Wo ein Hollywood-Hit startet, ist The Asylum nicht weit. Die kalifornische Billigfilmschmiede hat diesen Herbst gleich mehrere sogenannte Mockbuster rausgehauen, also Filme, deren Titel verdächtig nach dem grossen Vorbild klingen. Für ahnungslose Streaming-Kundschaft ist das eine Falle, für Trash-Fans ein Pflichttermin.
Das Prinzip: Ähnlicher Titel, ein Bruchteil des Budgets
Das Geschäftsmodell von The Asylum ist so simpel wie erprobt. Kurz bevor ein grosser Studiofilm anläuft, landet ein Film mit sehr ähnlichem Namen auf Streaming- und Kaufplattformen. Wer beim Durchscrollen nicht genau hinschaut, klickt vielleicht auf das falsche Plakat. Die Firma hat damit über die Jahre ein ganzes Paralleluniversum geschaffen, von «Transmorphers» bis «Top Gunner». Und auch 2026 läuft die Kopiermaschine auf Hochtouren. So erschien etwa zeitgleich zu «The End of Oak Street» die Billigversion «Jurassic Rampage».
«Resident Dead»: Zombies in der Light-Version
Zach Creggers «Resident Evil» ist der Horror-Hit des Herbsts. Die Game-Verfilmung hat zahlreiche Rekorde gebrochen. Von dem Kuchen wollte auch The Asylum etwas haben. Ihre Version lautet auf den Titel «Resident Dead» und erschien kurz vor Kinostart von «Resident Evil» auf verschiedenen Plattformen.
Die Story: Die Tochter (Isabel Ramirez) wurde gebissen, und ihr Vater (John Wells) bekommt ein Angebot. Er soll ein unbekanntes Paket quer durch die Zombiehorden von A nach B bringen, öffnen verboten. Als Lohn winkt ein Heilmittel. So zeigt es der – mit KI-Effekten ausstaffierte – Trailer, so steht es in der offiziellen Kurzbeschreibung.
Kurios ist der Auftritt auf der eigenen Website. Obwohl der Film längst erschienen ist und Trailer im Netz kursieren, bleibt die offizielle Filmseite von The Asylum fast leer: Beim Erscheinungsdatum steht nichts, Besetzung, Drehbuch und Laufzeit fehlen, einen Trailer gibt es nicht. Bei diesem Produktionstempo kommt offenbar selbst die Webredaktion nicht mehr hinterher.
«Insidious: Possession» und «Street Fighters»
Auch Sonys Gruselreihe bekam im Sommer ihr Echo. Passend zu «Insidious: Out of the Further» erschien am 14. August «Insidious: Possession», wie Bloody Disgusting berichtete. Regie führte Marcel Walz, in der Hauptrolle ist Dominic Keating zu sehen, den Sci-Fi-Fans aus «Star Trek: Enterprise» kennen. Mit der offiziellen «Insidious»-Reihe hat der Film, wenig überraschend, nichts zu tun. Es geht um eine Teenagerin, die einen Dämon heraufbeschwört, und zwar laut Synopsis gleich den finstersten von allen. Halbe Sachen macht man hier nicht.
Im Oktober folgte «Street Fighters». Der Film erschien am 2. Oktober, also genau zwei Wochen vor dem «Street Fighter» von Legendary und Paramount mit Jason Momoa und Noah Centineo. Das zusätzliche S im Titel ist dabei wohl die einzige erkennbare Eigenleistung. Laut der offiziellen Synopsis kämpfen die besten Kampfkünstler der Welt an einer Meisterschaft, die von einer mysteriösen Organisation ausgerichtet wird. Ah, und eine Horde KI-Zombies ist auch hier dabei. Warum? Das wissen wohl nur die Rechteverwalter.
Als Nächstes: Scrooge sieht Gespenster
Das Highlight für den Dezember-Trash-Abend steht noch aus. Am 13. November startet in den USA «Ebenezer: A Christmas Carol» von Ti West («X», «Pearl») mit Johnny Depp als Scrooge, ein düsterer Neuansatz der bekannten Dickens-Geschichte.
Schon zwei Wochen vorher, am 30. Oktober, soll laut Letterboxd in den USA digital «Scrooge: A Christmas Carol Horror» erscheinen. Auf Rotten Tomatoes ist er auch als «Ebenezer Scrooge: A Christmas Carol Horror» gelistet.
Wie entsteht eigentlich ein Mockbuster?
Spannender als die Filme ist aber die Frage, wie solche Billig-Produktionen überhaupt entstehen. Einen direkten und gnadenlos ehrlichen Einblick liefert der Dokumentarfilm «Mockbuster» von Anthony Frith.
Die Doku begleitet den Hobbyfilmer Frith, der sich auf simple Nachfrage einen Regiejob bei The Asylum angelt und damit beauftragt wird, ein weiteres Remake von «The Land That Time Forgot» zu stemmen. Die Crux an der Sache: Für den Dreh hat er gerade einmal sechs Tage Zeit.
Wer also wissen will, warum Asylum-Filme sind, wie sie sind, dem sei «Mockbuster» wärmstens empfohlen. Den Film gibts unter anderem auf Amazon Prime.