Am 13. August startet mit «The End of Oak Street» ein Film mit Seltenheitswert in den Schweizer Kinos. Nämlich ein Hollywood-Blockbuster mit Starbesetzung, einem namhaften Regisseur, einem Kult-Produzenten – und Dinosauriern.
Ein Film, sie alle zu knechten
Seit «Jurassic Park» 1993 die Kinoleinwände stürmte und ein Franchise lostrat, das bis heute Milliardenbeträge einspielt, ist der Name zum Synonym für Dinosaurierfilme geworden.
Mit wenigen Ausnahmen blieb das Genre des Dinosaurierfilms im Mainstream seither zu grossen Teilen dem «Jurassic»-Franchise vorbehalten. Ja, es gab einige Trittbrettfahrer oder Nachahmer, aber die grosse Mehrheit dürfte sich kaum an «Prehysteria» oder «Carnosaurus – Primal Species» erinnern.
Betrachtet man die letzten Jahre, gab es abseits der «Jurassic World»-Filme kaum grössere Produktionen über Dinosaurier. Eine seltene Ausnahme war «65» (2023), das trotz Adam Drivers Starpower an den Kinokassen unterging. Meine Meinung: Wohl auch, weils kein besonders guter Film war.
2025 stemmte Luke Sparke mit «Primitive War» einen Independent-Film, der trotz eines Budgets von angeblich nur sieben Millionen Dollar beachtliche Effekte bot. Nach eigenen Angaben wollten grössere Studios die Romanverfilmung nicht finanzieren. Dinosaurier seien Spielbergs Gebiet, hätten Produzenten ihm gesagt, wie Sparke an einem Panel der San Diego Comic Con erzählte.
Zuletzt gab es mit «Primitive War» einen Dinofilm mit überschaubarem Budget, aber überraschend guten Effekten.
Der Franchise-Gigant kommt ins Straucheln
Dabei stagniert ja trotz Millioneneinnahmen auch die «Jurassic»-Reihe. Zumindest inhaltlich. Hat man mit den letzten beiden «Jurassic World»-Filmen «Fallen Kingdom» und «Dominion» noch mehr oder weniger erfolgreich versucht, erzählerisches Neuland zu betreten, kehrten Regisseur Gareth Edwards und Drehbuchautor David Koepp mit «Jurassic World Rebirth» wieder in viel zu bekannte Pfade zurück. Mal wieder ne Insel, mal wieder ne geheime Forschungsstation und dazu mal wieder ein paar Mutantendinos.

Früher wars diverser
Das war nicht immer so. In der Zeit vor CGI versuchten sich verschiedenste Filmemacher an den prähistorischen Viechern. Darunter beispielsweise Stop-Motion-Pionier Willis O'Brien in «The Lost World» (1925), sein Zögling Ray Harryhausen in «Valley of Gwangi» (1969), Puppenbauer Roger Dicken in «The Land That Time Forgot» (1975) oder Don Bluth im Animationsfilm «Land Before Time» (1988).

Das Genre des Dinosaurierfilms war ein kunterbunter Mix aus verschiedenen handwerklichen Spezialeffekten. Mal ein Mann im Ganzkörperkostüm, mal Leguane mit angeklebten Gummihörnern.
Alles was Dinofans heute noch kriegen, sind filmische Schnellschüsse aus der Produktionsschmiede The Asylum – oder einem chinesischen Äquivalent dazu – mit billigem CGI, irgendwo zwischen dem 76938. Monsterhai-Filmchen und dem aktuellsten Mockbuster.
Woran liegts?
Warum traut sich kaum ein grosses Filmstudio an die Urzeitechsen, jetzt da CGI viel zugänglicher geworden ist? An der Zugkraft kanns kaum liegen. Die «Jurassic World»-Filme haben teils absurd hohe Beträge eingespielt.
Selbst «Primitive War» konnte dank viel Eigenantrieb weltweit in den Kinos landen (lief da aber wegen begrenztem Marketingbudget nicht erfolgreich) und dürfte dank Streaming und On-Demand-Einnahmen ein Achtungserfolg gewesen sein. Immerhin erfolgreich genug, um eine Fortsetzung in Gang zu bringen.
Am mangelnden Interesse liegts also nicht. Forscherinnen und Forscher liefern in schwindelerregendem Tempo neue Erkenntnisse über das Leben und Sterben der Urtiere. Apple stopft Millionen von Dollar in Dokutainment wie «Prehistoric Planet». Netflix zieht mit «Life on Our Planet» und «The Dinosaurs» nach. Die BBC holt «Walking with Dinosaurs» aus der Versenkung. Dinos sind hip. Zumindest im Dokumentarbereich. Aber im Spielfilm? Fehlanzeige.
Das Problem könnte darin liegen, dass Steven Spielberg 1993 mit «Jurassic Park» die Messlatte schon derart hoch gelegt hat, dass andere Filmemacher gar keinen Sinn dahinter sehen, es besser machen zu wollen. Zumal Spielberg mit der Kombination aus Stan Winstons Animatronik und digitalen Effekten eine Balance fand, die bis heute kaum gealtert ist.
An Spielbergs «Jurassic Park» muss sich bis heute jeder Dinosaurierfilm messen.
Ein Hoffnungsstreif am Ende der Oak Street
Mal schauen, ob es «The End of Oak Street» gelingt, den «Spielberg-Fluch» zu brechen und Tür und Tor für weitere Blockbuster mit Dinos zu öffnen. Immerhin stehen mit David Robert Mitchell («It Follows») ein fähiger Regisseur und mit J.J. Abrams («Star Wars») ein Blockbuster-Produzent hinter der Kamera.
Hat das Potenzial, gut zu werden: «The End of Oak Street».
Wünschenswert wäre es, denn die Viecher geben soviel mehr erzählerischen Stoff her als die 100. Variation eines «The Lost World»-Szenarios. Das zeigt auch eine erste Synopsis zum Film. Hier geht es nämlich um eine typisch amerikanische Vorstadtstrasse, die wegen eines kosmischen Ereignisses in die Kreidezeit versetzt wird, wo sich eine ahnungslose Familie plötzlich gegen prähistorische Bestien wehren muss.
Ich für meinen Teil werde meinen Hintern garantiert in den Kinosessel setzen, wenn «The End of Oak Street» am 13. August in den Kinos startet. Denn vielleicht braucht das Dino-Kino gar keinen besseren «Jurassic Park». Vielleicht braucht es einfach wieder Filme, die etwas völlig anderes mit Dinosauriern machen.