«Der Flug zur Hölle» ist ein Film, den ich als designierter Dinofilmfan erst relativ spät entdeckte habe (will heissen: schon im Erwachsenenalter). Entsprechend fehlen mir die Nostalgiegefühle, die ich gegenüber anderen klassischen Saurierfilmen durchaus habe.
Aber das muss nichts Schlechtes sein, denn «Der Flug zur Hölle» hat durchaus seine Vorzüge. Ganz besonders in der Neuauflage von Anolis Film. Die brachten den nischigen Schwarz-Weiss-Klassiker von 1957 nämlich schon vor einigen Jahren erst als DVD und später als Blu-Ray raus – beides ging weg wie altes Brot im Schwanengehege. Seither war der eher unbekannte Universal-Klassiker vergriffen.
Am 15. Juni hat Anolis Film den Streifen allerdings als Blu-Ray-Neuauflage in der Reihe «Phantastische Filmklassiker» wieder auf den Markt gebracht. Und das gleich als Mediabook mit drei verschiedenen Covern. Ich teste hier aber die frühere Blu-Ray-Veröffentlichung, die in Sachen Bild- und Tonqualität deckungsgleich mit der Neuauflage ist.

Zum Film
In «Der Flug zur Hölle» geht es um eine Hubschrauber-Expedition in die Antarktis, die nach einem Zusammenstoss mit einem Flugsaurier mit einer Notlandung endet. Doch statt im ewigen Eis, findet die bunt zusammengewürfelte Truppe um Schauspieler und Ex-Stuntman Jock Mahoney einen tiefen Krater mit einem tropischen Dschungel.
Entsprechend dem Genre tummeln sich hier allerhand prähistorische Viecher – und ein seit Jahren verschollener Forscher, dem die Einsamkeit dezent an die Psyche gegangen ist. Kann die Gruppe diese gefährliche Welt wieder verlassen?
Eines muss man dem Film lassen: Er kommt sehr schnell zur Sache. Nach einer zweckmässigen Einführung aller relevanten Figuren in den ersten zehn Minuten, ist unsere Heldentruppe bereits unterwegs ins Verderben. Leider zieht sich der Film dann trotz einer knackigen Lauflänge von 78 Minuten ab der Mitte. Die (zu) wenigen Monsterbegegnungen lockern das Geschehnis zwar immer wieder auf, allerdings ist keine der Figuren oder Konflikte interessant genug, um das Treiben abseits der Effektsequenzen spannend zu halten.
Das liegt auch am schwachen Drehbuch und den eher lustlosen Schauspiel-Leistungen. Niemand scheint so recht mit Elan bei der Sache zu sein und ist etwa ähnlich motiviert wie ich an einem Montagmorgen auf dem Weg zum Brotjob. Leider mündet der Film auch in einem eher unspektakulären Finale.
Natürlich kann man nicht über einen Dinosaurierfilm sprechen, ohne die Effekte zu erwähnen. Und die sind in «Der Flug zur Hölle» eine gemischte Kiste. Ja, der Mix aus frühen Animatronics und Ganzkörperkostüm hat seinen Charme, überzeugend waren sie wohl damals schon nicht.

Die Puppen sind krude, die Bewegungen steif. Dafür kann sich «Flug zur Hölle» damit rühmen, den geriatrischsten Tyrannosaurus der Filmgeschichte zu haben (ganz knapp nach den Ceratosauriern aus «Unknown Island» von 1948). Kein Wunder fühlt sich keine der Figuren im Film wirklich bedroht von dem König der Saurier, so hüftsteif wie der durch das Set trampelt.
Leider hat Universal auch auf die «Slurpasaur»-Technik gesetzt, bei der echte Eidechsen als Dinosaurier dargestellt und aufeinander losgehetzt wurden. Eine «Effekt»-Technik, die in den 1940ern bis 1960ern leider häufig angewendet wurde und heute als Tierquälerei gilt.
Alles in allem ist «Flug zur Hölle» kein Meilenstein der Filmgeschichte, für Fans von klassischen B-Movies und Monsterfilmen ist er aber durchaus einen Blick wert. Eine amüsante Zeitkapsel mit Ecken und Kanten.
Zum Bild
Hier punktet die Blu-Ray auf ganzer Linie. Es ist extrem beeindruckend, wie scharf sich das Bild durchgehend präsentiert. Die Schwarztöne sind satt, es gibt keine Ausreisser in den Weisstönen und das Bildrauschen hält sich sehr in Grenzen. Das Bild ist erfreulich sauber und frei von übermässig digitaler Nachbearbeitung.
Aus der Reihe tanzen lediglich die eingefügten Stockfootage-Aufnahmen, die damals schon qualitativ dem 35mm-Filmmaterial unterlegen waren. In dieser aktuellen Aufbereitung fallen sie deshalb aus dem Rahmen – einfach auch, weil der Rest so verdammt gut aussieht.
Zum Ton
Der Film liegt mit zwei 2.0 Mono-Tonspuren vor. Die englische Originalfassung klingt insgesamt stimmiger, Dialoge, Musik und Soundeffekte sind sehr gut abgemischt.
Bei der deutschen Synchronisation ist ein deutliches Rauschen und Knacken zu hören. Offenbar lag hier nur ein altes Master vor. Trotzdem ist auch die deutsche Sprachfassung sehr gut verständlich und verbreitet viel Nostalgie-Feeling. Auch die Sprecher sind passend besetzt und bringen teils mehr Leben in das Spiel, als die Darsteller.

Bonusmaterial
Auf der Disc selbst präsentiert sich das Bonusmaterial leider relativ spärlich. Neben dem deutschen und dem englischen Trailer gibt es noch eine kleine Bildergalerie und ein österreichisches Filmprogramm von 1958, das über den Start des Filmes berichtete.
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Spezifikationen
- Titel: «Der Flug zur Hölle» / «The Land Unknown»
- Label: Anolis
- Inhalt: 1 Blu-Ray-Disc, Wendecover
- Altersfreigabe: 12
- Bildformat: 2.35:1 - Scope (16:9)
- Regie: Virgil W. Vogel
- Darsteller: Jock Mahoney, Shirley Patterson, William Reynolds, Henry Brandon
- Filmlänge: ca. 78 Minuten
- Genre: Fantasy / Science Fiction
- Produktionsjahr: 1957
- Sprachen: Deutsch, Englisch
- Ton: 2.0 Mono
- Untertitel: Deutsch
Getestet wurde die Blu-Ray mit folgenden Geräten: Samsung HT-J4550 Home Cinema System, Sony KD-32W804 Fernseher
