Seit beinahe drei Jahrzehnten kennen wir Tom Cruise fast nur noch als Actionhelden, der an Flugzeugen hängt und von Klippen springt. Dabei hat er in seiner Anfangszeit bewiesen, dass er durchaus auch dramatische Rollen beherrscht.
Mit «Digger» will er nun beweisen, dass er dies noch immer kann. Zum ersten Mal steht er für den mexikanischen Regisseur Alejandro G. Iñárritu («Birdman», «The Revenant») vor der Kamera – und das in einer rabenschwarzen Satire. Diese Woche startet der Film in den Schweizer Kinos.
Jetzt ist die Sperrfrist für die Kritiken gefallen. Und die fallen ziemlich unterschiedlich aus. Auf Rotten Tomatoes steht «Digger» nach den ersten knapp 80 Reviews bei gerade mal 52 Prozent. Wer einen klaren Hit oder Flop sucht, wird hier also nicht fündig.
Darum geht's in «Digger»
Cruise spielt Digger Rockwell, einen Öl-Tycoon und den mächtigsten Mann der Welt. Als seine Firma eine ökologische Katastrophe auslöst, will er um jeden Preis beweisen, dass ausgerechnet er der Retter der Menschheit ist.
Zur Seite steht ihm eine beachtliche Besetzung: Sandra Hüller («Anatomie eines Falls») spielt seine Halbschwester und Geschäftspartnerin, John Goodman den US-Präsidenten. Dazu kommen Riz Ahmed, Jesse Plemons und Michael Stuhlbarg. Hinter der Kamera stand einmal mehr Iñárritus Stamm-Kameramann Emmanuel Lubezki.
Die positiven Stimmen
Am meisten begeistert ist bisher «Time Out», das vier von fünf Sternen vergibt. Subtil sei der Film zwar nicht, dafür «bissig-komisch und wild überraschend». Cruise zeige neben der Karikatur auch eine «menschlichere, zerbrechlichere» Seite, die an Michael Keaton in «Birdman» erinnere. Auch Pete Hammond von «Deadline» ist angetan und spricht von einer überraschenden und dringlichen Katastrophen-Satire.
«The Playlist» vergibt ein B+ und findet, der Film sei «zu lebendig und durchdacht, um ihn einfach als überladen abzutun». Und bei «/Film» gibt es 7 von 10 Punkten mit einem Fazit, das den Film wohl ganz gut zusammenfasst: «schwer zu lieben, aber leicht zu bewundern».
Die Verrisse
Auf der anderen Seite stehen die Kritikerinnen und Kritiker, die mit dem Film wenig anfangen können. Die «Irish Times» nennt ihn einen «geschwätzigen Rohrkrepierer» und eine «gut gemeinte, aber enttäuschend monotone Satire». Immerhin: Dass sich Cruise nicht ins Zeug lege, könne man ihm nicht vorwerfen. «IndieWire» spricht ebenfalls von einem Fehlschuss, «ComingSoon» vergibt 5 von 10 Punkten. Der Film wolle absurd, satirisch, dramatisch und gesellschaftskritisch zugleich sein – das finde aber nie richtig zusammen.
Auch aus dem deutschsprachigen Raum gibt es erste Stimmen. «Serienjunkies» vergibt drei von fünf Sternen und sieht in «Digger» einen faszinierenden Unfall, der seine politische Botschaft zu laut und ans falsche Publikum richte.
Einig sind sich fast alle bei Tom Cruise
So unterschiedlich die Urteile zum Film sind, bei einem Punkt herrscht erstaunlich viel Einigkeit: Cruise wirft sich mit voller Wucht in die Rolle und hat sichtlich keine Angst, unsympathisch zu wirken. Ob das für die von ihm erhoffte Oscar-Nomination reicht, muss sich zeigen. Einen Film, über den man nach dem Kino noch lange diskutiert, dürfte er aber abgeliefert haben. Und das ist ja auch schon etwas.
«Digger» läuft ab dieser Woche in den Schweizer Kinos (je nach Landesteil ab 30. September oder 1. Oktober). Verleih ist Warner Bros., die Laufzeit beträgt 129 Minuten.