Zimperlich geht es in «Resident Evil» definitiv nicht zu und her.
Zimperlich geht es in «Resident Evil» definitiv nicht zu und her. I Bild: Sony Pictures
Review Filme Kino

«Resident Evil» Filmkritik: Es geht doch!

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Was wurde im Vorfeld schon wieder alles gejammert in der «Resident Evil»-Fangemeinde. Zach Cregger würde mit seinem filmischen Reboot die Lore mit Füssen treten (als ob das Paul W. S. Anderson nicht mit sechs Filmen schon zur Genüge getan hätte), er sei gar kein richtiger RE-Fan und generell habe sein Film mit der Reihe gar nichts zu tun.

Ich bezeichne mich auch als grossen Fan der Spielereihe, bin damit gross geworden und habe – leider – auch alle bisherigen Verfilmungen mit mehr oder weniger Kopfschütteln angeschaut.

Logischerweise auch «Resident Evil» von Zach Cregger («Barbarian» und «Weapons»), der seit gestern in den Schweizer Kinos läuft. Und ich kann sagen: Cregger hat uns den besten «Resident Evil»-Film beschert – gerade weil er sich nicht sklavisch an die Vorlage hält.

Darum geht's in «Resident Evil»

In Creggers Film heften wir uns an die Fersen des Kuriers Bryan (Austin Abrams), der in einem nächtlichen Schneesturm ein medizinisches Paket ins Krankenhaus von Raccoon City bringen soll – und dabei von einem Albtraum in den nächsten stolpert. Irgendwas ist in der Kleinstadt im Gebirge passiert, das aus den Menschen dort blutrünstige Monster gemacht hat.

Für Bryan beginnt eine Hetzjagd durch bekannte Schauplätze der Games – von den chaotischen Strassen der Stadt über die Kanalisation bis hin zu einem sterilen Labor ist alles dabei – während er versucht, dem Grauen zu entfliehen und nach Hause zu seiner schwangeren Freundin zu kommen.

In «Resident Evil» folgen wir bewusst keinem der bekannten Game-Protagonisten, denn laut Cregger wollte er das Gefühl erzeugen, wie es für einen Nobody – also jemandem wie dich und mich – wäre, in diesem Horror gefangen zu sein. Und das gelingt ihm über weite Strecken sehr gut. Bryans tollpatschiger Charakter ist als Anti-Held mit so ziemlich jeder Situation gnadenlos überfordert und bleibt das auch bis zum saublutigen Schluss.

Ja, die Anhalterin hätte Bryan besser nicht mitgenommen.
Ja, die Anhalterin hätte Bryan besser nicht mitgenommen. I Bild: Sony Pictures

Es ist «Resident Evil», aber…

Cregger liefert seine eigene Interpretation der Spielwelt ab und fängt dabei die Panik, den Ekel und den Irrsinn gut ein, die ich beim Spielen verspüre. Dazu kommen ein paar geile POV-Shots und eine Tonne Easter Eggs. Von denen zünden ehrlicherweise nicht alle, aber sie sind grösstenteils gelungener Fanservice, die dezent genug sind, um Nicht-Spielerinnen nicht zu irritieren.

Brauche ich eine 1:1-Adaption des Games? Nein. Dann könnte ich nämlich einfach das Spiel schauen. Oder ein Let's Play. Und das wäre wohl in etwa so spannend wie Vokabeln büffeln mit Nemesis.

Fühlt sich der Film aber wie «Resident Evil» an? Irgendwie ja, aber irgendwie auch nicht. Einigen Fans dürften die Querverweise zu den Games vermutlich zu wenig sein, ich fand es erfrischend. Ein panischer Typ, der ein Haus auf den Kopf stellt, um Munition für die Schrotflinte zu suchen, und regelmässig von mit Schlössern verriegelten Türen aufgehalten wird, fühlt sich nach mehr «Resident Evil» an als Milla Jovovich, die mit telekinetischen Superkräften Gebäudefassaden runterrennt.

Resident Evil: Warum der Zombie-Guru am Kinofilm scheiterte
Constantin Film verwarf das Drehbuch zur Game-Adaption. Eine Doku beleuchtet die Hintergründe des gescheiterten Filmprojekts.

Es ist grundsätzlich löblich, dass man keinerlei Vorwissen braucht, um dem Film folgen zu können. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Geschichte sehr dünn ist. Im Grunde genommen ist «Resident Evil» eine 90 Minuten lange Hetzjagd in Echtzeit, bei der wir einem armen Kerl folgen, der diesen Albtraum einfach nur überleben möchte – und dabei immer tiefer ins Chaos stürzt.

Mich hat der Aufbau stellenweise positiv an «Mad Max: Fury Road» erinnert. Auch dieser Film setzt auf einen minimalen Plot, haut aber über seine ganze Laufzeit derart auf die Kacke, dass man mit einem breiten Grinsen wieder aus dem Saal läuft.

Das stört mich am Film

Also alles tipptopp mit «Resident Evil»? Nein. Denn Creggers Film hat für mich drei Schwachpunkte. Zum einen ist da die Fäkalsprache. Ich bin weiss Gott kein prüdes Kind, aber wenn drei Viertel von Austin Abrams' Text aus «fuck», «fucking», «shit» und «fucking shit» bestehen, geht mir das irgendwann auf den Keks.

Natürlich darf in «Resident Evil» ein Abstecher in die Kanalisation nicht fehlen.
Natürlich darf in «Resident Evil» ein Abstecher in die Kanalisation nicht fehlen. I Bild: Sony Pictures

Hinzu kommt, dass Cregger das gorelastige Grauen immer wieder mit Humor auflockert. Dass das funktioniert, hat er mit «Weapons» bewiesen. Bei «Resident Evil» ist es zuviel des Gutes – obwohl Cregger den Humoranteil nach eigenen Aussagen vor Release noch runtergeschraubt hat. Auch wenn Abrams und Cregger viele tolle und witzige Momente geschaffen haben, hat die Balance zwischen Horror und Komödie für mich in der zweiten Hälfte nicht mehr gepasst.

Und dann wäre da noch das Ende. Ohne zu spoilern, aber: Für mich eine Spur zu abrupt. Gerade als ich dachte, jetzt kommt noch was Grosses, zack, Abspann. Es passt zum Stil und Aufbau des Films und bringt Bryans Reise auch zu einem sinnvollen Ende, fühlte sich für mich aber etwas unfertig an.

Lohnt sich's?

Dennoch ist «Resident Evil» die bislang beste Verfilmung der Reihe – keine besonders grosse Hürde, ich weiss – und ein richtig kurzweiliger und ekliger Horrorfilm. Insofern hoffe ich, dass die Leute, darunter auch die ewig nörgelnden Zweifler, ihre Hinterteile ins Kino bewegen.

Wer weiss, vielleicht ändert Cregger bei genug Box Office auch seine Meinung und beschert uns noch einen zweiten Film im «Resident Evil»-Universum. Jüngst gab er nämlich an, nach diesem Abstecher in die Welt der Franchise-Filme genug zu haben (mehr dazu hier). Ich fände es schade, denn «Resident Evil» macht Bock auf einen blutigen Nachschlag.

Weitere Filmkritiken:

«The End of Oak Street» Kritik: Die Überraschung des Sommers
«The End of Oak Street» liefert viel Dinoaction mit Starbesetzung. Ob der Film was taugt, liest du in meiner Filmkritik.