Mit einem Elektroauto in die Ferien zu reisen, gehört bei mir mittlerweile schon fast zur Tradition. Vor zwei Jahren ging es zusammen mit meiner Familie mit dem Nissan Ariya Evolve nach Südfrankreich an die wunderschöne Côte d’Azur. Im vergangenen Jahr haben wir mit dem Polestar 4 eine noch längere Strecke bis nach Cambrils in Spanien in Angriff genommen. Da die Reise mit dem Elektroauto in den letzten Jahren grösstenteils problemlos funktioniert hat, wollten wir es dieses Jahr erneut wissen.
Gesagt, getan: Mit dem Premium-SUV Zeekr 7X AWD Privilege, den Zeekr uns freundlicherweise für die Reise zur Verfügung gestellt hat, ging es Anfang Juli nach Peñíscola in Spanien.Von Frauenkappelen bei Bern in der Schweiz aus gerechnet, legen wir dabei eine Gesamtstrecke von 1148 Kilometern zurück. Pro Weg, versteht sich. Da mich meine Familie auf diesem Roadtrip mit anschliessenden Strandferien begleitet hat, legten wir jeweils einen Zwischenstopp in Frankreich ein und übernachteten dort.
Zeekr 7X Privilege: Das Wichtigste auf einen Blick
- Antrieb / Leistung: Allrad (AWD), 470 kW (646 PS), 710 Nm
- Beschleunigung / Spitzengeschwindigkeit: 3,8 Sek von 0 auf 100 km/h / 210 km/h
- Batterie: 100 kWh NMC (Netto)
- Spannungssystem: 800-Volt
- Ladeleistung: bis zu 480 kW (DC) / 22 kW (AC)
- WLTP-Reichweite / Verbrauch: 543 km / 19,9 kWh auf 100 km
- Länge / Höhe: 4,79 m / 1,65 m
- Preis: ab CHF 64'990.–
Der Zeekr 7X in der Privilege-Ausführung beeindruckt nicht nur mit einer Systemleistung von 470 kW (646 PS) und einem maximalen Drehmoment von 710 Nm, sondern auch mit einer DC-Schnellladeleistung von bis zu 480 kW. Besonders letzteres macht den Zeekr 7X auch für Langstrecken attraktiv, da sich die Ladezeiten kurz halten. In anderen Worten: In nur 16 Minuten lässt sich die 100-kWh-Batterie von 10 auf 80 Prozent aufladen.
Damit der Zeekr 7X seine maximale Ladeleistung überhaupt ausschöpfen kann, ist allerdings eine entsprechend leistungsfähige Schnellladestation erforderlich. Und machen wir uns nichts vor: DC-Schnellladestationen mit mehr als 350 kW sind derzeit noch eine Seltenheit. Auf unserem Roadtrip habe ich jedenfalls keine angetroffen – weder in Frankreich noch in Spanien. Immerhin sind aber in beiden Ländern oftmals Ladestationen mit bis zu 350 kW anzutreffen.

Unser Roadtrip nach Spanien - diese Ladestopps haben wir gemacht
Für den 7X gibt Zeekr eine WLTP-Reichweite von 543 Kilometern bei einem Verbrauch von 19,9 kWh/100 km an. Das kommt auch auf der Autobahn ungefähr hin. Bei unserem Roadtrip von Spanien in die Schweiz und zurück zeigte der Bordcomputer einen durchschnittlichen Verbrauch von 20,7 kWh/100 km an. Damit liegt der Wert nur geringfügig über dem von Zeekr angegebenen Wert.

Mit einer fast vollgeladener Batterie (99%) sind wir von Frauenkappelen los gefahren. Folgende Ladestopps haben wir am ersten Tag eingelegt:
- Frauenkappelen -> Aire de Porte de la Drôme (370 km, Engie Vianeo)
Verbrauch: 19,5 kWh/100 km | Restakku: 26% | Ladevorgang: 25 Minuten bis 96% | Kosten: ca. 44 Franken (0,626 Cent pro kWh) - Aire de Porte de la Drôme -> Aire d'Ambrussum Nord (210 km, Fastned)
Verbrauch: 19,9 kWh/100 km | Restakku: 56% | Ladevorgang: 20 Minuten bis 97% | Kosten: ca. 17.60 Franken (0,43 Cent pro kWh mit Gold-Abo) - Aire d'Ambrussum Nord -> Argelès-sur-Mer (205 km, Electra)
Verbrauch: 20,9 kWh/100 km | Restakku: 52% | Ladevorgang: 21 Minuten bis 96% | Kosten: ca. 13.40 Franken (0,29 Cent pro kWh mit Electa+ Smart Abo)
Am ersten Tag haben wir somit insgesamt für eine Distanz von 785 Kilometern ein Betrag von 75 Franken für alle drei Ladevorgänge ausgegeben. Ins Gewicht fällt hier vor allem der relativ hohe Ladepreis von 0,626 Franken bei unserem ersten Ladestopp. Bei den weiteren Ladestopps hatten wir jeweils ein kostenpflichtiges Abo aktiv, was dann auch den Preis stark gesenkt hat. Besonders bei längeren Fahrten können sich die Abos durchaus lohnen.
- Argelès-sur-Mer -> Torredembarra Spanien (235 km, IONITY)
Verbrauch: 19.6 kWh/100 km | Restakku: 49% | Ladevorgang: 13 Minuten bis 92% | Kosten: ca. 22.69 Franken (0,29 Cent pro kWh mit Electa+ Smart Abo)
Noch ein paar Worte zu den Ladevorgängen deutlich über 80 Prozent. Normalerweise lade ich an Schnellladestationen nur bis knapp über diese Marke, denn ab etwa 80 Prozent reduzieren die meisten Elektroautos die Ladeleistung deutlich. Das längere Warten lohnt sich daher in vielen Fällen nicht.




Unsere vier Ladestopps auf dem Weg nach Spanien in Bildern | Galerie: vybe
Warum haben wir den Zeekr 7X auf unserem Roadtrip trotzdem weiter geladen? Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hält der 7X auch zwischen 80 und knapp 95 Prozent noch eine vergleichsweise hohe Ladeleistung. Zum anderen haben wir die längeren Ladestopps bewusst mit geplanten Bio- und Verpflegungspausen verbunden. Gerade während der Hochsaison sind Toilettenanlagen und Verpflegungsmöglichkeiten an Raststätten stark frequentiert, wodurch ohnehin Wartezeiten entstehen. Letztlich hätten wir unsere Reise also nicht schneller fortsetzen können.

Für den Rückweg in die Schweiz konnten wir unser Elektroauto direkt im Hotel für 0,34 Cent pro kWh relativ günstig aufladen. Insgesamt waren vier weitere Ladestopps notwendig, bis wir nach einer Nacht Ruhepause in Uzès unser Ziel in der Schweiz erreicht haben. Die Gesamtkosten auf dem Rückweg beliefen sich auf ca. 60 Franken. Hinzu kommt dann noch jeweils der Péage auf den französischen Strassen. In Spanien haben wir für die Autopista nichts bezahlen müssen.

Wie gut ist die Ladeinfrastruktur in Frankreich und Spanien?
Gab es auf unserem Roadtrip lange Wartezeiten an den Schnellladestationen, wie sie in Videos auf sozialen Medien immer wieder dargestellt werden? Die kurze Antwort darauf: Nein. Obwohl wir mitten in der Hochsaison bis nach Spanien unterwegs waren, mussten wir glücklicherweise kein einziges Mal auf eine freie Ladestation warten. Möglich war dies vor allem dank der vorbildlichen Ladeinfrastruktur in Frankreich, wo wir die meisten Ladestopps eingelegt haben.

In Frankreich schreitet der Ausbau der Ladeinfrastruktur zumindest entlang der Touristen-Autobahnen (Route du Soleil) weiter stark voran. Eine interessante Entwicklung: In diesem Jahr sind entlang der Strecke zahlreiche neue Ladestationen hinzugekommen, die auch entsprechend auf den Autobahnschildern ausgeschildert werden. Der Ausbau konzentriert sich jedoch vielfach auf kleinere Raststätten, bei denen es keine Tankstellenshops oder gastronomische Angebote gibt.

Auf der Hin- und Rückreise mussten wir in Spanien jeweils nur einmal nachladen. Und ehrlich gesagt waren wir darüber auch ganz froh, denn die Ladeinfrastruktur fällt dort bei weitem nicht so gut aus wie in Frankreich. Das fängt bei der Beschilderung an: Ladestationen werden so gut wie nie auf den Schildern aufgeführt. Zudem gibt es nur selten Ladestationen, die direkt von der Autobahn aus erreichbar sind, ohne dass man die Route verlassen muss.
Selbst wenn es direkt an einer Raststätte entlang der Autobahn eine Lademöglichkeit gibt, stehen oft nur wenige Ladestationen bereit. An der ersten Raststätte nach der Grenze bei La Jonquera (Spanien) stehen beispielsweise lediglich zwei Schnelllader zur Verfügung, die maximal mit 120 kW laden können. Wirklich überzeugend ist das nicht – insbesondere angesichts eines Preises von 60 Cent pro kWh. Meine Empfehlung: Lieber zuvor in Südfrankreich laden und anschliessend etwas weiter in Richtung Barcelona fahren.
In der Umgebung von Girona/Barcelona gibt es inzwischen auch Schnellladestationen der Anbieter Fastned und Ionity. Zudem kann ich den spanischen Anbieter Zunder empfehlen, der ebenfalls mehrere Stationen in der Region betreibt. Allerdings liegen diese – wie bereits erwähnt – meist einige Minuten von der Autobahn bzw. Autopista entfernt.
Anbei eine kleine Auflistung der von mir persönlich getesteten und für gut befundenen Ladeanbieter in Frankreich und Spanien:
- TotalEnergies (Frankreich)
- Engie Vianeo (Frankreich)
- IONITY (Frankreich und Spanien)
- Electra (Frankreich und Spanien)
- Fastned (Frankreich und Spanien)
- Zunder (Frankreich und Spanien)

Das Fazit zu unserem vollelektrischen Roadtrip nach Spanien
Nach rund 2300 Kilometern quer durch Frankreich und Spanien steht für mich fest: Eine Ferienreise mit dem Elektroauto ist heute längst alltagstauglich. Wer seine Route im Voraus grob plant und auf zuverlässige Ladeanbieter setzt, muss sich auch auf einer Strecke von über 1'100 Kilometern pro Weg keine grossen Gedanken mehr machen. Der Zeekr 7X hat sich dabei als ausgesprochen angenehmer Langstreckenbegleiter erwiesen. Die Kombination aus hoher Reichweite, guten Verbrauchwerten für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse und kurzen Ladezeiten sorgt dafür, dass die Ladepausen kaum als Einschränkung wahrgenommen werden – insbesondere dann, wenn sie ohnehin für eine Toiletten-, Kaffee- oder Mittagspause genutzt werden.
Besonders positiv überrascht hat mich einmal mehr die Ladeinfrastruktur in Frankreich. Gegenüber den vergangenen Jahren hat sich entlang der Route du Soleil nochmals einiges getan. Neue Schnellladestandorte, mehr Ladepunkte und eine gute Verfügbarkeit sorgten dafür, dass wir selbst mitten in der Hauptreisezeit keine einzige Minute auf eine freie Ladesäule warten mussten. Spanien hat dagegen noch Aufholbedarf. Zwar verbessert sich auch dort das Angebot kontinuierlich, doch entlang der Autobahnen fehlt es vielerorts noch an leistungsfähigen und gut ausgeschilderten Schnellladestationen.
Würde ich eine Ferienreise nach Spanien erneut mit einem Elektroauto antreten? Ganz klar: Ja. Die anfängliche Reichweitenangst spielt heute kaum noch eine Rolle, sofern das Fahrzeug über eine ausreichend grosse Batterie verfügt und Schnellladen beherrscht. Mit etwas Vorbereitung gestaltet sich eine solche Reise kaum komplizierter als mit einem Verbrenner. Der Zeekr 7X hat auf unserem Roadtrip eindrucksvoll bewiesen, dass moderne Elektroautos auch auf langen Distanzen überzeugen können – komfortabel und ohne nennenswerte Einschränkungen.