Godzilla ist wieder da. Und er ist immer noch hässig.
Godzilla ist wieder da. Und er ist immer noch hässig. | Bild: Toho
Review Kino Unterhaltung

«Godzilla Minus Zero»-Filmkritik: Monstergaudi mit Längen

Godzilla ist zurück und eine Wucht. Warum «Minus Zero» trotzdem nicht ganz an «Minus One» herankommt, liest du in meiner Kritik.

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Ich habe «Godzilla Minus Zero» im Kino gesehen und bin mit klingelnden Ohren und einem breiten Grinsen rausgekommen aber auch einigen Kritikpunkten. Hier meine spoilerfreie Kritik für alle, die noch überlegen, ob sich der Kinoeintritt lohnt.

Erinnern wir uns kurz: 2023 kam aus Japan ein Godzilla-Film, bei dem kaum jemand gerechnet hatte, dass der so durch die Decke ging. «Godzilla Minus One» von Regisseur Takashi Yamazaki war Kriegsdrama und Monsterfilm in einem, wurde von Kritik und Publikum gefeiert und holte sich den Oscar für die besten visuellen Effekte.

Für einen Film mit einem mutmasslichen Budget von rund 10 Millionen Franken ist das eine ziemliche Ansage. Als Vergleich, eine Schweizer Tatort-Folge kostet rund 2,2 Millionen Franken.

Entsprechend gross war die Spannung, als Yamazaki die Fortsetzung ankündigte. Die ersten Kritiken fielen ziemlich euphorisch aus, waren sich aber nicht in allen Punkten einig.

Worum geht's?

«Godzilla Minus Zero» spielt im Jahr 1949, zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils. Ryûnosuke Kamiki und Minami Hamabe kehren als Kôichi Shikishima und Noriko Ôishi zurück, und mit ihnen etliche weitere bekannte Gesichter.

Die Shikishima-Familie ist nach wie vor der emotionale Ankerpunkt von «Godzilla Minus Zero». | Bild: Toho

Japan ist noch immer mit dem Wiederaufbau beschäftigt, als eine neue Gefahr auftaucht und für Tod und Zerstörung sorgt. Nun liegt es an unserer Heldentruppe, eine Lösung zu suchen. Und in diese Pläne mischt sich dann noch ein bekanntes Gesicht ein: Godzilla. Der Atomlurch ist diesmal nicht das einzige Ungetüm. Wie schon der zweite Trailer angedeutet hat, gibt es in diesem Film ein weiteres Monster. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht.

Grosses Monster, kleine Schwächen

Fangen wir mit dem an, weswegen die meisten von uns ein Ticket lösen: Godzilla. Und der ist auch in diesem Film eine Wucht. Die Monstereffekte sind fantastisch gelungen, und obwohl die Riesenechse eine eher überschaubare Screentime hat, sitzt jeder ihrer Auftritte.

Die Zerstörungsszenen sind richtig fett inszeniert, und das wuchtige Sounddesign macht sie zu einem Fest für die Ohren. Wenn Godzilla brüllt, vibriert der Kinosessel gleich mit.

Wenn es um Zerstörung geht, macht der Film keine Gefangenen. | Bild: Toho

Umso mehr irritiert es, dass derselbe Film an anderer Stelle mit erschreckend offensichtlichen Greenscreen-Aufnahmen daherkommt. Vor allem die Motorradfahrten wirken, als stammten sie aus einem Bond-Film der 60er-Jahre mit der Rückprojektion im Hintergrund.

Das hat mich jeweils unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und daran erinnert, wie begrenzt das Budget für diesen Film eigentlich ist. Schade, denn bei den grossen Setpieces sieht man davon rein gar nichts.

Der Fluch eines Ensembles

Erzählerisch macht es einem «Godzilla Minus Zero» zunächst leicht. Die Geschichte setzt relativ nahtlos am ersten Teil an, und ich war schnell wieder drin in Takashi Yamazakis Godzilla-Universum. Es hilft allerdings, «Godzilla Minus One» noch einigermassen präsent zu haben, denn der Film verschwendet trotz einer Lauflänge von 135 Minuten kaum Zeit damit, Altes noch einmal aufzuwärmen.

Wofür er die Zeit stattdessen nutzt? Für sein Ensemble. War Teil eins vor allem ein Charakterporträt der zusammengewürfelten Familie Shikishima, holt «Godzilla Minus Zero» viele bekannte Gesichter zurück und gibt ihnen mehr Gewicht. Etwa Hidetaka Yoshioka als sympathischer Regierungsbeamter Kenji Noda.

Hidetaka Yoshioka schlüpft in «Godzilla Minus Zero» erneut in die Rolle des Kenji Noda.
Hidetaka Yoshioka schlüpft in «Godzilla Minus Zero» erneut in die Rolle des Kenji Noda. | Bild: Toho

Besonders spannend fand ich allerdings Min Tanaka in einer neuen Rolle als Professor Murakami, der mit Godzilla ganz eigene Pläne verfolgt. Protagonist Shikishima gerät dadurch etwas ins Hintertreffen, was mich allerdings nicht gestört hat. Ich fand seine Figur schon im ersten Teil eher blass.

Mit so vielen Figuren kommen allerdings auch viele Handlungsstränge, und die bringt der Film nicht alle schlüssig zu Ende. Manches wirkt unfertig, anderes sprunghaft. Dazu kommen immer wieder längere Strecken, in denen der Flow der Geschichte ins Stocken gerät und das Tempo arg gebremst wird. Die 135 Minuten spürt man, und das ist nicht immer gut. Insgesamt wirkt «Godzilla Minus Zero» für mich weniger rund als sein Vorgänger.

Eine Prise zu viel Pathos

Was die Tonalität des Films angeht, bleibt sich Yamazaki treu. Der sehr reduzierte Score von Naoki Sato ist einmal mehr grossartig und versprüht wie schon im ersten Teil einen beklemmenden Mix aus Melancholie, Bedrohung und Epik.

Auch der Bezug zu historischen Ereignissen während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist wieder da, hier noch deutlich ausgeprägter und US-kritischer als im Erstling. Die japanische Perspektive ist eine willkommene Abwechslung zum westlichen Blick, den man aus Hollywood gewohnt ist.

Spannender Neuzugang: Min Tanaka als von der Vergangenheit geplagter Professor Murakami.
Spannender Neuzugang: Min Tanaka als von der Vergangenheit geplagter Professor Murakami. | Bild: Toho

Nur übertreibt es der Film manchmal mit dem Gefühl. In einigen Momenten versinkt er regelrecht in Kitsch und Pathos. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Mein Fazit

«Godzilla Minus Zero» ist eine gelungene und starke Fortsetzung zu «Godzilla Minus One», die stellenweise etwas unrund wirkt. Der Film hat ein paar wahrlich beeindruckende «Hell, yeah!»-Momente, bei denen ich am liebsten im Kinosaal mitgejubelt hätte. Er hat aber auch Passagen, die sich ganz schön in die Länge ziehen.

Unterm Strich überwiegt aber klar das Positive. Alleine schon Godzilla mit Akira Ifukubes ikonischem Musikthema auf der grossen Leinwand wüten zu sehen, ist den Kinoeintritt wert. Und genau dort gehört dieser Film hin: auf die grösstmögliche Leinwand, mit der lautesten Anlage, die ihr finden könnt. Zur Sicherheit solltet ihr noch Ohrstöpsel einpacken.

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