Zum Start von «Carrie»: Die besten Stephen-King-Filme
Summer Howell spielt «Carrie» in Mike Flanagans Serienadaption von Stephen Kings Kultroman. (Bild: Amazon Content Services)
Unterhaltung Horror Kino

Zum Start von «Carrie»: Die besten Stephen-King-Filme

«Carrie» startet bald auf Prime Video. Grund genug, um auf die besten Stephen-King-Adaptionen zurückzublicken.

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Am 7. Oktober startet mit «Carrie» die neuste Serie des Horror-Talents Mike Flanagan auf Amazon Prime. Als 8-teilige Miniserie konzipiert handelt die Geschichte vom telekinetisch begabten Mädchen Carrie, das von ihrer streng religiösen Mutter und ihren Mitschülerinnen gemobbt wird, bis es zur blutigen Eskalation kommt.

Nach dem Netflix-Film «Gerald's Game» und den Kinoadaptionen von «Doctor Sleep» und «The Life of Chuck» ist es die vierte Adaption eines Stoffs von Bestsellerautor Stephen King.

Grund genug für mich, einen Blick auf die besten Verfilmungen von Stephen Kings Romanen zu werfen.

Misery (1990)

Bestseller-Autor Paul Sheldon landet nach einem Autounfall in der Obhut der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes. In einer abgelegen Hütte pflegt sie den schwer verletzten Mann gesund – und entpuppt sich als sein grösster Fan. Wilkes Obsession mit Sheldons Romanfigur «Misery» nimmt dabei immer gefährlichere Züge an.

Rob Reiner verfilmte den Roman und fand mit Kathy Bates und James Caan eine absolute Traumbesetzung. Gerade Bates – für die Rolle zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet – brilliert als völlig wahnsinnige Antagonistin.

Obwohl der Film in einigen Momenten «harmloser» ist als seine Buchvorlage beschert «Misery» mit seiner intimen Inszenierung und dem fiesen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Sheldon und Wilkes maximalen Nervenkitzel.

The Mist (2007)

Ein unheimlicher Nebel zwingt eine Gruppe Menschen dazu, sich in einem Supermarkt zu verschanzen. Während Fluchtversuche geschmiedet und Erklärungen gesucht werden, zerfällt der Zusammenhalt der Gruppe immer weiter, bis Fanatismus und Wahnsinn das Zepter übernehmen.

Denken Leute an «The Mist», denken sie vor allem an das Ende des Films (das wir hier natürlich nicht verraten). Und zu Recht! Selbst King bevorzugt das Ende des Films dem seiner eigenen Novelle.

Auch losgelöst von den letzten Minuten vor dem Abspann ist «The Mist» ein spannender Horrorfilm, der mit einer Handvoll Figuren und einem beschränkten Setting das Maximum an Spannung und Gesellschaftskritik herausholt.

Bemängeln muss ich einzig einige der Computereffekte, die schon für die damalige Zeit nicht besonders überzeugend waren und dem Film leider etwas von seiner Wirkung rauben.

Regisseur Frank Darabont inszenierte mit «The Shawshank Redemption» (1994) und «The Green Mile» (1999) übrigens zwei weitere King-Geschichten fürs Kino. Beides auch phänomenale Filme, die ebenfalls in diese Liste gehören – und es jetzt auch darauf geschafft haben.

1408 (2007)

Schriftsteller Mike Enslin lebt davon, angebliche Spukhäuser zu entlarven. Im legendären Dolphin Hotel will er in die angeblich verfluchte Suite 1408 einchecken wo es zu mehreren Morden und Suiziden kam. Kaum in der muffigen Suite angekommen, stellt er fest, dass an manchen Legenden eben doch etwas Wahres ist.

John Cusack als zynischer Schreiberling ist definitiv das Highlight dieses Horrorfilms. Sein trockener Humor und die wachsenden Zweifel an seinem Geisteszustand machen diese One-Man-Show zu einem richtigen Gruselvergnügen. Samuel L. Jackson als Hoteldirektor ist da noch die Kirsche auf der Sahnetorte.

Regisseur Mikael Håfström und sein Drehbuchteam bauten die Kurzgeschichte an vielen Stellen aus und lieferten auch hier meiner Meinung nach das Kunststück ab, die Vorlage in einigen Bereichen zu übertrumpfen.

John Cusack und Samuel L. Jackson kamen 2016 noch einmal für eine King-Verfilmung zusammen. Leider gehört «Cell» aber eher auf die Liste der schlechtesten Adaptionen des «King of Horror». Gilt aber auch für die Romanvorlage.

Gerald's Game (2017)

Ein Paar gönnt sich in einer Hütte ein romantisches Wochenende, das ordentlich aus dem Ruder läuft. Nach einem missglückten Fesselspiel liegt Ehemann Gerald tot am Boden und Ehefrau Jessie gefesselt ans Bettgestell. Was folgt ist eine absolute Tour de Force für Jessie, die mit allen Mitteln versucht, sich aus der misslichen Lage zu befreien.

Mike Flanagans Einstieg in Kings Welt hat etwas geschafft, das nur selten vorkommt: Mir gefällt der Film besser als das Buch. Flanagan, der auch das Drehbuch verfasst hat, setzte das Messer an den richtigen Stellen an und befreite das in meinen Augen zu lange Buch von unnötigem Fett.

Heraus kam ein intensives Kammerspiel mit toller Besetzung und einigen richtig fiesen Momenten. Einer der besten Netflix-Filme – und King-Adaptionen.

Stand By Me

Noch einmal Rob Reiner! Noch vor «Misery» inszenierte er 1986 Kings Erzählung «Die Leiche», die von einer Gruppe Jungs handelt, die im Sommer 1959 einer örtlichen Legende nachgehen. Die besagt nämlich, dass die Leiche eines verschollenen Jungen aufgetaucht ist.

Für einmal frei von Horror und Übernatürlichem erzählt «Stand By Me» die ergreifende Coming-of-Age-Geschichte von vier Jungs aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.

Nebst der ruhigen und nostalgischen Inszenierung lebt der Film vor allem von seinen Protagonisten, verkörpert durch Wil Wheaton, River Phoenix, Jerry O'Connell und Corey Feldman. Dieses sommerliche Abenteuer bleibt Kings Vorlage sehr treu und baut sie an den richtigen Stellen aus.

Nicht das erste Remake von «Carrie»

Flanagans Serienversion von «Carrie» ist beileibe nicht die erste Adaption des Romans. Brian dePalma verfilmte den Stoff 1976 mit Sissy Spacek und Piper Laurie fürs Kino. 1999 folgte mit «The Rage: Carrie 2» ein eher krudes Sequel, und 2002 das erste Remake in Form eines TV-Films. Erneut auf die Kinoleinwand schaffte es «Carrie» dann 2013 als zeitgenössisches Remake mit Chloë Grace Moretz und Julianne Moore in den Hauptrollen.

Ob Mike Flanagans Version zu den besseren Adaptionen gehört, wird sich im Oktober zeigen.

Mehr zum Thema