Was viele nicht wissen: Hinter zahlreichen Automarken auf Europas Strassen steht inzwischen der chinesische Konzern Geely. Dazu gehören etwa Volvo, Polestar, Smart, Lotus und Zeekr. Zeekr positioniert sich als junger Hersteller von Premium-Elektroautos, die seit der Gründung im Jahr 2021 fortschrittliche Technologie und luxuriösen Komfort vereinen.
Zeekr hat sein Portfolio in der Schweiz in den letzten Monaten konsequent ausgebaut: 001, X, 7X und zuletzt 7GT sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an. Das Design kommt aus Göteborg (Schweden), die Fertigung aus China. Auf dem Papier klingt das vielversprechend, aber wie fährt sich das Ganze? Wir waren knapp zwei Wochen mit dem Elektro-SUV Zeekr 7X in der Topausführung Privilege für CHF 64'990.– unterwegs.
Zeekr 7X Privilege: Das Wichtigste auf einen Blick
- Antrieb / Leistung: Allrad (AWD), 470 kW (646 PS), 710 Nm
- Beschleunigung / Spitzengeschwindigkeit: 3,8 Sek von 0 auf 100 km/h / 210 km/h
- Batterie: 100 kWh NMC (Netto)
- Spannungssystem: 800-Volt
- Ladeleistung: bis zu 480 kW (DC) / 22 kW (AC)
- WLTP-Reichweite / Verbrauch: 543 km / 19,9 kWh auf 100 km
- Länge / Höhe: 4,79 m / 1,65 m
- Preis: ab CHF 64'990.–

Exterieur
Der 4,79 Meter lange Zeekr 7X setzt auf der Strasse optisch nicht auf Effekthascherei, sondern auf angenehme Zurückhaltung. Das spiegelt sich auch bei den angebotenen Farbvarianten Weiss, Schwarz, Grau und Dunkelgrün wider. Das auffälligste Merkmal an der Front ist die durchgehende schwarze Blende, in die eine dominante LED-Lichtleiste sowie alle Sensoren integriert sind. Zusammen mit der ebenfalls praktisch durchgehenden LED-Lichtleiste am Heck sorgt das für einen futuristischen Touch.


Galerie: vybe
Die Seitenansicht offenbart eine in die Länge gezogene Silhouette und einen Radstand von 2,90 Metern. Letzterer sorgt für ein sehr gutes Platzangebot im Innenraum. Mehr dazu im nächsten Abschnitt. Ein echter Eyecatcher sind die orangefarbenen Bremssättel mit Zeekr-Schriftzug. Die rahmenlosen Türen sowie die versenkten Türgriffe sorgen für ein modernes und aerodynamisch optimiertes Erscheinungsbild.

Interieur
Als ich den Zeekr 7X in Empfang nehmen durfte, war ich zunächst ehrlich gesagt etwas überfordert, als ich die Fahrertür öffnen wollte. Normalerweise fahren die versenkten Türgriffe automatisch aus, wenn man sich dem Fahrzeug nähert oder es über die Fernbedienung öffnet. Nicht so beim Zeekr 7X in der Privilege-Ausstattungsvariante. Denn an der B- und C-Säule gibt es einen Knopf, mit dem sich die Tür elektrisch öffnen und schliessen lässt. Da in den Türen Sensoren verbaut sind, muss man sich übrigens keine Sorgen machen, dass sie zu weit ausschlagen und etwa Bekanntschaft mit einer Wand oder einem anderen Auto machen. Ob man das braucht? Nein, eigentlich nicht, aber es sieht ziemlich cool aus und arbeitet erfreulich flott.
Die Türen lassen sich elektrisch öffnen und schliessen | Video: vybe
Sobald man auf dem Fahrersitz Platz nimmt und die Bremse betätigt, schliesst sich die Tür automatisch. Der Knopf im Innenraum muss dafür nicht erneut betätigt werden. Es gibt auch keinen Einschaltknopf, da die Elektronik bereits aktiv ist. Hinter dem Fahrersitz befindet sich ein ausreichend grosses Instrumentendisplay sowie ein Head-Up-Display, das alle relevanten Informationen anzeigt. Beide zeigen Navigationshinweise sowie andere Fahrzeuge, Lastwagen und sogar Radfahrer in der Umgebung an. Als Zentrale fungiert das grosse 16-Zoll-Touchscreen-Display mit gestochen scharfer Auflösung.

Der Innenraum überzeugt durch seine hochwertige Verarbeitung. Das zeigt sich bereits bei den Sitzen aus Nappaleder mit perfekt eingearbeiteten Kontrastnähten. Die Sitze sehen aber nicht nur gut aus, sondern sind auch sehr bequem, bieten aber nicht besonders viel Seitenhalt. Das Platzangebot ist selbst für grosse Menschen ausgezeichnet. Doch auch an Komfort soll es nicht mangeln: Der Fahrer- und Beifahrersitz verfügt über eine angenehme Massagefunktion sowie eine Sitzlüftung und -heizung. Volles Programm also.
Ein Blick in den Dachhimmel des Zeekr 7X offenbart ein grosses Panoramadach, das sich bis zu den hinteren Kopfstützen erstreckt. Ich persönlich würde mir nie wieder ein Auto ohne Panoramadach kaufen, aber das ist letztlich Geschmacksache. An heissen Sommertagen wird man das elektrische Sonnenrollo zu schätzen wissen, das sich entweder per physischer Taste oder über das Infotainmentsystem aus- und einfahren lässt.

Im Fond geht es nicht minder bequem und komfortabel zu und her. Das Platzangebot ist dank des langen Radstands auch für grössere Menschen ausgezeichnet. Mit einer Grösse von knapp 1,90 m zähle ich mich dazu. Und ja, die Bein- und Kopffreiheit ist mehr als ausreichend. Die Aussensitze verfügen über eine Sitzheizung und sind elektrisch verstellbar. Für Premium-Feeling sorgen die beiden elektrischen Sonnenschutzrollons, die bei der Ausstattungsvariante Privilege zur Serienausstattung gehören.



Der Zeekr 7X bietet insgesamt ein gutes Kofferraumvolumen + Frunk | Galerie: vybe
Mit einem Volumen von 543 Litern ist der Kofferraum für ein Auto dieser Grösse ausreichend gross. Im Unterboden gibts ein zusätzliches Staufach, etwa für das Ladekabel zu verstauen. Uns liegen jedoch keine Angaben dazu vor, wie viel Liter der Kofferraum fasst, wenn die Rückbank umgeklappt wird. Was ich aber bestätigen kann, ist, dass sich eine komplett ebene Fläche ergibt, wenn die Rückbank umgeklappt wird. Im Frunk unterhalb der Motorhaube gibts ein weiteres, kleines Fach. Dank der serienmässigen adaptiven Luftfederung kann das Fahrzeug bei Bedarf abgesenkt werden, um das Einladen zu erleichtern.
Bedienung und Infotainment
Zeekr setzt auf eine Kombination aus physischen Tasten und Touchscreen-Bedienung, wobei letztere klar dominiert. Unterhalb des grossen Touchscreens befinden sich vier Kippschalter: eine für die Auswahl der Fahrmodi (Eco, Komfort, Sport usw.), eine zum Öffnen des Kofferraums, eine Custom-Taste, die mit mehreren Funktionen belegt werden kann, und eine zum Öffnen des Handschuhfachs. Zudem gibt es ein Drehrad für die Lautstärke.

Doch viele Funktionen, darunter auch die Anpassung der Aussenspiegel oder der Lüftungsanlage, lassen sich nur über das Touchscreen erreichen. Da ich bereits viele Fahrzeuge gefahren bin, die hauptsächlich auf eine Touchscreen-Bedienung setzen, stört mich das nicht mehr besonders. Viele Systeme sind sehr ähnlich aufgebaut, dadurch fällt mir die Eingewöhnung auch einfach. Festzuhalten bleibt jedoch, dass die Touchscreen-Bedienung für mehr Ablenkung sorgt.
Erfreulich ist hingegen, dass Zeekr auf berührungsempfindliche Tasten am Lenkrad verzichtet. Hier gibt es klassische Tasten und Drehräder mit angenehmem Druckpunkt, die sich insgesamt besonders wertig anfühlen. Erfreulich ist auch, dass das Infotainmentsystem sehr reaktionsfreudig arbeitet. Es gibt keine unnötigen Denkpausen, sodass man sofort in der gewünschten Funktion ist. Auf Wunsch lässt sich auch Apple CarPlay und Android Auto kabellos verwenden.

Das Infotainmentsystem macht einen ausgereiften Eindruck. Im Gegensatz zu anderen chinesischen Herstellern sind mir keine Fehler in der Übersetzung aufgefallen. Zeekr integriert einige nützliche Funktionen, darunter einen Haustier-Modus, bei dem die Klimatisierung im Fahrzeug weiterläuft, während es geparkt ist, sowie einen Wellness-Modus, bei dem sich der Innenraum in eine Lounge mit Massagefunktion verwandelt.

Der Zeekr 7X ist vollgepackt mit 21 Lautsprechern. Das Zeekr Sound Pro System liefert einen sehr guten Klang, besonders wenn man über den Equalizer den Klang nach seinen Wünschen anpasst, und verfügt sogar über einen in die Kopfstützen integrierten Lautsprecher. Dieser ist besonders bei Telefonaten oder Hinweisen des Navigationssystems hilfreich. Denn statt über alle Lautsprecher werden Gespräche und Hinweise nur über den Lautsprecher am Fahrersitz wiedergegeben.




Galerie: vybe
Das Highlight für meine elfjährige Tochter war die Ambientebeleuchtung. Natürlich lässt sie sich je nach Stimmung in verschiedenen Farben einstellen und kann auf Wunsch auch im Rhythmus der Musik „pulsieren”. Die Darstellung der Beleuchtung wirkt etwas futuristisch, aber nicht kitschig.
Fahrleistung
Obwohl der Zeekr 7X nicht unbedingt wie ein Kraftpaket aussieht, verfügt die Privilege-Ausstattungsvariante mit Allradantrieb über beachtliche 475 kW. Das sind übrigens 646 PS bei einem Drehmoment von 710 Nm. Damit beschleunigt das knapp 2,6 Tonnen schwere Fahrzeug in lediglich 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und ja, die Beschleunigung ist brachial. Die Spitzengeschwindigkeit ist erst bei 210 km/h (elektrisch abgeriegelt) erreicht.
Doch auch hier stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer derart hohen Systemleistung. Schliesslich sprechen wir beim 7X nicht von einem Supersportwagen, sondern von einem Elektro-SUV für Familien. Etwas weniger kW bzw. PS hätte vermutlich niemand bemängelt, ich auch nicht. Dennoch zaubern mir die hohe Leistung und die starke Beschleunigung immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Besonders, wenn jemand hinter mir drängelt.

Doch was nützt eine hohe Leistung, wenn das Fahrzeug über keine direkte Lenkung und kein gut abgestimmtes Fahrwerk verfügt? Nichts. Die gute Nachricht: Beim Zeekr 7X enttäuscht keines von beiden. Die Lenkung reagiert äusserst präzise auf das Einlenken des Fahrers. Das Fahrwerk ist komfortabel, was auch dem adaptiven Luftfahrwerk zu verdanken ist. Die Kurvenlage ist gut, kann das hohe Gewicht aber nicht ganz kaschieren.
Dem Zeekr 7X mangelt es definitiv nicht an Assistenzsystemen. Das ist einerseits von Vorteil, andererseits aufgrund der EU-Vorgaben aber auch etwas ärgerlich. Die Sensoren reagieren nämlich sehr sensibel auf Ablenkung oder Ermüdungserscheinungen. Letzteres kann besonders lästig sein, wenn man morgens zur Arbeit fährt und vom Bordcomputer bei jedem Gähnen darauf hingewiesen wird, eine Pause zu machen. Und ja, manchmal bediene ich kurz das Display, was ebenfalls zu einer „Verwarnung” führt.

Doch auch zu schnelles Fahren goutiert der 7X nicht – selbst wenn es nur 2–3 km/h zu viel sind. Er macht dann mit einem nervösen akustischen Signal darauf aufmerksam. Diese Dinge lassen sich auf Wunsch natürlich auch deaktivieren, dies gilt dann jedoch nur für die jeweilige Fahrt. Beim nächsten Mal müssen die Assistenten erneut deaktiviert werden. Das geht allerdings relativ schnell, da sie auf die Schnelleinstellungen gelegt werden können.
Der adaptive Tempomat funktionierte im Test einwandfrei. Im Gegensatz zu anderen Kontrahenten zeigte er keine Phantombremsungen oder unnötiges Beschleunigen und Abbremsen. Wer keine Lust zum Parken hat, kann diese Aufgabe auch dem 7X überlassen. Je nach Ausstattungsvariante kann das sogar von ausserhalb des Fahrzeugs direkt über das Smartphone oder über das Touchscreen-Display erfolgen, auf dem man sich für eine Parklücke entscheiden kann.
Das automatische Einparken gelingt in der Regel unkompliziert | Video: vybe
Reichweite und Laden
Zeekr setzt im 7X auf eine 800-Volt-Architektur und verbaut die 100-kWh-Batterie mit NMC-Zellchemie im sogenannten Cell-to-Pack-Verfahren (CTP). Das sorgt einerseits für eine bessere Effizienz und andererseits für eine höhere Energiedichte. Die Reichweite von bis zu 543 Kilometern nach WLTP-Zyklus fällt jetzt nicht überragend aus, ist angesichts der hohen Systemleistung aber absolut konkurrenzfähig und im Alltag mehr als ausreichend. Die WLTP-Angabe von 19,9 kWh auf 100 km kann im Mischverkehr bei frühlingshaften Temperaturen als mehr oder weniger realistisch eingestuft werden.

Ein weiteres Highlight des Zeekr 7X ist seine hohe Ladeleistung. Die grosse Batterie lässt sich in nur 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Vorausgesetzt, ein Schnelllader mit einer Leistung von bis zu 480 kW steht zur Verfügung. Das ist zumindest in der Schweiz aber selten der Fall. Doch auch an einer Schnellladestation mit 350 kW lässt der Zeekr 7X seine Muskeln spielen. Von 17 auf 94 Prozent benötigte er lediglich 26 Minuten. Der Peak lag dabei bei guten 290 kW.

Das Testfazit zum Zeekr 7X
Der Zeekr 7X Privilege hinterlässt im Test einen insgesamt sehr starken Eindruck und zeigt, wie ernst es der noch junge Hersteller mit dem Premium-Anspruch meint. Verarbeitung, Materialwahl und Komfort bewegen sich auf hohem Niveau, das Platzangebot ist grosszügig und die technische Ausstattung wirkt durchdacht und weitgehend ausgereift. Besonders überzeugen die kraftvolle Performance, die hohe Ladeleistung und die komfortable adaptiven Luftfederung.
Kritik gibt es vor allem bei der teilweise überladenen Assistenzlogik und der starken Abhängigkeit vom Touchscreen, die im Alltag nicht immer ideal ist. Auch die extreme Leistung wirkt im Kontext eines Familien-SUVs etwas überdimensioniert. In Summe hinterlässt der Zeekr 7X ein souveräner Auftritt, der etablierte Mitbewerber nicht nur erreicht, sondern in einzelnen Bereichen bereits übertrifft.