Mit Zach Creggers «Resident Evil» steht in wenigen Tagen der nächste Versuch vor der Tür, Capcoms legendäre Horrorspielreihe überzeugend auf die Kinoleinwand zu bringen. Es ist das zweite Reboot nach dem gescheiterten «Welcome to Raccoon City» von 2023.
Dabei hätte die Filmgeschichte von «Resident Evil» völlig anders aussehen können. Ende der 1990er-Jahre sass nämlich ausgerechnet George A. Romero auf dem Regiestuhl – zumindest beinahe.

Ja, genau der George A. Romero. Der Mann, der 1968 mit «Night of the Living Dead» den modernen Zombiefilm praktisch neu definierte und 1978 mit «Dawn of the Dead» einen der einflussreichsten Horrorfilme überhaupt nachlegte, sollte «Resident Evil» verfilmen.
Am Ende wurde daraus trotzdem nichts. Leider. In meinen Augen wäre das nämlich ein so genannter «Match made in heaven» gewesen.
Alles begann mit «Resident Evil 2»
Tatsächlich sass Romero auch für ein «Resident Evil»-Projekt auf dem Regiestuhl. Für die Veröffentlichung von «Resident Evil 2» respektive «Biohazard 2», wie das Spiel in Japan heisst, engagierte Capcom 1997 George A. Romero für einen aufwendig produzierten Live-Action-Werbespot.
Der damalige Capcom-Produzent Keiji Inafune erklärte später, man habe für die Kampagne bewusst den Regisseur der «Zombie»-Filme geholt, um dem Werbespot das passende «Biohazard»-Gefühl zu verleihen. Im Clip waren unter anderem Brad Renfro als Leon S. Kennedy und Adrienne Frantz als Claire Redfield zu sehen.
Der Spot wurde ausschliesslich für den japanischen Markt produziert. Für Romero sollte der Ausflug nach Raccoon City allerdings Folgen haben.
Denn nun stand eine wesentlich grössere Aufgabe im Raum: ein «Resident Evil»-Kinofilm.
Romero bekommt den Job
1998 entwickelte Constantin Film eine Verfilmung des ersten Spiels und George A. Romero wurde als Autor und potenzieller Regisseur verpflichtet.
Dass das Projekt ziemlich weit kam, lässt sich heute gut belegen. In der George-A.-Romero-Sammlung der University of Pittsburgh befinden sich gleich mehrere Dokumente aus dieser Phase, darunter auch mehrere Drehbuchfassungen. Die Version vom 7. Oktober 1998 kursiert seit Jahren im Internet.
Nah am Originalspiel – relativ
Als 2002 Paul W. S. Andersons «Resident Evil» ins Kino kam, führte er mit Alice eine komplett neue Hauptfigur ein. Milla Jovovich wurde zum Gesicht der Filmreihe und blieb es über sechs Filme hinweg. Die Filme entwickelten sich inhaltlich und stilistisch zunehmend weg von den Spielen hin zu Sci-Fi-Actionstreifen.
Romeros Drehbuch orientierte sich deutlich stärker am ersten Spiel. Chris Redfield und Jill Valentine spielen zentrale Rollen, Albert Wesker ist dabei, die S.T.A.R.S.-Einheit taucht auf und ein grosser Teil der Geschichte führt in das berüchtigte Spencer-Anwesen und die darunterliegenden Anlagen.
Allerdings war auch Romeros Fassung keine Eins-zu-eins-Adaption. Chris Redfield etwa ist in Romeros Drehbuch zunächst kein S.T.A.R.S.-Mitglied, sondern lebt auf einer Ranch und ist mit Jill liiert. Romero nahm das Gerüst, die Monster und zahlreiche Motive des Spiels und baute daraus seine eigene Filmversion.
Blut und Gedärme en masse
Noch in einem weiteren Punkt wäre diese Version vermutlich weit von den späteren Kinofilmen entfernt gewesen: Romero schrieb einen ziemlich deftigen Horrorfilm.
Sein Name war schliesslich nicht zufällig mit Zombies verbunden. «Night of the Living Dead», «Dawn of the Dead» und «Day of the Dead» hatten das Genre nicht nur geprägt, sondern waren auch für ihre expliziten Gewaltdarstellungen bekannt – und berüchtigt. Einzelne Schnittfassungen von «Dawn» und «Day» waren in Deutschland lange Zeit indiziert.
Romeros «Resident Evil»-Entwurf setzt ebenfalls deutlich auf Horror und Gore. Aus heutiger Perspektive, in der Serien wie «The Walking Dead» heftige Gewaltspitzen quasi salonfähig gemacht haben, scheint das eigentlich logisch zu sein. Die Games waren blutig, also musste es der Film auch sein. Offenbar sah man das bei Capcom und Constantin damals aber noch anders.
Warum wurde Romeros «Resident Evil» nie gedreht?
Eine einzelne Erklärung dafür, weshalb Romero gehen musste, gibt es nicht. Einige Stimmen behaupten, der Film wäre zu brutal fürs Mainstream-Publikum geworden – und wäre wegen der höheren Altersfreigabe möglicherweise nicht rentabel genug gewesen.
Besonders drastisch äusserte sich der damalige Capcom-Produzent Yoshiki Okamoto. Von ihm ist die Aussage überliefert, Romeros Drehbuch sei schlicht nicht gut gewesen und Romero deshalb entlassen worden.
Romero selbst schilderte die Angelegenheit später anders. In Interviews erklärte er, dass er mit den Leuten von Capcom und den Mitarbeitern von Constantin in Los Angeles an einer Version gearbeitet habe, die ihnen gefallen habe. Das Problem sei letztlich die Führung von Constantin gewesen. Die habe statt einen klassischen Horrorfilm lieber einen Action-Film mit Sci-Fi-Elementen gewollt – ähnlich wie «Matrix», der damals in aller Munde war.
Und in diese Richtung ging die Reihe dann auch.
Dann kam Paul W. S. Anderson
2002 erschien schliesslich «Resident Evil» von Paul W. S. Anderson. Trotz gemischter Kritiken – auch seitens der Fans – war der Film erfolgreich genug, um ein Franchise loszutreten, das sich insgesamt auch sechs Filme erstreckte.
Finanziell funktionierte das Konzept: Die sechs Filme mit Milla Jovovich als unkaputtbare Supersöldnerin Alice spielten zusammen weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein.
Ob Romeros Version ähnlich erfolgreich geworden wäre? Das weiss niemand. George Romero blieb dem Zombie-Genre aber auch ohne «Resident Evil» treu. Bis zu seinem Tod im Juli 2017 realisierte er mit «Land of the Dead», «Diary of the Dead» und «Survival of the Dead» noch weitere Zombiefilme.
Heute kann man Romeros «Resident Evil» zumindest erahnen
Wer wissen möchte, wie dieses alternative «Resident Evil»-Universum ausgesehen hätte, dem kann ich den Dokumentarfilm «George A. Romero's Resident Evil» von 2025 ans Herz legen.
Regisseur Brandon Salisbury hat die Geschichte des gescheiterten Filmprojekts anhand von Interviews, Dokumenten und Archivmaterial rekonstruiert. Der Film ist in der Schweiz über Apple TV erhältlich.
Fast 30 Jahre später beginnt alles wieder von vorne
Nun versucht sich Zach Cregger an «Resident Evil». Der Regisseur von «Barbarian» und «Weapons» erzählt wiederum keine direkte Adaption eines bestehenden Spiels. Sein Film dreht sich um den medizinischen Kurier Bryan, gespielt von Austin Abrams, der während einer verhängnisvollen Nacht ums Überleben kämpfen muss.
Am 17. September startet der Film in den Schweizer Kinos.
