In den letzten Monaten habe ich vor allem die Google Pixel Watch 4 als Smartwatch getragen. In Kombination mit einem Android-Gerät ist sie für mich nach wie vor die beste Smartwatch, auch wenn ich mir so langsam aber sicher ein neues Design wünsche. Ich habe die Pixel Watch 4 auch nachts getragen, obwohl ich ehrlich gesagt kein grosser Fan davon bin. Denn Nachts mag ich es nicht so sehr, eine Uhr zu tragen.
Seit ein paar Monaten bietet Google mit dem Fitbit Air einen neuen Fitness-Tracker an, der ganz ohne Display auskommt. Das Prinzip ist den meisten vom Whoop-Band bekannt, das Fitness-Tracker ohne Display wieder populär gemacht hat. Der Vorteil liegt auf der Hand: weniger Ablenkung und deutlich weniger Gewicht am Handgelenk. Tatsächlich nehme ich das Fitbit Air aufgrund seines niedrigen Gewichts und des sehr angenehmen Armbands kaum wahr.
Das Fitbit Air begleitet mich nun seit über zwei Monaten Tag und Nacht. Es ist also an der Zeit, ausführlicher über das Fitness-Wearable ohne Display zu berichten, das ohne Abozwang auskommt und mit 99 Franken bzw. Euro auch erschwinglich ist.

Design und Haptik
Das Fitbit Air präsentiert sich als äusserst minimalistisches Fitness-Wearable. Das schmale Performance Loop Band fällt kaum auf und hat auch kein Google-Logo oder Ähnliches. Der Klettverschluss hält auch nach gut einem Monat Nutzung. In der Farbvariante „Fog“, die mir freundlicherweise von Google zur Verfügung gestellt wurde, zeigen sich jedoch langsam erste Verfärbungen. Aber das ist kein Problem, denn das Armband kann problemlos gewaschen werden.

Was ich sehr am Fitbit Air schätze, ist der angenehme Tragekomfort. Gerade in der Nacht mag ich es nicht eine schwere Uhr am Handgelenk zu tragen. Das Fitbit Air fällt dabei überhaupt nichts ins Gewicht. Das Armband aus Stoff/Nylon ist atmungsaktiv und fühlt sich angenehm auf der Haut an. Der Tracker kann dank einer Wasserdichtigkeit von bis zu 50 Metern problemlos unter der Dusche oder auch im Schwimmband getragen werden. Allerdings sollte das Armband anschliessend getrocknet werden.
Akku und Laden
Das Herzstück, in dem die Sensoren integriert sind, befindet sich in einer Art Kapsel. Es kann bei Bedarf, beispielsweise beim Wechsel des Armbands, einfach herausgenommen werden. Für das magnetische Laden ist dies jedoch nicht notwendig. Google legt dafür einen Adapter zu USB-C bei. Die Ladezeit beträgt ungefähr 90 Minuten von 0 auf 100 Prozent.

Die Akkulaufzeit liegt bei ungefähr sieben bis maximal zehn Tagen, je nachdem, wie der Tracker genutzt wird. Eine kleine LED informiert über den Ladestand. Durch kräftiges Doppeltippen auf den Fitness-Tracker leuchtet sie entweder Weiss (über 20 Prozent Akku), ein blinkendes Rot (unter 20 Prozent Akku) oder dauerhaftes Rot (0 Prozent) auf.

Welche Daten zeichnet das Fitbit Air auf?
Das Fitbit Air kann dank eines 3-Achsen-Beschleunigungssensors etwa die Anzahl Schritte und sportliche Aktivitäten aufzeichnen. Ebenfalls dient der Sensor als Grundlage für das Schlaftracking. Zusätzlich kann das Fitbit Air die Herzfrequenz rund um die Uhr, den Ruhepuls, die Herzfrequenzvariabilität (HRV), die Hauttemperatur und die Blutsauerstoffsättigung (SpO2) messen. Die Herzfrequenz kann auf Wunsch per Bluetooth auch an ein anderes Gerät, etwa Fahrradcomputer, übertragen werden.
Der Tracker zeichnet die Herzfrequenz jeweils im 2-Sekunden-Rhythmus auf. Das reicht grundsätzlich aus, um auch bei Workouts aussagekräftige Auswertungen zu erhalten. Die Daten werden automatisch mit der Google Health App synchronisiert, sofern sich das Smartphone in der Nähe befindet. Sollte das Smartphone nicht zur Hand sein, werden Workouts für einen Tag, Bewegungsdaten für sieben Tage und die tägliche Übersicht für 30 Tage auf dem Tracker gespeichert.
Wer zusätzlich zum Fitbit Air auch noch eine Pixel Watch trägt, muss sich keine Sorgen um doppelt aufgezeichnete Daten machen. In der Google Health App werden die Daten automatisch zusammengelegt. Aufgrund des fehlenden GPS-Moduls kann der Fitness-Tracker jedoch keine exakten Strecken aufzeichnen.
Aus Fitbit Health wird Google Health
Anlässlich der Markteinführung des Fitbit Air hat Google die bisherige Fitbit-Health-App grundlegend überarbeitet und in Google Health App umbenannt. Die neue App verfügt nun auch über einen KI-gesteuerten Assistenten namens Health Coach. Dieser steht allerdings nur Premium-Nutzer:innen zur Verfügung. Das kostet pro Monat knapp 9 Franken bzw. Euro. Im Gegensatz zum Whoop-Band kann das Fitbit Air aber ohne Abo verwendet werden – einfach ohne KI-Assistenten.

Die Google-Health-App ist in vier Kategorien unterteilt. Auf der ersten Seite „Heute” werden alle aktuellen Daten bereitgestellt. In den Kategorien „Fitness”, „Schlaf” und „Gesundheit” sind alle weiteren spezifischen Metriken zu finden. Wer viele Daten mag, wird beim Fitbit Air definitiv nicht zu kurz kommen. Die Fitness- und Gesundheitsdaten werden jeweils mit ansprechenden Grafiken und Erklärungen aufbereitet.

Der KI-Assistent Health Coach liefert täglich spannende Infos, die auf den eingespeisten Fitness- und Gesundheitsdaten basieren. Auch liefert er Tipps, wann man beispielsweise ins Bett gehen sollte oder dass man bei den warmen Temperaturen mehr trinken sollte. Mit dem Assistenten kann mittels Text oder Sprache interagiert werden. Allerdings lässt sich der Coach bei der Aufbereitung seiner Antworten zumindest aktuell noch ziemlich viel Zeit. So viel Zeit, dass es mir doch hin und wieder etwas zu langsam geht.

Dennoch erachte ich den Health Coach als ein sehr spannendes Feature, insbesondere für Menschen, die sich nicht so gut mit den verschiedenen Fitness- und Gesundheitsdaten auskennen. Die KI liefert hilfreiche Tipps und erklärt die verschiedenen Daten. Wer den Health Coach nutzen möchte, muss aber wie bereits erwähnt über das kostenpflichtige Premium-Abo verfügen.
Genauigkeit der Daten
Doch wie genau sind die vom Google Air aufgezeichneten Daten? Um das herauszufinden, habe ich den Google-Tracker jeweils zusammen mit der Garmin Fenix 8 getragen. Erfreulicherweise zeigten die beiden Fitness-Wearables zumindest im normalen Büroalltag praktisch dieselben Daten an. Dies betrifft die Herzfrequenz (inklusive Ruhefrequenz) und die Schrittanzahl.



Galerie: vybe
Auch bei einer Radtour zeigte der Tracker von Google sehr ähnliche Ergebnisse wie das deutlich teurere Produkt von Garmin. Hier und da lag das Fitbit Air jedoch um bis zu fünf Schläge über dem der Fenix 8. Das liegt aber noch in einem Bereich, der grundsätzlich in Ordnung geht. Die Ergebnisse im Gym fallen weniger gut bzw. akkurat aus. Das Problem: Sowohl das Fitbit Air als auch die Garmin Fenix 8 werden am Handgelenk getragen. Das ist eine ungünstige Position, wenn man sich vor allem mit Kraftgeräten beschäftigt.


Schlaftracking-Vergleich Fitbit Air und Garmin Fenix 8 | Screenshots: vybe
Das Schlaf-Tracking bewegt sich auf einem guten Niveau, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Die unterschiedlichen Schlafphasen werden klar erfasst und es gibt jeweils eine passende, aussagekräftige Auswertung. Der Health Coach gibt darüber hinaus Tipps, was man in der kommenden Nacht besser machen könnte.

Das Testfazit zum Google Fitbit Air
Das Fitbit Air hat mich im Test vor allem mit seinem konsequent minimalistischen Ansatz überzeugt. Während Smartwatches heute immer mehr Funktionen bieten und entsprechend auch grösser und schwerer werden, verfolgt Google hier bewusst einen anderen Weg. Der Verzicht auf ein Display sorgt dafür, dass das Wearable im Alltag kaum auffällt und insbesondere nachts ausgesprochen angenehm zu tragen ist. Gerade wer – so wie ich – ungern mit einer Smartwatch schläft, dürfte den hohen Tragekomfort schnell zu schätzen wissen. Gleichzeitig liefert das Fitbit Air dennoch alle wichtigen Fitness- und Gesundheitsdaten, ohne dass man dafür ständig auf ein Display schauen oder sich von Benachrichtigungen ablenken lassen muss.
Auch bei den aufgezeichneten Daten hinterlässt der Tracker einen positiven Eindruck. Die Herzfrequenzmessung, die Schrittzählung und das Schlaftracking bewegen sich insgesamt auf einem hohen Niveau und konnten im Vergleich mit der deutlich teureren Garmin Fenix 8 grösstenteils überzeugen. Kleinere Abweichungen bei intensiveren Aktivitäten sind zwar vorhanden, liegen aber im Rahmen dessen, was bei optischen Sensoren am Handgelenk zu erwarten ist. Hinzu kommen eine solide Akkulaufzeit von bis zu zehn Tagen, eine übersichtlich gestaltete Google-Health-App sowie die Möglichkeit, das Fitbit Air vollständig ohne kostenpflichtiges Abo zu nutzen. Das Premium-Abonnement mit dem KI-gestützten Health Coach bietet zwar interessante Zusatzfunktionen, ist für den normalen Einsatz aber keineswegs zwingend erforderlich.
Unterm Strich ist das Fitbit Air eine spannende Alternative für alle, die ihre Fitness und Gesundheit zuverlässig im Blick behalten möchten, ohne gleich eine vollwertige Smartwatch am Handgelenk tragen zu müssen. Für 99 Franken bzw. Euro bietet Google ein angenehm leichtes, hochwertig verarbeitetes und erstaunlich präzises Fitness-Wearable, das sich auf seine Kernaufgaben konzentriert und genau dadurch überzeugt. Wer hingegen GPS, ein Display oder umfangreiche Smartwatch-Funktionen erwartet, wird hier nicht fündig. Wer jedoch bewusst auf Ablenkungen verzichten und trotzdem aussagekräftige Gesundheitsdaten sammeln möchte, findet im Fitbit Air einen gelungenen Begleiter für den Alltag.