefunden, doch auch mein Testgerät in Mitternacht weiss optisch zu gefallen. Sowohl das Technikmodul mit den Bedienelementen hinter dem Ohr als auch der ovale Audiotreiber davor sind in Schwarz gehalten. Das graue Verbindungsstück setzt dazu einen gelungenen Kontrast.

Bei den Materialien setzt Anker auf Hartplastik sowie flexibles Gummi für das flach geformte Verbindungsstück. Im direkten Vergleich hinterliess die runde Verbindung der CMF Clip Pro allerdings einen etwas robusteren Eindruck. Das bedeutet jedoch nicht, dass die AeroClip 2 schlecht verarbeitet wären: Insgesamt wirken sie durch und durch solide und durchaus hochwertig. Dank IP57-Zertifizierung sind sie zudem gegen Staub und zeitweiliges Untertauchen geschützt. Zum Schwimmen sollte man sie dennoch nicht tragen.

Für mich sind Open-Ear-Kopfhörer der perfekte Begleiter für sportliche Aktivitäten im Outdoor-Bereich. Ich mag es nicht, wenn ich beim Laufen gar nichts mehr von der Aussenwelt wahrnehme. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Kopfhörer jeweils auch an Ort und Stelle bleiben und einen hohen Tragekomfort bieten. In diesen zwei Punkten überzeugen die soundcore AeroClip 2 auf ganzer Linie. Auch bei schnelleren Lauf* bieten sie einen sicheren Halt und bieten durchwegs ein angenehmens Tragegefühl.

Wer bisher noch keine Open-Ear-Kopfhörer getragen hat, dürfte anfangs etwas Mühe haben, die richtige Position am Ohr zu finden. Die gute Nachricht: Daran gewöhnt man sich ziemlich schnell. Auch bei meinen ersten Open-Ears, den Sony LinkBuds Clip, benötigte ich zunächst etwas Übung. Bei den AeroClip 2 war das nicht anders – wobei mir hier die richtige Position im Ladecase etwas mehr Mühe bereitete. Doch das ist ein anderes Thema.

Konnektivität und Audiocodecs

Bei der Konnektivität setzt Anker auf den aktuellen Bluetooth-6.0-Standard. Verbindungsprobleme oder Aussetzer traten während des Tests keine auf – auch nicht an stark frequentierten Orten mit zahlreichen potenziellen Störquellen. Für eine schnelle und bequeme Koppelung sorgen bei Android-Geräten Google Fast Pair und bei Apple die MFi-Zertizierung (Made for iPhone/iPad).

Screenshot der Funktion "duale Verbindung" (Bluetooth-Multipoint).
Bluetooth-Multipoint wird unterstützt. | Screenshot: vybe

Dank Bluetooth-Multipoint lassen sich die Kopfhörer gleichzeitig mit zwei Geräten verbinden, beispielsweise mit dem Smartphone und dem Laptop. Der Wechsel zwischen den beiden Quellen erfolgt automatisch – etwa wenn während der Musikwiedergabe auf dem Smartphone ein Anruf über Microsoft Teams am Laptop eingeht. Eine Funktion, auf die ich bei Kopfhörern inzwischen nicht mehr verzichten möchte.

Bei den Audiocodecs unterstützen die AeroClip 2 neben SBC und AAC auch LDAC auf kompatiblen Android-Geräten. Der hochauflösende Codec kann Audiodaten mit einer höheren Bitrate übertragen und ermöglicht dadurch eine potenziell bessere Klangqualität.

Bedienung und App

Die AeroClip 2 verfügen über zwei physische Bedienelemente am Technikmodul. Das erachte ich als klaren Vorteil, da echte Tasten in der Regel zuverlässiger reagieren als Touchgesten und sich auch blind ertasten lassen. Bei den AeroClip 2 ist das zweifellos der Fall. Je nachdem, ob die Taste einmal, zweimal oder dreimal gedrückt wird, lässt sich eine andere Aktion ausführen. Die jeweilige Belegung kann in der Soundcore-App zudem angepasst werden.

Apropos Soundcore-App: Sie ist sehr übersichtlich aufgebaut und bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten für die Kopfhörer. Mit «HearID 5.0» lässt sich das Klangprofil nach einem kurzen Hörtest an das eigene Hörvermögen und die persönlichen Vorlieben anpassen. Darüber hinaus stehen sechs vordefinierte Equalizer-Presets sowie ein frei konfigurierbarer 8-Band-Equalizer zur Verfügung. Die eigenen Preses lassen sich bei Bedarf auch mit anderen Nutzern teilen.

Die Funktion «Räumliches Audio» (Spatial Audio) soll den Stereoklang in ein immersives 360-Grad-Klangerlebnis verwandeln. Der Effekt ist zwar wahrnehmbar, bietet bei den AeroClip 2 aus meiner Sicht jedoch nur einen begrenzten Mehrwert. Interessanter sind da schon die integrierten Einschlafgeräusche. Über die App lassen sich verschiedene beruhigende Klänge herunterladen, darunter «Flüsterbach», «Niagarafälle» oder sogar «Motorbrummen».

Sound und Klang

Aufgrund ihrer offenen Bauweise wäre es nicht fair, Open-Ear-Kopfhörer direkt mit In-Ear- oder gar Over-Ear-Modellen zu vergleichen. Dennoch darf man auch von dieser Bauform eine überzeugende Klangqualität erwarten – die Schwerpunkte liegen lediglich etwas anders. Wer besonders tiefe und druckvolle Bässe bevorzugt, ist mit Open-Ears grundsätzlich an der falschen Adresse.

Die Soundcore AeroClip 2 im Einsatz beim Redakteur des Artikels.
Sitzen gut im Ohr und weisen einen sehr guten Tragekomfort auf | Bild: vybe

Für den Klang ist bei den AeroClip 2 ein 12-Millimeter-Treiber zuständig. Obwohl andere Kopfhörer-Arten zweifellos einen knackigeren und tieferen Bass bieten, war ich überrascht, wie druckvoll die AeroClip 2 tiefe Frequenzen wiedergeben. Insgesamt liefern sie über verschiedene Musikgenres hinweg eine ausgewogene und gute Klangqualität. Gegenüber anderen Open-Ear-Kopfhörer müssen sich die AeroClip 2 jedenfalls nicht verstecken.

Wichtig zu wissen: In besonders ruhigen Umgebungen können Personen in unmittelbarer Nähe mithören, da der Klang bei höherer Lautstärke deutlich nach aussen dringt. Das ist bei Open-Ears allerdings völlig normal und keine spezifische Schwäche der AeroClip 2. Eine aktive Geräuschunterdrückung oder einen Transparenzmodus gibt es bei dieser Art von Kopfhörern wenig überraschend nicht.

Telefonie und weitere Funktionen

Besonders bei Telefonaten soll der Thus-KI-Chip seine Stärken ausspielen. Er isoliert die menschliche Stimme selbst in lauten Umgebungen von störenden Hintergrundgeräuschen. In Kombination mit den sechs integrierten Mikrofonen funktioniert das im Alltag erstaunlich gut: Umgebungsgeräusche werden konsequent herausgefiltert, sodass mich meine Gesprächspartner selbst an lauten Orten ausgezeichnet verstehen konnten. Auch der «Whisper Mode», der selbst geflüsterte Sprache erkennen und verständlich übertragen soll, funktionierte im Test überzeugend.

Eine weitere Besonderheit ist die integrierte Echtzeitübersetzung, die laut Anker mehr als 100 Sprachen unterstützt. In einem kurzen Test von Englisch auf Deutsch funktionierte sie weitgehend zuverlässig. Es ist jetzt in meinen Augen aber auch nicht das Hauptkaufargument für die AeroClip 2.

Akkulaufzeit

Anker gibt für die AeroClip 2 eine Akkulaufzeit von bis zu acht Stunden an. Zusammen mit dem Ladecase sind insgesamt bis zu 32 Stunden Wiedergabe möglich. Nach gut einer Woche im Test kann ich diese Angaben weitgehend bestätigen. Je nach Lautstärke und verwendetem Audiocodec fällt die Laufzeit zwar etwas kürzer aus, insgesamt liegen die Herstellerangaben jedoch nahe an der Praxis.

Dank Schnellladefunktion reichen zehn Minuten am USB-C-Anschluss für bis zu vier weitere Stunden Musikwiedergabe. Alternativ lässt sich das Ladecase auch kabellos aufladen.

Das Ladecase der soundcore AeroClip 2.
Bild: vybe

Das Testfazit zu den Anker soundcore AeroClip 2

Die Soundcore AeroClip 2 haben mich im Alltag überzeugt. Besonders beim Laufen schätze ich den sicheren Halt und den hohen Tragekomfort, während ich meine Umgebung weiterhin wahrnehmen kann. Auch klanglich liefern die Open-Ears eine gute Vorstellung ab: Die Wiedergabe ist ausgewogen, und der Bass fällt für diese offene Bauweise überraschend gut aus. Wer das satte Klangbild geschlossener In-Ears oder Over-Ears erwartet, muss allerdings Abstriche machen.

Besonders positiv überrascht hat mich die Sprachqualität bei Telefonaten. Selbst an lauten Orten konnten mich meine Gesprächspartner ausgezeichnet verstehen. Hier scheint sich der neue Thus-KI-Chip tatsächlich bezahlt zu machen. Dazu kommen zuverlässige physische Tasten, eine übersichtliche App mit umfangreichen Klangeinstellungen und Bluetooth-Multipoint für den unkomplizierten Wechsel zwischen Smartphone und Laptop.

Mit einer Akkulaufzeit von bis zu acht Stunden, der Schnellladefunktion und dem kabellos aufladbaren Ladecase stimmt auch das Gesamtpaket. Kleinere Eigenheiten wie das anfangs etwas umständliche Einsetzen ins Case fallen dabei kaum ins Gewicht. Für mich sind die AeroClip 2 vor allem für alle interessant, die beim Sport oder im Alltag Musik hören und gleichzeitig ihre Umgebung im Blick beziehungsweise im Ohr behalten möchten. Wer zusätzlich häufig telefoniert, findet hier einen besonders überzeugenden Begleiter.