Mit dem Headphone (1) Pro wagt sich das britische Unternehmen Nothing erstmals ins Premium-Segment und bleibt seiner unverkennbaren Designsprache mit transparenten Elementen an den Ohrmuscheln treu. Der höhere Anspruch spiegelt sich allerdings auch im Preis von 329 Franken wider. Damit kostet das neue Over-Ear-Flaggschiff spürbar mehr als der bereits sehr gute Headphone (1).
Für den Aufpreis soll vor allem die aufwendigere Audiotechnik sprechen: Nothing setzt beim Pro auf ein Dreifach-Treiber-System, bei dem sich jeweils ein Treiber um die tiefen, mittleren und hohen Frequenzen kümmert. Das verspricht einen detailreicheren Klang – doch reicht das, um sich vom günstigeren Modell abzuheben? Genau das wollte ich im Test herausfinden.

Design, Material und Tragekomfort
Nothing setzt nicht nur bei seinen Smartphones auf transparente Elemente, sondern führt diese Designsprache auch bei seinen Over-Ear-Kopfhörern konsequent fort. Beim Pro-Modell, der in Weiss und Schwarz angeboten wird, kommen jedoch deutlich hochwertigere Materialien zum Einsatz. Die transparenten Elemente bestehen aus besonders widerstandsfähigem und bruchsicherem «9H Panda Glass», während der Kopfhörerrahmen aus gefrästem Titan gefertigt ist. Obwohl ich den Headphone (1) Pro inzwischen seit zwei Wochen nutze, sind auf den Materialien bislang keine Kratzer zu erkennen.
Aufgrund der markanten, eckigen Form fällt der Headphone (1) Pro unweigerlich auf. Tatsächlich wurde ich im Büro von mehreren Arbeitskollegen darauf angesprochen. Das Kurzfazit fiel meist äusserst positiv aus: endlich einmal etwas anderes und kein typischer Einheitsbrei, so der allgemeine Tenor. Wer mit seinen Kopfhörern lieber nicht auffallen möchte, sollte sich jedoch für ein dezenteres Modell eines anderen Herstellers entscheiden.

Ausgeliefert wird der Premium-Kopfhörer von Nothing mit einer etwas speziellen Hülle aus Hartplastik. Geschützt werden dabei lediglich die beiden Ohrmuscheln, während der Bügel aus der Hülle herausragt und gleichzeitig als Tragegriff dient. Meine Tochter fragte mich beim ersten Anblick, ob ich jetzt eine eigene Handtasche hätte. Ganz unrecht hat sie damit nicht – tatsächlich erinnert die Konstruktion stark an eine kleine Handtasche.
In der Handtasche – pardon, Schutzhülle– gibt es leider keinen Platz für das USB-C-Kabel. Wer unterwegs darauf angewiesen ist, muss es somit separat transportieren. Zum Lieferumfang gehören neben dem genannten USB-C-Ladekabel auch ein Klinkenkabel und eine Kurzanleitung. Kompakt zusammenfalten lässt sich der Nothing Headphone (1) Pro übrigens nicht.




Galerie: vybe
Die hochwertigen und robusten Materialien wirken sich allerdings auf das Gewicht der Kopfhörer aus: Rund 327 Gramm bringt der Headphone (1) Pro laut dem Hersteller auf die Waage. Damit ist der Kopfhörer deutlich schwerer als beispielsweise der Sony WH-1000XM6 mit rund 254 Gramm, aber immer noch leichter als die AirPods Max 2 von Apple mit etwa 385 Gramm.
Dank der gelungenen Konstruktion verteilt sich das Gewicht gleichmässig und störte mich auch bei längerem Tragen nicht. Der Anpressdruck fällt ebenfalls angenehm aus. Beim Pendeln hatte ich jedenfalls nie das Gefühl, den Kopfhörer verlieren zu können. Bei stärkeren Bewegungen würde ich mich darauf allerdings nicht vollständig verlassen. Also, intensiv Sport würde ich damit nicht betreiben.

Die Ohrmuscheln lassen sich um 90 Grad nach innen drehen, sodass der Kopfhörer bequem um den Hals getragen werden kann. Erfreulich ist zudem, dass sich die weichen Ohrpolster bei Bedarf einfach abnehmen und austauschen lassen. Sie umschliessen die Ohren angenehm, allerdings wird es darunter relativ schnell warm. Jetzt, wo es langsam auf den Winter zugeht, ist das durchaus willkommen. Im Sommer könnte die Wärmeentwicklung jedoch unangenehm werden.
Dank IP52-Zertifizierung eignet sich der Headphone (1) Pro zudem für sportliche Aktivitäten und übersteht auch leichten Regen.
Konnektivität und Audiocodecs
Bei der Konnektivität packt Nothing so ziemlich alles in den Headphone (1) Pro, was derzeit verfügbar ist. Neben dem aktuellen Bluetooth-6.1-Standard wird auch Auracast unterstützt – und zwar nicht nur als Empfänger, sondern auch als Sender. Dadurch können bis zu zehn weitere Auracast-kompatible Geräte denselben Audiostream empfangen. Das ist ziemlich cool und in dieser Form ist mir diese Funktion bislang bei keinem anderen Kopfhörer begegnet.
Ebenfalls unterstützt werden Bluetooth Multipoint für die gleichzeitige Verbindung mit bis zu zwei Geräten sowie Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair für eine schnelle und unkomplizierte Kopplung.
Bei den Audiocodecs werden kabellos SBC, AAC und LDAC unterstützt. Bei Audio-Broadcasting zusätzlich LC3. aptX von Qualcomm fehlt hingegen. Optional gibts einen Modus mit niedrigerer Latenzzeit. Damit soll die Verzögerung laut Nothing auf unter 120 Millisekunden fallen. Kabelgebunden verspricht Nothing eine verlustfreie Wiedergabe mit bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz über USB-C sowie Hi-Res-Audio mit bis 24 Bit und 96 Kilohertz über die 3,5-mm-Klinke.

Bedienung und App
Nothing setzt bei der Bedienung nicht auf verschiedene Touchgesten, sondern auf hochwertig verarbeitete physische Bedienelemente. Die Lautstärke lässt sich komfortabel über ein Drehrad einstellen. Mit einem Kippschalter können Songs übersprungen oder zurückgesprungen sowie vor- und zurückgespult werden. Eine weitere physische Taste aktiviert den Sprach- und KI-Assistenten.
Zudem integriert Nothing eine separate Taste zum Aktivieren des Flat EQ. Dieser Modus richtet sich speziell an die Arbeit im Studio und bietet ein möglichst neutrales Klangprofil, bei dem sämtliche Nachbearbeitungen des Audiosignals deaktiviert werden. Da diese Funktion im Alltag vermutlich nur selten genutzt wird, befindet sich die Taste etwas versteckt auf der Innenseite der Ohrmuschel. Die übrigen physischen Bedienelemente sind hingegen sehr gut erreichbar und lassen sich auch blind problemlos ertasten.
Wird der Kopfhörer abgesetzt, pausiert die Wiedergabe dank der integrierten Trageerkennung automatisch. Sobald er wieder aufgesetzt wird, läuft die Musik weiter. Das ist zwar längst keine aussergewöhnliche Funktion mehr, erweist sich im Alltag aber als äusserst praktisch.



Nothing bietet Geschmack verschiedene Equalizer an | Screenshots: vybe
Die App «Nothing X» kannte ich bereits aus meinem Test der CMF by Nothing Clip Pro. In Kombination mit dem Headphone (1) Pro fällt der Funktionsumfang jedoch nochmals deutlich grösser aus. Die zahlreichen nützlichen Einstellungen lassen sich intuitiv bedienen. Auf Wunsch kann ein persönliches Klangprofil erstellt oder der umfangreiche Equalizer mit vielen Feinabstimmungsmöglichkeiten genutzt werden. Die eigenen Equalizer-Einstellungen lassen sich sogar mit anderen Nutzerinnen und Nutzern teilen.


Die Nothing X App ist einfach zu bedienen und bietet viele Funktionen | Screenshots: vybe
Nothing bietet in der App fünf dynamische Klangmodi für räumliches Audio inklusive Headtracking, darunter «Music Club», «Club»und «Studio B». Dabei simuliert der Kopfhörer die jeweilige Umgebung. Besonders der Club-Modus macht in Kombination mit basslastigen Songs viel Spass. Allerdings passt nicht jeder Klangmodus zu jedem Musikstück, weshalb sich etwas Ausprobieren lohnt.
Sound und Klang
Letztlich muss sich jeder Kopfhörer insbesondere beim Klang mit der starken Konkurrenz messen. Nur gut aussehen reicht nicht aus, vor allem nicht bei diesem Preis. Zahlt sich das Upgrade auf ein Drei-Treiber-System aus und macht sich die Zusammenarbeit mit den Metropolis Studios, die dem Kopfhörer den klanglichen Feinschliff verpasst haben, tatsächlich bemerkbar? Ja, würde ich spontan sagen. Denn der Headphone (1) Pro hört sich mit jedem Musikgenre ausgezeichnet an.
Klanglich haben mich die Headphone (1) Pro von Nothing überzeugt: Die Bässe reichen tief hinunter und liefern ordentlich Druck, ohne die Mitten zu überlagern. Stimmen klingen natürlich und präsent, während Instrumente sauber voneinander getrennt bleiben. Dazu kommen klare, detailreiche Höhen, die auch bei höherer Lautstärke nicht unangenehm scharf wirken. Das ergibt einen ausgewogenen, lebendigen Klang, der feine Details hörbar macht und zugleich richtig Spass bereitet – unabhängig davon, welches Musikgenre gerade läuft.
Dank des vorbildlichen Equalizers lässt sich der Klang sehr genau an den eigenen Geschmack anpassen. Unabhängig davon, ob kräftigere Bässe, präsentere Mitten oder klarere Höhen bevorzugt werden, setzt der Headphone (1) Pro die Einstellungen souverän und ohne grobe klangliche Schnitzer um. Kurzum: Klanglich spielt der Headphone (1) Pro ganz oben mit und muss sich auch vor teureren Konkurrenten nicht verstecken.

Noise Cancelling, Transparenzmodus und Telefonie
Gespannt war ich auch auf die aktive Geräuschunterdrückung (ANC), für die Nothing gleich zehn Mikrofone verbaut. Der Hersteller verspricht eine Dämpfung von bis zu 46 Dezibel. Besonders beim Pendeln spielt das System seine Stärken aus: Selbst in der lauten Umgebung eines Bahnhofs werden Aussengeräusche sehr zuverlässig herausgefiltert, heranfahrende Züge sind kaum noch wahrnehmbar. Stimmen dringen bei geringer Wiedergabelautstärke zwar weiterhin durch, etwa im Zug, werden jedoch deutlich gedämpft. Auch erfreulich: Bei absoluter Stille bleibt das Grundrauschen kaum wahrnehmbar.
Wer seine Umgebung bewusst wahrnehmen möchte, etwa beim Bestellen eines Kaffees, kann den Transparenzmodus aktivieren. Das Grundrauschen hält sich dabei angenehm zurück und Stimmen werden klar übertragen. Persönlich spreche ich allerdings ungern mit anderen Personen, solange ich Kopfhörer trage. Das ist letztlich aber reine Geschmackssache.
Und wie schlägt sich der Headphone (1) Pro beim Telefonieren? Ebenfalls tadellos Nothing setzt auf die sogenannte Clear-Voice-Technologie, die für eine möglichst natürliche Übertragung der eigenen Stimme sorgen soll. Das funktioniert zuverlässig: In mehreren Testgesprächen wurde mir eine klare und gut verständliche Sprachqualität bestätigt. Auch mein Gegenüber war während der Gespräche jederzeit klar und deutlich zu verstehen.
Akkulaufzeit
Nothing gibt eine Akkulaufzeit von bis zu 68 Stunden ohne und 30 Stunden mit aktiver Geräuschunterdrückung an. Diese Werte gelten bei der Wiedergabe über den AAC-Codec. Mit dem hochauflösenden LDAC-Codec sind es noch bis zu 53 Stunden ohne bzw. 28 Stunden mit ANC. Diese Angaben decken sich ungefähr mit meinen Erfahrungen im Alltag. Rekordwerte sind das zwar nicht, für den täglichen Einsatz und selbst einen Langstreckenflug reicht die Laufzeit jedoch problemlos aus.
Bei vollständig entladenem Akku dauert ein kompletter Ladevorgang rund zwei Stunden. Dank Schnellladefunktion sollen jedoch bereits fünf Minuten am Ladekabel für bis zu vier Stunden Musikwiedergabe ohne ANC ausreichen.

Das Testfazit zu den Nothing Headphone (1) Pro
Der Einstieg ist ins Premium-Segment gelingt Nothing mit den Headphone (1) Pro definitiv. Beim wichtigsten Kritierium, dem Klang, enttäuschen sie nicht - im Gegenteil: kräftige, tief reichende Bässe, natürliche Stimmen und klare Höhen ergeben eine ausgewogene Abstimmung. Dank umfangreichem Equalizer und dem persönliches Klangprofil machen die Kopfhörer mit jedem Musikgenre Spass. Auch die zuverlässige Geräuschunterdrückung und die gute Sprachqualität beim Telefonieren passen zum positiven Gesamtbild.
Aussehen ist immer Geschmacksache, mir gefallen die Headphone (1) Pro optisch allerdings wirklich gut. Hinzu kommen die hochwertigen Materialien und die unkomplizierte Bedienung über Drehrad, Kippschalter und Tasten. Der Tragekomfort ist auch trotz seines Gewichts auf einem richtig guten Niveau. Allerdings wird es unter den Ohrpolstern relativ schnell warm - das ist ein kleiner Makel. Weniger praktisch ist die Schutzhülle, die nur die Ohrmuscheln schützt und keinen Platz fürs Ladekabel bietet. Die Akkulaufzeit von rund 30 Stunden mit ANC reicht hingegen problemlos für den Alltag.
Nein, mit 329 Franken ist der Headphone (1) Pro kein Schnäppchen. Der hervorragende Klang, die hochwertige Verarbeitung und die umfangreiche Ausstattung liefern jedoch gute Argumente für den Aufpreis. Wer nicht direkt 329 Franken ausgeben möchte, kann sich alternativ den ebenfalls überzeugenden Headphone (1) ansehen. Dieses Modell bietet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, muss jedoch auf einige der Pro-Funktionen verzichten.