«Vaiana» floppte an den Kinokassen. Das sind die Gründe
Das Remake von «Vaiana» könnte Disney bis zu 100 Millionen US-Dollar Verlust einbringen. | Bild: The Walt Disney Company Switzerland

«Vaiana» floppte an den Kinokassen. Das sind die Gründe

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

Die Rückkehr in die Welt von Vaiana sollte für Disney zum nächsten grossen Kinoereignis werden. Stattdessen legt das Live-Action-Remake von «Vaiana» einen überraschend schwachen Start hin.

In Nordamerika spielte der Film am Startwochenende 43 Millionen US-Dollar ein. Damit erreichte «Moana» zwar Platz 1 der Kinocharts, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen von Disney zurück.

«Moana» startet klar unter den Erwartungen

Disney hatte in Nordamerika mit einem Start zwischen 60 und 65 Millionen US-Dollar gerechnet. Weltweit waren zum Auftakt rund 140 Millionen US-Dollar erwartet worden.

Tatsächlich kam «Moana» global aber nur auf 95 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 52 Millionen US-Dollar auf Märkte ausserhalb Nordamerikas.

Für einen Film mit einem gemeldeten Produktionsbudget von 250 Millionen US-Dollar ist das ein schwieriger Auftakt. Denn: Um die Produktionskosten wieder hereinzuholen, muss der Film mindestens 500 Millionen einspielen. Wieso? Weil rund 50 Prozent der Einnahmen an die Kinos gehen. Die zusätzlichen Marketingkosten sind in dieser Summe noch nicht enthalten.

Für Disney könnte der Film damit zum nächsten grossen Flop werden. Bereits letztes Jahr war die Realfilmadaption von «Schneewittchen» an den Kinokassen untergegangen. Laut Analysten hat Disney mit dem Remake namens «Snow White» rund 100 Millionen US-Dollar Verlust gemacht.

Das Remake kommt womöglich zu früh

Der schwache Start dürfte nicht nur mit den Kritiken zusammenhängen, die den Film regelrecht zerrissen haben. Vor allem der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte Disney geschadet haben.

Der originale Animationsfilm erschien 2016. Die Fortsetzung «Vaiana 2» kam jedoch erst rund 20 Monate vor dem Live-Action-Remake ins Kino und entwickelte sich zu einem Milliardenhit.

Damit kehrt Disney ungewöhnlich schnell in dieselbe Welt zurück. Für viele Kinofans dürfte der Stoff noch zu präsent sein, als dass bereits echte Nostalgie entstehen konnte.

Aber genau davon lebten frühere Disney-Remakes. «Die Schöne und das Biest», «Aladdin», «Der König der Löwen» und «Lilo & Stitch» basierten auf Filmen, mit denen viele Erwachsene aufgewachsen sind. Diese Generation hat es daher genossen, die Remakes (mit ihren eigenen Kindern) zu sehen.

Bei «Vaiana» fehlt dieser zeitliche Abstand. Die Geschichte ist weiterhin aktuell, leicht zugänglich und zudem auf Disney+ verfügbar.

Nähe zu «Vaiana 2» war ursprünglich nicht geplant

Die kurze Distanz zwischen der Fortsetzung und dem Remake entstand nicht vollständig absichtlich. «Vaiana 2» war zunächst als Serie geplant, bevor Disney das Projekt zu einem Kinofilm umarbeitete.

Als die Fortsetzung für das Kino neu konzipiert wurde, verschob Disney das Live-Action-Remake um ein Jahr. Ursprünglich sollte der Film bereits 2025 erscheinen.

Trotz der Verschiebung lagen beide Kinostarts weiterhin sehr nahe beieinander. Das könnte dazu geführt haben, dass sich das Remake weniger wie ein besonderes Comeback und mehr wie eine schnelle Wiederholung anfühlte.

Kritiker reagieren deutlich negativer als das Publikum

Auch die Kritiken dürften den Start belastet haben. Auf Rotten Tomatoes hat der Film gerade einmal eine Bewertung von durchschnittlich 33 Prozent. Kritisiert werden vor allem vier Punkte:

  • Der Film ist absolut unnötig, der dem Original kaum etwas Neues hinzufügt
  • Obwohl als Realfilm beworben, besteht der Streifen grösstenteils aus digital generierten Welten. Stellenweise wirke der Film wie ein Animationsfilm mit echten Gesichtern.
  • Dwayne Johnson wird als zu alt für die Rolle empfunden. Ausserdem sei sein Schauspiel inspirationslos und sehr zurückhaltend.
  • Die emotionale Dynamik und die ausdrucksstarke Mimik des Animationsfilm lassen sich in der Realfilmästhetik nicht umsetzen. Viele Szenen würden daher, im Vergleich zum Animationsfilm, hölzern wirken.

Besser ist der Film beim Publikum angekommen. Dieses bewertet ihn mit starken 90 Prozent. Die grössere Herausforderung scheint also darin zu liegen, genügend Menschen für einen Kinobesuch zu interessieren.

Und genau das dürfte schwierig werden. Bei einem Remake, das fast eins zu eins das Original kopiert, wissen die Leute was sie erwartet. Warum also Geld für etwas ausgeben, dass man bereits kennt? Zumal ein Kinobesuch vor allem für Familien schnell ziemlich teuer werden können.

Starke Konkurrenz im Familienkino

Hinzu kam die Konkurrenz durch andere grosse Familienfilme. «Minions and Monsters» spielte an seinem zweiten Wochenende 20,5 Millionen US-Dollar ein und steht weltweit bei 280 Millionen US-Dollar.

«Toy Story 5» erreichte an seinem vierten Wochenende weitere 18,5 Millionen US-Dollar. Insgesamt hat der Pixar-Film bereits 879,1 Millionen US-Dollar eingespielt und dürfte die Milliardenmarke überschreiten.

Für «Vaiana» wird es damit schwierig, in den nächsten Wochen verlorenen Boden gutzumachen. Neue Grossproduktionen wie «Die Odyssee» und «Spider-Man: Brand New Day» erhöhen den Druck zusätzlich.

Vergleich mit «Snow White» sorgt für Unruhe

Dass es nicht zu früh ist, um bei «Vaiana» von einem Flop zu sprechen, zeigt ein Blick auf das bereits erwähnte «Snow White». Mit 43 Millionen US-Dollar liegt «Vaiana» nur knapp über dem Start von «Snow White». Das Disney-Remake war 2025 mit 42 Millionen US-Dollar angelaufen.

Am Ende beendete «Snow White» beendete seine Kinoauswertung mit 87 Millionen US-Dollar in Nordamerika und 205 Millionen US-Dollar weltweit. Auch dieser Film soll rund 250 Millionen US-Dollar gekostet haben.

Sollte «Vaiana» einen ähnlichen Verlauf nehmen, könnte der Film laut der vorliegenden Analyse ebenfalls rund 100 Millionen US-Dollar Verlust verursachen. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt stark von den kommenden Wochen und den internationalen Märkten ab.

Nachträglicher Erfolg unwahrscheinlich

Allerdings ist es die Regel, dass ein Film nach der ersten Woche immer weniger einspielt. Nur sehr selten, passiert das Gegenteil, sodass ein anfänglich vermeintlicher Flop doch noch zu einem Erfolg wird. Dies war etwa 2023 beim Pixar-Film «Elemental» der Fall.

Dieser hatte mit knapp 30 Millionen US-Dollar ebenfalls einen sehr schwachen Start hingelegt. In den folgenden Wochen hatte sich der Film aber hartnäckig in den oberen Rängen der Kinocharts gehalten und so rund eine halbe Milliarde eingespielt. Damit wurde der Film am Ende doch noch zu einem finanziellen Erfolg.

Dass dies bei «Vaiana» passiert, ist aber aus den bereits genannten Gründen eher unwahrscheinlich.

Disney muss sein Live-Action-Modell überdenken

Disney hat mit Neuverfilmungen seiner Animationsklassiker über Jahre enorme Erfolge gefeiert. Mehrere Titel starteten in Nordamerika mit über 100 Millionen US-Dollar und überschritten später weltweit die Milliardenmarke.

«Vaiana» zeigt nun deutlich, dass sich dieses Modell nicht automatisch auf jede Marke übertragen lässt. Ein bekannter Name allein reicht schlicht nicht aus, um die Leute ins Kino zu locken.

Entscheidend ist auch, ob das Publikum einen Grund sieht, dieselbe Geschichte nochmals im Kino zu erleben. Ob sich diese Erkenntnis bei Disney durchetzt oder sie weiterhin Remakes ihrer Klassiker produzieren, muss sich nun zeigen.