«Silent Hill 2» gilt gemeinhin als Meisterwerk. Auf welchem Platz landet das Game in meinem Ranking?
«Silent Hill 2» gilt gemeinhin als Meisterwerk. Auf welchem Platz landet das Game in meinem Ranking? (Bild: Konami Digital Entertainment»
Gaming Sony PlayStation PlayStation 5

Die «Silent Hill»-Reihe im Ranking: Vom Flop zum Meisterwerk

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Morgen erscheint mit «Silent Hill: Townfall», der neueste Teil der langlebigen – und zum Glück 2024 wiederbelebten – Survival-Horror-Reihe. Während ich gebannt darauf warte, endlich die verfluchte Insel von St. Amelia erkunden zu dürfen, inklusive Ego-Perspektive und neuem Soundtrack, nutze ich die Zeit, um einen Blick auf die Reihe zu werfen.

Welcher Teil hat mir besonders gefallen? Und welcher kann von mir aus in der nebligen Gosse der Bachmann-Street verrotten? Finden wir's raus.

Platz 10: «Silent Hill: Homecoming»

Dass hier ein amerikanisches statt japanisches Team am Drücker war, merkt man sofort. Und leider nicht im positiven Sinne. Held Alex Sheperd ist ein Kriegsveteran, der nach Hause zurückkehrt, um seinen verschollenen Bruder zu suchen. In der Folge messern und ballern wir uns durch verschiedene Locations, ehe wir endlich im titelgebenden Silent Hill ankommen, wo uns die Entwickler von Double Helix Games stolz beweisen, nur den 2006 erschienenen Film gesehen und ansonsten keinen Plan davon zu haben, was die Reihe ausmacht.

Einige Monster-Designs, der fehlgeleitete Kult und die Wechsel in die Albtraumwelt sind 1:1 aus dem Film übernommen. Dazu gibt's unnötigen Fanservice – Pyramid Head hat hier nichts zu suchen! – und jede Menge plakativer Gewalt. Vorbei sind die subtilen Untertöne der japanischen Vorgänger. Dafür gibt's Blut, Gore und Sequenzen, die auch in einen SAW-Film gepasst hätten.

Dass die plumpe «Heimkehr» dann noch mit dem wohl sperrigsten Kampfsystem der bisherigen Reihe aufwartete und einem mehr Gegner vor den Latz warf als Kaufwütige an einem Black Friday Sale, hat diesen Teil der Reihe in meinem Ranking mühelos auf den letzten Platz katapultiert.

Platz 9: «Silent Hill: The Short Message»

Es war das erste spielbare Lebenszeichen der Reihe seit Jahren und dann erst noch kostenlos! Doppel-Sieg, oder? Leider nicht ganz. «Silent Hill: The Short Message» war fast mehr Demo als Spiel, aber ich will mit einem geschenkten Appetizer nicht zu hart ins Gericht gehen.

Optisch wusste das Spiel zu gefallen, auch von der Atmosphäre her hatte der heruntergekommene Wohnblock im deutschen Kettenstadt gruselige Ecken zu bieten. Zudem kehrte Monsterdesigner Masahiro Ito zurück und lieferte mit dem «Sakura-Girl» einen unangenehm schönen Gegner ab. Auch Sound-Mastermind Akira Yamaoka entlockte seiner Tastatur wieder ein paar stimmige Klänge.

Dennoch fand ich die Story um Teenager-Suizide arg klischiert, wenig greifbar und durch den Mix aus realen Videosequenzen und Handygesprächen teils unfreiwillig komisch. Zudem gingen mir die Fluchtsequenzen auf den Keks, weil sie mit grässlichem Trial-and-Error verbunden waren.

Platz 8: «Silent Hill: Origins»

Das mag jetzt gemein wirken, aber der ursprüngliche PSP-Ableger «Silent Hill: Origins» macht wenig falsch. Das britischen Climax Studio übernahm die Reihe vom japanischen Team Silent und lieferte eine Vorgeschichte zum ikonischen Original.

Das Spiel lieferte Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat. Spielerisch hatte das Game mit dem Spieler-motivierten Wechsel zwischen realer und Albtraum-Welt einen schönen Kniff zu bieten und hielt sich stimmungstechnisch sehr nahe an den bisherigen Titeln.

Leider wurde das Spiel dadurch sehr beliebig. Es spulte bekannte Settings, Gegner und psychologische Horrormomente nach klassischem Muster ab und hinterliess – zumindest bei mir – keinen bleibenden Eindruck.

Platz 7: «Silent Hill: The Room»

Für mich rettet nur ein Faktor dieses Spiel vor einer noch tieferen Platzierung. Und das ist der titelgebende «Room». Wobei, eigentlich ist es eine Wohnung. Nebst dem Loch in der Wand, das uns in verschiedene unheimliche Regionen bringt, gab es hier allerhand zu entdecken.

Wir konnten durch Ritzen in den Wänden unsere Nachbarn beobachten, aus dem Fenster schauen und Dinge entdecken und gar Telefonnummern auf Werbeplakaten anrufen. Und wie sich dieser sichere Ort im Verlauf des Spiels immer mehr zu einem gefährlichen Albtraum verwandelt, hat mir damals sehr imponiert.

Dafür konnte ich mit dem ganzen Rest wenig anfangen. Die ewigen Eskort-Missionen, schier unsterbliche Geister als Gegner und das endlose Backtracking haben mir schon arg zugesetzt. Zudem fand ich das begrenzte Inventar mühsam (weil: noch mehr Backtracking) und die Story selbst hat mich auch null gepackt. Schade drum.

Platz 6: «Silent Hill f»

Der aktuell jüngste Teil (bis zum Erscheinen von «Silent Hill: Townfall») hat sich einiges getraut. Sei es ein japanisches Bergdorf als Setting, die 60er-Jahre als Epoche oder die praktisch komplette Abnabelung der bisherigen Lore. «Silent Hill f» spaltet die Fangemeinde. Und mich auch.

Während mich das Setting, die Optik und die Symbolik richtig gepackt haben, konnte ich mich bis zum Ende nicht mit dem sperrigen Kampfsystem anfreunden. Tatsächlich fand ich auch die «Anderswelt» – hier in Form einer nächtlichen Schreinlandschaft – nach anfänglicher Begeisterung schnell ermüdend, wenig unheimlich und in weiten Teilen zu sehr in die Länge gezogen.

Generell hat mich die doch ordentliche Spielzeit von über 17 Stunden bisher davon abgehalten, das Spiel noch einmal zu spielen und eines der anderen Enden zu erreichen. Weil es nebst vielen Highlights (die Schule!) auch zahlreiche Momente gibt, die ich nicht noch einmal durchmachen will.

«Silent Hill f» macht vieles richtig. Aber leider bei für mich relevanten Punkten eben auch einiges falsch. Dennoch zolle ich dem Team Respekt dafür, etwas Neues gewagt zu haben.

Platz 5: «Silent Hill: Downpour»

Viele finden «Downpour» richtig schlecht. Mir hat's tatsächlich überraschend gut gefallen. Klar, es war ein Grümpelturnier, verglichen mit Team Silents Premier League (ich hab absolut keine Ahnung von Fussball), dennoch hatte ich mit dem viel geschassten Titel sehr viel Freude.

Dennoch hat «Downpour» die Franchise nach durchwachsenen Kritiken und Verkäufen in einen 12 Jahre anhaltenden Dornröschenschlaf geschickt.

Mir gefiel die verregnete Atmosphäre und die leicht offene Welt der Stadt, in der ich an vielen Ecken kleine Nebenquests und einzelne Geschichten erleben konnte. Auch die Story rund um Sträfling Murphy Pendelton hat mich einigermassen mitgezogen – obwohl die Auflösung arg voraussehbar war.

Das Monsterdesign ist zwar ziemliche Grütze und die Fluchtsequenzen durch die Anderswelt leider einfallslos, dafür gibt es Abschnitte, die mir bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Etwa das Kino oder der Abschnitt mit dem Schul-Theater, wo sich eine «Hänsel & Gretel»-Kulisse allmählich mit der Realität vermischt.

Kurz: Um Meilen besser als der unmittelbare Vorgänger «Homecoming» und zu Unrecht gehasster Teil der Reihe.

Platz 4: «Silent Hill: Shattered Memories»

Vielleicht ist diese Platzierung etwas zu hoch gegriffen, aber ich liefere hier den Versuch einer Erklärung, warum das so ist.

«Silent Hill: Shattered Memories» ist quasi eine Neuerzählung des Originals. Statt eine rostig-blutigen Anderswelt, ist diese Version von Silent Hill im Eis gefangen. Die Prämisse bleibt dieselbe: Als Harry Mason suchen wir in der Stadt Silent Hill nach unserer verschwundenen Tochter Cheryl.

Das Spiel verzichtet ausnahmslos auf Kämpfe und legt seinen Fokus auf Erkundung – abgesehen von einigen nervigen Fluchtsequenzen. Immer wieder wechselt das Game in ein Büro eines Psychologen, der uns Fragen beantworten lässt, die das Spielgeschehen massgeblich beeinflussen. Inhaltlich, aber auch optisch.

Ich habe «Silent Hill: Shattered Memories» nur ein einziges Mal gespielt. Und das bei einem Freund zuhause, weil der eine Nintendo Wii hatte und ich nicht. Er liess mich das Spiel ohne Kommentar oder Hilfestellung spielen und sah dabei zu. Überraschend, weil wir neigen dazu, bei gemeinsamen Game-Sessions alles zu verulken. «Beantworte alle Fragen wahrheitsgemäss», sagte er zum Spielstart, als ich ein Psychogramm ausfüllen musste. Gesagt, getan.

«Silent Hill: Shattered Memories» analysiert nämlich die eigene Spielweise, spielt geschickt mit Erwartungshaltungen und ändert das Aussehen von Charakteren, Dialogen und Ereignissen, je nachdem, wie wir beim Psycho-Onkel antworten. In vielen Bereichen sind die Unterschiede etwas rudimentär, aber am Ende des Spiels ein ziemlich zutreffendes Psychogramm vorgelegt zu bekommen, war schon ein eigenartiges – und unheimliches – Gefühl. Ich fand's toll. Auch, weil mein Spielverlauf scheinbar ganz anders verlief, als der meines Kumpels.

Und weil ich bei einem zweiten Durchgang wohl bewusst Dinge anders gemacht hätte und damit mir selbst nicht «treu» geblieben wäre, hab ich «Silent Hill: Shattered Memories» nie wieder angerührt. Ich behalte es so in Erinnerung, wie es damals war: Als mutiger, eigenartiger und nahbarer Teil der Reihe.

Platz 3: «Silent Hill 1»

Mein erster Berührungspunkt mit der Reihe war tatsächlich eine Demo-CD, die in meiner Kopie von «Metal Gear Solid» dabei war. Dabei konnte man das Intro spielen und einen Teil des Schul-Abschnitts. Und Donnerlittchen, hat das dem kleinen Chris – damals 13 Jahre alt – gefallen.

Vor allem wegen der nebligen Atmosphäre, der unheimlichen Soundkulisse und dieser ganz eigenen Art von Horror, die nichts mit Gen-Experimenten, Zombies und «greifbarem» Grauen zu tun hatte. Nachts durch eine Schule zu laufen, die sich urplötzlich in eine noch gruselige Version verwandelt, hat mir damals aus der Seele gesprochen.

Ein Schulkollege lieh mir das Spiel aus und ich habe es zweimal hintereinander durchgespielt (weil man nach dem ersten Durchgang einen Munitionsmultiplikator freischalten konnte, der den zweiten Run quasi zum Shooter gemacht hat).

Ich bin fest der Überzeugung, dass nebst Musik und Story der ungelenke Pixellook und die geringe Sichtweite massgeblich zum Erfolg der Reihe beigetragen haben. «Resident Evil» setzte auf Zombies und Mutanten. «Silent Hill» ging an die Psyche. Und das fand ich schon mit 13 massiv interessanter.

Platz 2: «Silent Hill 3»

«Silent Hill 3» war das erste Spiel, das ich mir damals selbst gekauft habe, nachdem ich auch hier eine Demo (damals noch im PlayStation-Magazin als Disc beigelegt!) gespielt habe.

Danach habe ich Heathers Horrortrip durch einen abgeranzten Vergnügungspark, ein verlassenes Einkaufszentrum und andere unheimliche Gegenden zigmal genossen. Das Spiel hat perfekt mit den Ängsten eines Teenagers gespielt und kam für mich damals zur richtigen Zeit. Selbst ohne Nostalgie-Brille finde ich den Teil bis heute noch sackstark in seinem Design und seiner Aussage.

Teil 3 mag nicht so ikonisch sein, wie Teil 2, für mich gehört es trotzdem zu den absolut besten Titeln der Reihe.

Platz 1: «Silent Hill 2»

Definitiv keine kontroverse Platzierung. Natürlich kommt jetzt die Frage: «Welches Silent Hill 2? Das Original von 2001 oder das Remake?»

Tatsächlich teilen für mich sowohl das PS2-Original als auch das PS5-Remake von 2024 den ersten Platz.

Vom selben Kollege, der mir damals schon «Silent Hill» ausgeliehen hat, bekam ich dann auch «Silent Hill 2» für PS2 in die Finger gedrückt. Danke, Geni! Und auch diesen Teil hab ich in der Folge mehrmals durchgespielt und versucht, die verschiedenen Enden zu erspielen – das war damals gar nicht so einfach!.

Hier war es vor allem die Story und die Symbolik, die mich damals schon komplett reingesogen haben. Den armen James durch die vernebelten Gassen, Korridore und Hotelzimmer zu hetzen, um herauszufinden, was zum Geier mit seiner Frau eigentlich passiert ist, war eine tolle Prämisse.

Dass «Silent Hill 2» auf der PS2 noch so verdammt gut aussah, kam noch als kandierte Kirsche obendrauf. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, alles gerafft zu haben, was in dem Spiel abgeht, aber genau das macht den Reiz bis heute aus. Unzählige Theorien und Analysen beschäftigen sich mit dem Spiel und das allein zeigt doch, was für geniale Arbeit Team Silent damals schon abgeliefert hat.

Zumal Bloober Team 2024 mit dem lang erwarteten Remake alte Theorien aufgriff – und weiterspannte. Das Rätselraten kann also weitergehen.

Mich hat das Remake genau so gepackt, wie seinerzeit das Original. Schon in den ersten Minuten. Mit James auf dem Parkplatz oberhalb von Toluca Lake zu stehen, während Akira Yamaokas melancholische Sounds aus den Kopfhörern fliessen, hat mir tatsächlich eine nostalgische Träne in die Augen getrieben. Das Remake hat mich wieder zurück nach Silent Hill geholt – wie Protagonist James auch.

Bloober Team hat die Vorlage an vielen Orten geschickt geändert, ohne die Essenz des Originals dabei zu vergessen. Das alte «Silent Hill»-Gefühl war sowohl bei den Rätseln, als auch den Kämpfen gegen Bubble Head Nurses und Co. sofort wieder da. Müsste ich etwas am Remake kritisieren, dann sind das die teils in die Länge gezogenen Abschnitte einzelner Gebiete. Gerade gegen Ende hätte etwas Straffung dem Titel gut ins Gesicht gestanden. Wie auch schon «Silent Hill f» finde ich auch diesen Teil einfach eine Spur zu lange.

Aber wenn es ein Horrorspiel schafft, mich nicht nur in meine Kindheit zurückzubringen, sondern diese Nostalgie noch um ein modernes Kapitel ergänzen kann, dann hat es den ersten Platz verdammt nochmal verdient.

Welchen Platz dann «Silent Hill: Townfall» in meinem Ranking einnehmen wird, kann ich bald schon sagen. Das Spiel erscheint am 24. September für PlayStation 5 und PC.

Info: Es gibt noch einige Ableger, etwa für Spielautomaten oder «Book of Memories» für die PS Vita, die ich nicht gespielt habe und die darum auch nicht in dieses Ranking einfliessen.