Ich freu mich, ich freu mich nicht, ich freu mich, ich freu mich nicht…
Ich freu mich, ich freu mich nicht, ich freu mich, ich freu mich nicht… (Bild: Rockstar Games)
Hintergrund Gaming PlayStation 5

«Grand Theft Auto 6» geht mir jetzt schon auf die Nerven

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Gleich vorneweg: Ja, ich freu mich auch auf das Spiel und ja, ich werde es selbstverständlich zeitnah nach Release kaufen. Trotzdem muss ich kurz meinen Frust loswerden.

Denn das ganze Tamtam und vieles, wofür «Grand Theft Auto 6» steht, geht mir gerade gehörig auf den Wecker. Das sind teilweise Lappalien. Wie etwa die Tatsache, dass mir Sony das Spiel förmlich ins Gesicht schlägt, wenn ich die PlayStation 5 starte.

Man kann's vorbestellen, ich hab's begriffen!

Die App, der Hintergrund bei der Konsole, die Bannerwerbung – ich kann mich an kein Spiel erinnern, nicht einmal ein Sony-Exklusivtitel – bei dem mir diese Menge an Werbung für ein Spiel vor den Latz geknallt wurde.

Da hat Sony wohl ordentlich Kohle liegen lassen, um sich den Claim «Plays best on PS5» zu sichern. Danke, ich hab jetzt begriffen, dass man das Spiel vorbestellen kann. Alle Welt schreibt darüber. Von Tech-Blogs bis zu Omas Häkelzeitschrift. Ich brauch keine Erinnerung in gefühlt jedem verdammten Untermenü der Konsole!

Ein Präzedenzfall für allerlei Industrie-Schabernack

Nebst solch vernachlässigbaren Ärgerlichkeiten gibt es aber auch gewichtige Gründe, warum mich «GTA 6» noch vor dem Release nervt. Millionen von Spielerinnen und Spielern wollen «GTA 6» spielen. Und Rockstar weiss das. Die Branche weiss das. Und deshalb ist das auch eine hervorragende Gelegenheit, Dinge auszuprobieren, die moralisch … bestenfalls fragwürdig sind.

Da ist zum Beispiel das Thema mit den verschiedenen Editionen. In der Produktbeschreibung von Rockstar wird deutlich: Käufer der «Ultimate-Edition» kriegen nicht nur ein paar kosmetische Gegenstände mehr, sondern ganze Ingame-Shops.

Zwei-Klassen-Spiel?

Konkret zwei Tuning-Geschäfte, ein Friseursalon und ein Kleidungsgeschäft. Vier Läden, die man als Besitzer der «Standard»-Edition nicht nutzen kann. Gemäss Beschrieb im PSN «nur geöffnet für Kunden mit der Ultimate Edition». Noch ist unklar, ob Besitzer der Standart-Fassung den Zugang zu diesen Shops gegen Echtgeld freischalten können.

Klar, kann man jetzt sagen: Vorbesteller-Boni gibt es schon lange. Richtig. Aber selten wurde die FOMO so dreist gefüttert wie hier. Auf mich macht das den Eindruck, als würde man Käufern indirekt sagen: «Nur mit der teureren Version kriegst du auch das ganze Spiel.»

Es geht mir nicht darum, dass «GTA 6» je nach Edition 100 Franken kosten wird. Für den Umfang, den das Ding bieten wird, bin ich problemlos bereit, das zu bezahlen (Heutige Spiele sind im Vergleich zu früher sowieso günstiger. Ich kann mich noch erinnern, dass ich damals für normale PS1-Spiele 90 Stutz hinblättern musste.) Ich finde es aber verwerflich, dass ein Spiel für den grösstmöglichen Profit bewusst fragmentiert wird.

Eine physische Edition voller Luft

Dass die physische Ausgabe von «GTA 6» nur eine leere Hülle mit Download-Code sein wird, hat Rockstar einige Sympathien gekostet. Die Argumentation dahinter, damit gegen Spoiler oder Raubkopien vorgehen zu wollen, ist in etwa so dünn wie einlagiges Toilettenpapier.

Denn dass mit einem Download-Zwang der komplette Tauschmarkt, Zweithandel und Ausleihfaktor flöten geht, dürfte bei dem Entschluss sicher eine Rolle gespielt haben. Zumal so die ganze Spielerschaft der Laune des Publishers ausgeliefert ist.

Musiklizenzen laufen aus? Kein Problem, die Songs werden aus dem Spiel gepatcht (so geschehen bei der «Grand Theft Auto: Definitive Edition»). Inhalte sollen entfernt oder abgeändert werden? Ebenfalls kein Problem mehr. Oh, wir haben keine Lust mehr, das Spiel zu betreiben und stellen jetzt die Server ab? Pech gehabt (wird hier bei «GTA 6» nicht passieren, kam aber schon vor. Siehe «Concord» oder «Highguard»)

Allerdings steht Rockstar mit dem Digital-only-Kurs nicht alleine da. Im Gegenteil. «GTA 6» ist ein erstes Anzeichen für einen Kurswechsel, den Sony jüngst publik gemacht hat. Ab Januar 2028 stellt das Unternehmen die Produktion von jeglichen Game-Discs ein. Ende einer Ära. Aus, fertig, basta. Vorhang. Somit sind wir leider da angekommen, wo die PC-Fraktion schon seit Jahren ist.

PlayStation killt die Disc: Bald gibt es Games nur noch digital
Ab 2028 produziert Sony keine physischen Spiele mehr. Die Disc is tot. Und damit die Tür offen für digitale Willkür der Grosskonzerne.

Die Marktmacht von einem Titel

«GTA 6» wird das Spiel einer Generation und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass der Titel Rekorde bis zum Saturn und zurück brechen wird. Gönn ich dem Team von Rockstar. Wirklich.

Dass aber fast alle anderen Publisher davor kuschen, auch nur in der Nähe des Releasezeitraums ein Spiel auf den Markt zu bringen, bringt für mich zwei Probleme. Erstens kommen jetzt gefühlt alle anderen Games im Herbst. Eine kleine Auswahl: «Silent Hill: Townfall», «Turok Origins», «Rayman», «Dune Awakening», «Onimusha: Way of the Sword», «Ace Combat 8», «Control Resonant» – alle erscheinen in einem Zeitraum von rund einem Monat.

Eine perfekte Repräsentation meiner Laune, wenn das Internet nach Release steil geht.
Eine perfekte Repräsentation meiner Laune, wenn das Internet nach Release steil geht. (Bild: Rockstar Games)

Es geht mir hier nicht um mein Bankkonto, das einen herben Rückschlag erleiden wird. Es geht darum, dass sich so viele Titel wohl selbst kannibalisieren werden. Selbst wenn sie aus unterschiedlichen Genres stammen. Die Zeiten, in denen Spielerinnen und Spieler bedenkenlos fünf Vollpreistitel in einem Monat kaufen konnten, sind vorbei.

Das Ergebnis dieses Release-Staus? Schwache Verkaufszahlen zum Start. In einem Wirtschaftsklima, in dem Studios unangenehm regelmässig geschlossen und Spiele eingestampft werden, könnte das sehr gefährlich werden.

Ein Blick in die Kristallkugel

Klingt alles ziemlich düster und pessimistisch. Sorry dafür. Ich gönne allen ihren Spass mit dem Spiel und werde selbst sicher auch zahlreiche Stunden in Vice City verbringen (immerhin war «Grand Theft Auto: Vice City» ein entscheidender Teil meiner Gaming-Jugend.)

Aber wenn das Ding am 19. November rauskommt, werde ich Social Media Kanäle wohl eine Weile meiden müssen. Die ganzen Clips, Memes, Reels und «Did you know?»-Videos, die mir nach Release von «Resident Evil Requiem» schon mit der Wucht eines Tsunamis ins Gesicht gedonnert sind, waren wohl nur ein Vorgeschmack im Vergleich zu dem, was mit dem Internet nach dem 19. November passieren wird.

Was können wir tun? Tatsächlich sehr wenig. Die wenigsten werden den Titel sausen lassen, weil ihnen ein Vorbesteller-Bonus nicht passt. Oder die physische Edition des Spiels nur aus einer leeren Hülle und einem Stück Papier besteht. Viele Internet-Rambos kommentieren zwar schon eifrig, dass sie das Game boykottieren.

Aber seien wir ehrlich: Die wenigsten ziehen es dann auch wirklich durch. Niemand will die Pappnase sein, die einen leeren Bildschirm anguckt, während der halbe Planet über dieses eine Spiel spricht.

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