Ende Oktober hat Volkswagen mit Vega ein Technikpaket vorgestellt, das der Konzern in erster Linie für den chinesischen Markt entwickelt hat. Bemerkenswert war auf der Pressekonferenz allerdings der Zusatz «In China, and beyond»: VW will Teile des Pakets auch ausserhalb Chinas einsetzen. Konkret sollen die Fahrzeugplattform CMP und die Elektronikarchitektur CEA bis Ende des Jahrzehnts zunächst in Südamerika zum Einsatz kommen.
Die Ankündigung gibt den Spekulationen über einen Einsatz der China-Technik in Europa neuen Auftrieb. Schon länger heisst es, Volkswagen ziehe in Betracht, zumindest einzelne Bausteine von Vega in europäische Modelle einfliessen zu lassen. Der mögliche Vorteil liegt auf der Hand: Die Technik ist bereits entwickelt und leistungsfähig. Könnte VW darauf aufbauen, statt Lösungen eigens für Europa zu entwickeln, liessen sich Entwicklungskosten sparen.
Was ist Vega überhaupt?
Unter dem Namen Vega bündelt VW drei Technologien, die der Konzern vor allem für den chinesischen Markt entwickelt hat: die Fahrzeugplattformen CMP und CSP, die gemeinsam mit Xpeng entwickelte Elektronikarchitektur CEA und Fahrassistenzsysteme. Während CMP und CSP die technische Basis der Fahrzeuge bilden, vernetzt die CEA deren elektronische Systeme und ermöglicht drahtlose Softwareupdates («over the air»).
Was ist mit der SSP-Plattform und Rivian?
Wie die Automobilwoche berichtet, diskutiert Volkswagen intern darüber, einzelne Bausteine der in China entwickelten Technik in die künftige SSP-Plattform einfliessen zu lassen. Eine vollständige Übernahme des Vega-Pakets steht demnach nicht zur Debatte. Welche Komponenten VW übernehmen könnte und wie weit die Integration gehen soll, ist intern offenbar aber noch umstritten.
Volkswagen hat mit dem US-Autobauer Rivian ein kostspieliges Joint Venture gegründet, um gemeinsam eine neue Elektronikarchitektur und die dazugehörige Fahrzeugsoftware zu entwickeln. Zuletzt kursierten Berichte, wonach VW die gemeinsam entwickelte Technik künftig vor allem in teureren Premiummodellen einsetzen könnte. Für günstigere Fahrzeuge käme demnach die in China entwickelte Elektronikarchitektur infrage.
Rivian widersprach den Berichten und erklärte, der gemeinsame Fahrplan bleibe unverändert. Das schliesst allerdings nicht aus, dass Volkswagen intern weitere Optionen prüft. Ob und in welchem Umfang Rivian in solche Überlegungen eingebunden ist, bleibt offen.