End of Oak Street Filmkritik: Ist das noch artgerechte Haltung?
Ist das noch artgerechte Haltung? (Bild: Warner Bros. Ent.)
Review Kino Filme

«The End of Oak Street» Filmkritik: Gut gebrüllt, Dino!

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Geht es um Dinosaurierfilme auf der Leinwand, hat das «Jurassic»-Franchise ein Monopol. Die von Steven Spielberg gestützten Filme haben sich gemütlich ein Nest gebaut und brauchen keine Eierdiebe zu fürchten. Einzelne Versuche, dieses Monopol zu brechen, scheiterten jeweils kläglich. So etwa «65», der 2023 sowohl an den Kinokassen als auch bei den Kritikern baden ging.

Bis jetzt. Denn mit David Robert Mitchells «The End of Oak Street» stürmt ein Film auf die Schweizer Kinoleinwände, der nicht nur prominent besetzt ist und einen sehr fähigen Regisseur am Drücker hat, sondern auch richtig, richtig gut ist.

Bricht «The End of Oak Street» den «Spielberg-Fluch»?
Steven Spielberg hat das Dino-Kino revolutioniert. Hat er es gleichzeitig für alle anderen ruiniert? Ein Film stellt sich der «Jurassic»-Reihe entgegen.

Worum geht's?

Eine typisch Vorstadtstrasse im Jahr 1982. Während eines idyllischen Quartierfestes lernen wir die Familie Platt kennen. Tochter Audrey träumt von einem guten College, bei Bruder Brian sprudeln die Hormone. Mama Denise (Anne Hathaway) schlichtet kleine Streitereien in der Nachbarschaft und Vater Greg (Ewan McGregor) arbeitet ständig.

Ihr Wochenende haben sich die Platts wohl anders vorgestellt.
Ihr Wochenende haben sich die Platts wohl anders vorgestellt. (Bild: Warner Bros. Ent.)

Dann folgt das böse Erwachen. Am nächsten Morgen ist der Vorort aus unerklärlichen Gründen mitten ins Mesozoikum katapultiert worden – ins Zeitalter der Dinosaurier. Plötzlich scheinen alle Familienprobleme verschwindend klein, denn links und rechts werden Nachbaren von hungrigen Raptoren, Flugreptilien und einem Allosaurus zerfleischt. Für die Platts gilt: Wollen sie diesen Albtraum überleben, müssen sie zusammenhalten.

Nostalgie trifft auf Horror

Gerade in der ersten Hälfte schafft es Mitchell, seinem Film ein wunderbar nostalgisches 80er-Feeling zu verleihen, das stark an «E.T» oder «Joey» erinnert – bis dann eben das Blut spritzt. Der Spagat zwischen Nostalgie, Familiendrama und teils überraschend heftigem Dino-Horror gelingt dem Regisseur von «It Follows» vortrefflich. Obwohl «The End of Oak Street» einen Gang härter als «Jurassic World» ist, bleibt er für ein breites Publikum zugänglich.

Weil sich der Film zu Beginn Zeit für seine Figuren und die Nachbarschaft nimmt, fiebert man mit den Platts dann auch mit, wenn ihnen allerhand blutrünstiges Getier auf den Fersen ist.

Ewan McGregor und Anne Hathaway geben Vollgas.
Ewan McGregor und Anne Hathaway geben Vollgas. (Bild: Warner Bros. Ent.)

Toller Cast

Dabei machen vor allem Anne Hathaway und Ewan McGregor eine gute Figur, weil sie den Stoff sehr ernst nehmen und sich der absurden Prämisse völlig hingeben. Auch die jungen Darsteller liefern überzeugende Leistungen ab.

Gerne hätte ich aber noch etwas mehr Interaktionen mit den anderen Nachbarn gesehen. Der Fokus des Films bleibt so eng bei der Familie Platt, dass er meiner Meinung nach Potenzial liegen lässt, um zu zeigen, wie andere Leute aus der Strasse mit der Lage umgehen. Dennoch: Der Cast trägt den Film und wächst einem schnell ans Herz.

Für die Musik zeichnet sich Michael Giacchino verantwortlich, der bei den ersten drei «Jurassic World»-Teilen gezeigt hat, dass er das prähistorische Metier beherrscht. Hier setzt er auf eher intimere Klänge statt Orchesterbombast, webt aber immer wieder auch verspielte Melodien ein, die dem Film stellenweise eine fast schon humorvolle Leichtigkeit verleihen – trotz des Grauens auf der Leinwand.

Was ist mit den Dinos?

Ein Dinosaurierfilm steht und fällt natürlich mit seinen urzeitlichen Stars. Und heidewitzka, damit geizt «The End of Oak Street» gar nicht. Kaum hat sich die Nachbarschaft gen Urzeit verabschiedet, vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendein Vieh durch die Szenerie rennt, trampelt, kriecht und fliegt.

Die Fauna kommt sehr abwechslungsreich, wenn auch nicht wissenschaftlich akkurat in der Kombination daher. Aber das bemängelt wohl nur ein Supernerd wie ich. Jedenfalls wird es nie langweilig. Optisch geht der Film mit seinen zotteligen Viechern einen eigenen Weg und hebt sich damit bewusst von «Jurassic World» und Co. ab.

In «The End of Oak Street» gibt es Nachbarschaftszoff der garstigen Art
In «The End of Oak Street» gibt es Nachbarschaftszoff der garstigen Art. (Bild: Warner Bros. Ent.)

Für sein fast schon moderates Budget von angeblich 85 Millionen Dollar (zum Vergleich: «Jurassic World: Rebirth» kostete um die 200 Millionen Dollar) haben die VFX-Profis von «Industrial Light & Magic» ganze Arbeit geleistet. Die Saurier sind im Grossen und Ganzen sehr gut getrickst, einzig einige Landschafts-Hintergründe sehen etwas stark nach Greenscreen und reingebastelt aus.

Der bessere «Jurassic»-Film?

Nachdem mich «Jurassic World: Rebirth» 2025 über alle Massen enttäuscht hat, bin ich richtig froh über «The End of Oak Street». Denn trotz des actionreichen Dino-Rambazambas hat Mitchell seinem Film dank den liebenswürdigen Charakteren ein Herz gegeben.

Wer nach «Jurassic World: Rebirth» den Glauben an Dinosaurierfilme verloren hat, sollte «The End of Oak Street» eine Chance geben. David Robert Mitchell liefert keinen grösseren Dino-Film ab – sondern den besseren.

«The End of Oak Street» läuft ab Donnerstag, 13. August in den Schweizer Kinos.