An der Stelle in «Dino Crisis» dürfte so mancher Teenager laut aufgeschrien haben.
An der Stelle in «Dino Crisis» dürfte so mancher Teenager laut aufgeschrien haben. (Bild: Screenshot / Capcom)
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Capcom, wo bleibt das «Dino Crisis»-Remake?

Chris Bucher
Chris Bucher

Während Capcom Remake um Remake veröffentlicht und Horror-Games so erfolgreich sind wie seit Jahren nicht mehr, bleibt eine Kultreihe verschwunden: «Dino Crisis». Warum? Eine Spurensuche.

Die drei Stützpfeiler der Dinospiele

Denkt man an Dinosaurier im Game-Bereich, fallen in der Regel drei Namen: «Turok», «Jurassic World» und eben «Dino Crisis» aus dem Hause Capcom.

Ersteres geht auf einen Ego-Shooter für den N64 zurück, der 1997 das Licht der Welt erblickte und den Krieger Turok in eine Welt voller Dinosaurier, Söldner, Echsenmenschen und anderem Getier warf. Nach mehreren Fortsetzungen und einem umstrittenen Reboot im Jahr 2008 wurde es ruhig um die Reihe. Mit «Turok Origins» ist ein weiteres Reboot geplant, das noch diesen Herbst erscheinen soll.

Mit aktuell drei Teilen der «Jurassic World Evolution»-Reihe bedient Frontier Developments alle Fans von Aufbau- und Parkmanager-Simulationen und nutzt dabei die zugkräftige «Jurassic»-Marke. Ins Genre des Survival Horrors soll hingegen das angekündigte «Jurassic Park Survival» zählen, dessen Release aber noch eine ganze Weile entfernt ist.

Eine Reihe verliert ihre Identität

Das Stichwort «Survival Horror» bringt uns auch gleich zum letzten Kandidaten: «Dino Crisis». 1999 von «Resident Evil»-Mastermind Shinji Mikami als Weiterentwicklung des Survival-Horrors erdacht, versetzte «Dino Crisis» die Spielerschaft in die Haut der Spezialagentin Regina, die mit einem kleinen Team einen Wissenschaftler aus einer geheimen Forschungsanlage retten soll.

Mit äusserst begrenzten Ressourcen schlichen wir durch die Flure, wehrten uns gegen gefrässige Dinos und erlebten eine Story über missglückte Experimente und Verrat.

«Dino Crisis 2» brachte Regina und Co-Soldat Dylan direkt in die Kreidezeit auf eine weitere Rettungsmission. Mehr Dinos, mehr Location und ein Fokus auf Action sorgten zwar für ein anderes Spielerlebnis, aber für eines mit enormer Sog- und Spasswirkung.

Es folgte mit «Dino Stalker» ein Lightgun-Shooter und 2003 «Dino Crisis 3» als Sci-Fi-Shooter, der exklusiv auf der Xbox landete – und schwer floppte. Zu sehr hat sich die Reihe mit ihrem Weltallsetting vom ursprünglichen Look & Feel entfernt – und bot kritisch gesehen nicht einmal Dinosaurier, sondern Alien-Parasiten, die wie monströse Dinomutanten aussahen. Dass die einstige PlayStation-Marke exklusiv auf der Konkurrenzkonsole Xbox landete, dürfte ebenfalls für die lauwarme Rezeption des Titels geführt haben.

Seit dem kommerziellen Absturz von «Dino Crisis 3» ist es ruhig um die Marke geworden.

Dinospiele leben!

Wer in den Tiefen des PlayStation- oder Steam-Stores gräbt, findet durchaus die grösseren und kleineren Dinogames, meist aus den Werkstätten von kleinen und kleinsten Indie-Studios.

Und nicht wenige davon bedienen sich klar der «Dino Crisis»-Formel – teils mit bescheidenem Erfolg. Da wäre etwa die Gurke «Code Violet», von dem trotz unterirdischen Review-Wertungen eine Fortsetzung kommen wird. Oder «Fossil Fuel» und «Dinobreak».

Wir sehen also: Dino-Games sind nicht tot. Aber wie im Kino hält auch hier die «Jurassic World»-Franchise die Fahne hoch. Ansonsten sind die Urzeitechsen mehrheitlich zu Budget-Ware verdonnert. Dabei erlebten und erleben einige einst beliebte Marken in den kommenden Monaten und Jahren ein Revival. Nur eine glänzt durch Abwesenheit: «Dino Crisis».

Das ist in meinen Augen unverständlich. Aus drei Gründen.

Grund 1: Die Remake-Nostalgie funktioniert

Wie kaum ein anderes Entwicklerstudio steht Capcom derzeit für die Zugkraft von Remakes. Vor allem die Hauptmarke «Resident Evil» wird hier fleissig bedient. So hat das Remake von «Resident Evil 2» gezeigt, wie gut ältere Titel heute neu aufgelegt werden können.

Was folgte, waren Remakes von «Resident Evil 3», «Resident Evil 4» und vor wenigen Tagen wurde das Remake von «Resident Evil Veronica» angekündigt (mehr dazu hier). Zudem soll in den kommenden Jahren ein weiteres Remake des Ur-Originals kommen.

Aber auch die hauseigene Franchise «Onimusha» wird im kommenden September nach langer Abstinenz zu neuem Leben erweckt. Nur «Dino Crisis» scheint Capcom nicht auf dem Schirm zu haben. Dabei sind mittlerweile genug Jahre ins Land gestrichen, um den missglückten dritten Teil zu verzeihen, mit dem Capcom die Reihe anno 2003 mit einem Jetpack am Rücken gegen die Wand geklatscht hat.

Grund 2: Das Horrorgenre boomt

Ob auf der Kinoleinwand oder auf den Spielkonsolen: Horror räumt ab. Seien es Jumpscare-lastige Spiele wie die «Five Nights at Freddies»-Reihe, die sich perfekt für Streaming-Reactions eignen oder grosse Titel wie «Silent Hill 2» (auch ein Remake, übrigens), «Alan Wake 2» und das frisch angekündigte «Alien Isolation 2»: Wir Gamer lieben es, uns zu gruseln.

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Das zeigen auch Verkaufszahlen. Capcoms «Resident Evil 9: Requiem» hat sich gemäss einer News von «IGN» von Mitte April seit Release Ende Februar schon über sieben Millionen mal verkauft. Mittlerweile dürfte diese Zahl noch höher liegen. Andere Teile der Reihe gingen ebenfalls weg wie warme Semmeln. «Resident Evil 2» (Release: 2019) liegt etwa bei 18,3 Millionen verkauften Einheiten. «Resident Evil Village» (Release: 2021) bei 14 Millionen Einheiten.

Zugegeben, genau genommen bewegt sich nur der erste Teil der Reihe im Horror-Genre. Trotzdem: Es wäre ein perfekter Zeitpunkt, um die Reihe zurück in die Gegenwart zu holen. Als ich Teil 1 vor wenigen Monaten nach aller der Zeit wieder einmal gespielt habe, ging mir mehrfach der Gedanke durch den Kopf, wie gut das Spiel gealtert ist – und wie grandios das mit aktueller Technik aussehen könnte.

Grund 3: Dinosaurier sind einzigartige Gegner

Unzählige Games haben uns gegen Zombies kämpfen lassen. Mit jeweils ähnlichen Mustern. Urzeitviecher bieten aber eine ganze Palette an möglichen Gegnern.

Schnelle und intelligente Raptoren für nervenaufreibende Hetzjagden, Flugsaurier, die unverhofft aus dem Himmel auf ihre Beute herabstossen oder gewaltige Fleischfresser wie Spinosaurus, die uns sogar im Wasser und an Land auf die Pelle rücken können.

Kaum ein anderer Gegnertyp vereint Geschwindigkeit, Grösse, Intelligenz und rohe Gewalt auf so unterschiedliche Weise wie Saurier.

Warum Capcom zögert

Aber warum behandelt Capcom die eigene Marke derart steifmütterlich? Das wissen wohl nur die Damen und Herren der Teppichetage selber. Serienschöpfer Shinji Mikami äusserte sich gegenüber verschiedenen Medien, dass er selbst wenig Chancen auf ein Revival sieht. Weil sich «Dino Crisis» mit der anderen grossen und äusserst erfolgreichen Capcom-Marke «Monster Hunter» kannibalisieren würde.

Eine Einschätzung, die zu kurz greift. Ja, «Monster Hunter» bietet teils dinoähnliche Viecher, ist aber als knallbunter Multiplayer-Grind-Titel ein komplett anderes Spielerlebnis mit anderer Zielgruppe. Ginge es nach dem Argument, hätte Capcom «Dead Rising» nie fortführen dürfen, weil sich die Reihe ja sonst mit «Resident Evil» messen müsste. Geht ja in beiden um Zombies.

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Abwarten und Tee trinken

Was können wir also tun? Tatsächlich nicht viel. Dass die Marke beliebt ist – und Dinosaurier nach wie vor Zugkraft haben – dürfte Capcom bekannt sein. Genug Gamerinnen und Gamer haben «Dino Crisis» in den Kommentarspalten diverser Social-Media-Posts herbeigesehnt.

PlayStation-Spielern hat man bisher nicht einmal «Dino Crisis 2» gegönnt. Während Teil 1 vor einer Weile im PSN gelandet ist (Danke dafür!), fehlt vom Sequel bislang jede Spur. Was wenig Sinn ergibt, weil beide Teile jüngst bei GOG auf dem PC gelandet sind.

Bis es zu einem allfälligen Revival von «Dino Crisis» kommt, können wir also nur warten und hoffen. Und uns die Zeit mit anderen Dino-Games vertreiben, die für «Dino Crisis» in die Bresche springen. Wie etwa «The Lost Wild», das jüngst an der State of Play für PlayStation 5 angekündigt wurde und zumindest im Trailer schon einmal einen tollen Eindruck macht.

Und wer weiss? Vielleicht arbeitet Capcom hinter verschlossenen Türen doch bereits an einem Remake und quält uns einfach noch ein wenig.