Galaxy Watch 9 im Test: Samsung liefert – doch hier gibt es Abzüge
Die Samsung Galaxy Watch 9 im vybe-Test | Bild: vybe
Test Samsung Smartwatch

Galaxy Watch 9 im Test: Samsung liefert – doch hier gibt es Abzüge

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Mit der Galaxy Watch Ultra 2 und der Galaxy Watch 9 bringt Samsung in diesem Jahr zwei neue Smartwatch-Modelle auf den Markt. Während die Galaxy Watch Ultra 2 als Flaggschiff-Smartwatch positioniert ist, soll die Galaxy Watch 9 einen preisgünstigeren Einstieg in die Smartwatch-Welt von Samsung ermöglichen. Ganz günstig ist dieser allerdings nicht: Die Galaxy Watch 9 mit 40-mm-Gehäuse kostet ab 349 Franken, für die 44-mm-Variante werden mindestens 379 Franken fällig.

Erfreulich: Samsung setzt sowohl bei seiner Flaggschiff-Smartwatch als auch bei der Galaxy Watch 9 auf den neuen Snapdragon Wear Elite von Qualcomm. Der Chipsatz verspricht nicht nur mehr Leistung, insbesondere bei KI-Aufgaben, sondern soll gleichzeitig auch effizienter arbeiten. Das lässt hoffen, dass auch die Galaxy Watch 9 mit einer ordentlichen Akkulaufzeit überzeugen kann. Denn das grosse Akku-Upgrade gibts nur beim teuren Ultra-Modell.

Bild: vybe

Aussehen und Verarbeitung

Seit der Galaxy Watch Ultra setzt Samsung auf ein eckiges Gehäuse mit einem runden Display. Während dieses Design bei den einen auf Zustimmung stösst, können sich andere damit weniger anfreunden. Ich persönlich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Im Test hatte ich übrigens die Variante mit 44-mm-Gehäuse, also das grössere Modell. Erfreulich ist, wie schlank und leicht Samsung die Smartwatch gestaltet hat.

Die Galaxy Watch 9 wird mit einem Armband im Silikon-Look ausgeliefert. Eine Einkerbung in der Mitte soll für eine bessere Luftzirkulation sorgen. Das weiche Material schmiegt sich dabei angenehm ans Handgelenk und bietet auch bei sportlichen Aktivitäten ausreichend Halt. Wer möchte, kann das Armband problemlos austauschen. Am bewährten Befestigungssystem hat Samsung nichts geändert, weshalb auch die Armbänder der Galaxy Watch 8 mit dem neuen Modell kompatibel sind.

Das Gehäuse besteht mehrheitlich aus Aluminium. Das wirkt sich positiv auf das Gewicht aus, macht die Smartwatch allerdings auch etwas anfälliger für Kratzer. Wer eine besonders robuste Smartwatch sucht, greift daher eher zur Galaxy Watch Ultra 2 mit ihrem Titan-Gehäuse. Für den Einsatz im Wasser ist die Galaxy Watch 9 dennoch bestens gerüstet. Sie ist nach ISO 22810 wasserbeständig und verfügt zudem über eine IPX8-Zertifizierung. Damit kann die Smartwatch bis zu 30 Minuten lang in Süsswasser in einer Tiefe von bis zu 1,5 Metern getragen werden.

Die Galaxy Watch 9 verfügt über zwei physische Tasten an der rechten Gehäuseseite, die über einen guten Druckpunkt verfügen. Im Alltag erfolgt die Bedienung jedoch hauptsächlich über den Touchscreen. Auf der Unterseite sitzt zudem der leistungsfähige BioActive-Sensor von Samsung, der verschiedene Gesundheits- und Fitnessdaten erfasst.

Einrichtung

Die Galaxy Watch 9 lässt sich spielend einfach mit einem Android-Smartphone einrichten. Nutzer:innen eines iPhones schauen hingegen nach wie vor in die Röhre: Die Galaxy Watch 9 lässt sich nicht mit einem iPhone nutzen. Damit verfolgt Samsung letztlich eine ähnliche Strategie wie Apple: Auch eine Apple Watch lässt sich nicht mit einem Android-Smartphone betreiben. Gut finden wir das übrigens nicht.

Den vollen Funktionsumfang bietet Samsung allerdings nur in Kombination mit einem Galaxy-Smartphone. Die Funktionen Samsung Find, Elektrokardiogramm (EKG) und Blutdruckmessung lassen sich offiziell ausschliesslich mit einem Galaxy-Smartphone nutzen. Ein Umstand, der mich persönlich ziemlich nervt und den Funktionsumfang der Galaxy Watch 9 unnötig einschränkt..

Ausstattung und Display

Die Galaxy Watch 9 gehört zu den ersten Smartwatches, die über den neuen Snapdragon Wear Elite von Qualcomm verbaut haben. Der Chipsatz verfügt gegenüber dem Snapdragon W5+ Gen 2 über eine bis zu 5-fach schnellere CPU, eine 7-fach bessere Grafikleistung (GPU), eine neue Hexagon-NPU für lokale KI-Funktionen und eine um rund 30 Prozent bessere Effizienz. Zudem unterstützt der neue Chipsatz erstmals Bluetooth 6.0. Das UWB- und NFC-Modul hat Samsung von der Galaxy Watch 8 übernommen.

Bild: vybe

Im Alltag fällt das Leistungsplus allerdings kaum auf. Bereits die vorherige Generation liess sich weitgehend flüssig bedienen. Deutlicher werden die Unterschiede bei KI-Funktionen: Die neue NPU sorgt dafür, dass etwa Googles KI-Sprachassistent Gemini sehr schnell auf Eingaben reagiert. Ein grosser Teil der Verarbeitung erfolgt dabei direkt lokal auf der Smartwatch. Auch beim Multitasking liefert die Galaxy Watch 9 eine gute Leistung ab. So lassen sich während einer laufenden Workout-Aufzeichnung problemlos weitere Apps öffnen, ohne dass die Smartwatch dabei ins Stocken gerät.

Die Galaxy Watch 9 verfügt über ein 1,5 Zoll grosses AMOLED-Display mit Always-on-Display-Funktion (AOD), das durch Saphirglas vor Kratzern geschützt wird. Im Vergleich zur Vorgängergeneration scheint Samsung beim Display allerdings keine grossen Änderungen vorgenommen zu haben. Auch bei der Galaxy Watch 9 beträgt die Spitzenhelligkeit 3000 Nits. Das reicht problemlos aus, um die Inhalte selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesen zu können. Hervorzuheben sind zudem die kräftigen Farben, die das Display der Galaxy Watch 9 liefert.

Die Galaxy Watch 9 lässt sich leider nur relativ langsam aufladen | Bild: vybe

Akku und Laden

Gespannt war ich über die Akkulaufzeit. Laut Samsung sollten beide Varianten (40- und 44-mm) eine Laufzeit von bis zu 40 Stunden (ohne AOD) ermöglichen. Im grösseren Modell kommt ein Akku mit einer Kapazität von 445 mAh zum Einsatz. Damit ist er 10 mAh grösser dimensioniert als bei der Galaxy Watch 8. In Kombination mit dem neuen, effizienteren Chipsatz sollten damit längere Laufzeiten möglich sein. Doch wie schlägt sich die Galaxy Watch 9 tatsächlich im Alltag?

Sagen wir es mal so: Für einen Tag reicht die Akkulaufzeit mit eingeschaltetem Always-on-Display (AOD) aus. Die erhoffte grosse Verbesserung gegenüber dem Vorgängermodell bleibt allerdings aus. Tatsächlich muss die Galaxy Watch 9 spätestens nach etwas mehr als einem Tag wieder auf das Ladepad. Und dort lässt sie sich nur gemächlich aufladen: Ein kompletter Ladevorgang von 0 auf 100 Prozent dauert gut und gerne 90 Minuten.

Dieser Umstand steht im Widerspruch zum eigentlichen Einsatzzweck der Smartwatch. Denn wer eine möglichst umfassende Übersicht über seine Vitaldaten erhalten möchte, sollte die Galaxy Watch 9 schliesslich rund um die Uhr tragen – also auch während der Nacht. Wer eine bessere Akkulaufzeit erhofft, muss entweder zur teureren Galaxy Watch Ultra 2 greifen oder sich gleich bei einem anderen Hersteller umsehen.

Es stehen zahlreiche Fitness- und Gesundheitsfunktionen zur Auswahl | Bild: vybe

Fitness- und Gesundheitsfunktionen

Das Herzstück der Galaxy Watch 9 bildet die KI-gestützte Gesundheitsintelligenz. Der BioActive-Sensor erfasst rund um die Uhr zahlreiche Gesundheitsdaten und sammelt damit kontinuierlich Informationen über die Träger:innen. Mithilfe künstlicher Intelligenz soll die Smartwatch daraus ein umfassenderes Verständnis des individuellen Gesundheitszustands entwickeln. Das Resultat: Auf die Nutzer zugeschnittene Empfehlungen in zentralen Bereichen wie Schlaf, Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Erholung.

  • Vitals: Proaktives Tracking der persönlichen gesundheitlichen Basiswerte während des Schlafs und Benachrichtigungen bei grösseren Abweichungen.
  • Heart Health Score: Ein Einblick in die Herz-Kreislauf-Gesundheit der Nutzer:innen dank eines einfachen Punktesystems und individueller Empfehlungen zur Lebensweise.
  • Daily Cardio Load: Optimierung des Trainings durch massgeschneiderte Empfehlungen zum Trainingspensum und zum voraussichtlichen Erholungsbedarf.
  • Fitness Index: Ein ganzheitlicher Überblick über die eigene körperliche Leistungsfähigkeit – mit individuellen Zielen zur Verbesserung der Alltagsleistung.
  • Gehör: Langfristiger Schutz der Hörfähigkeit durch Warnungen bei gefährlichen Lärmpegeln sowie detaillierte Berichte.

In den meisten Fällen liefert die künstliche Intelligenz durchaus nachvollziehbare Empfehlungen. Skeptisch bin ich hingegen bei der Genauigkeit einzelner Messwerte. So lässt sich mit der Galaxy Watch 9 beispielsweise die Körperzusammensetzung bestimmen. Die Messung erfolgt über die seitlichen Tasten der Smartwatch. Sagen wir es einmal so: Meine Withings-Körperwaage liefert mir teilweise völlig andere Werte. Nun lässt sich darüber streiten, welches der beiden nicht-medizinischen Geräte tatsächlich genauer misst. Persönlich würde ich mich bei diesen Werten allerdings eher auf die Withings-Körperwaage verlassen.

Ansonsten kann die Galaxy Watch 9 natürlich auch den Puls messen und ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellen – letzteres allerdings nur, wenn die Smartwatch mit einem Galaxy-Smartphone gekoppelt ist. Die Pulsmessung liefert im Vergleich zu meinem Referenzgerät, einem Garmin-Brustgurt, weitgehend ähnliche Werte. Lediglich bei hochintensiven Workouts zeigte die Galaxy Watch 9 gelegentlich Schwächen und wich teilweise von den Messwerten des Brustgurts ab.

Dank integriertem GPS und zahlreicher Sportmodi eignet sich die Galaxy Watch 9 auch zur Aufzeichnung sportlicher Aktivitäten. Das GPS-Signal wird dabei sehr schnell gefunden. Ich habe die Smartwatch unter anderem beim Bahnschwimmen eingesetzt, wo sie die zurückgelegten Bahnen zuverlässig erfasste. Auch die Pulsmessung im Wasser erwies sich als überraschend genau. Ein ähnlich gutes Bild zeigte die Galaxy Watch 9 auf einer Radtour. Auch hier waren die Abweichungen zu meinem Edge 540 Fahrradcomputer nur gering.

Bild: vybe

Das Testfazit zur Samsung Galaxy Watch 9

Die Samsung Galaxy Watch 9 erweist sich im Test als solide und vielseitige Smartwatch, die insbesondere mit ihrem hellen AMOLED-Display, der guten Verarbeitung und den umfangreichen Fitness- und Gesundheitsfunktionen überzeugt. Auch der neue Snapdragon Wear Elite sorgt für eine flüssige Bedienung und macht sich insbesondere bei KI-Funktionen wie Gemini bemerkbar. Hinzu kommen eine zuverlässige GPS-Ortung und weitgehend präzise Messwerte bei der Aufzeichnung sportlicher Aktivitäten. Damit bietet die Galaxy Watch 9 insgesamt ein überzeugendes Gesamtpaket für Sport, Alltag und Gesundheits-Tracking.

Allerdings leistet sich Samsung auch einige Schwächen. Besonders enttäuschend fällt die Akkulaufzeit aus. Trotz des effizienteren Prozessors hält die Galaxy Watch 9 bei aktiviertem Always-on-Display kaum länger als einen Tag durch. Wer die Smartwatch auch nachts für die Schlafanalyse tragen möchte, kommt deshalb um regelmässiges Aufladen nicht herum. Auch die rund 90 Minuten Ladezeit sind arg an der Grenze. Hinzu kommt die künstliche Beschränkung einzelner Funktionen auf Galaxy-Smartphones. Dass beispielsweise EKG und Blutdruckmessung offiziell nur in Kombination mit einem Samsung-Smartphone funktionieren, ist weiterhin äusserst schade.