Das britische Start-up-Unternehmen Nothing hat vor wenigen Wochen mit dem Phone (4a) und dem Phone (4a) Pro zwei spannende Mittelklasse-Smartphones vorgestellt. Die Pro-Variante positioniert sich als gehobenes Mittelklasse-Smartphone und soll sich durch ein ausgefallenes Design mit Glyph-Display, ein hochwertiges Aluminiumgehäuse und eine Periskop-Telekamera in der hart umkämpften Mittelklasse hervorheben. Ob das gelingt?
Ich nutze das Nothing Phone 4a Pro inzwischen seit gut einem Monat als Hauptgerät. Zuvor verwendete ich das Samsung Galaxy S26 Ultra, ein mehr als doppelt so teures Flaggschiff-Modell. Spoiler: Viel habe ich in dieser Zeit nicht vermisst.
Aussehen und Verarbeitung
Obwohl das Phone 4a Pro bereits für unter 400 Franken erhältlich ist, wirkt es sehr hochwertig. Das liegt am Unibody-Gehäuse aus Aluminium, das allerdings auch für ein etwas höheres Gewicht von 210 Gramm sorgt. Die Verarbeitungsqualität ist zweifelsohne mit der eines Flaggschiff-Smartphones vergleichbar. Mit einer Dicke von 7,95 Millimetern ist es zudem das bisher dünnste Smartphone von Nothing.

Das letztjährige Phone 3a Pro sorgte mit seiner transparenten Rückseite für Aufsehen. Beim neuen Modell verzichtet Nothing auf diesen Eyecatcher und setzt stattdessen auf eine matte Rückseite. Ganz ohne verspielte Elemente kommt aber auch das Phone 4a Pro nicht aus. So setzt Nothing beim Kameramodul auf transparente Elemente und das sogenannte Glyph-Display. Mehr dazu unter Display. Erhältlich ist das Phone 4a Pro in den drei Farben Silber, Schwarz und erstmals Pink.
Dank der IP65-Zertifizierung übersteht das Phone 4a Pro problemlos Spritzwasser. Ein Eintauchen ins Wasser sollte hingegen jedoch vermieden werden, auch wenn Nothing zusätzlich einen Schutz von bis zu 20 Minuten bei einer Wassertiefe von bis zu 25 Zentimetern angibt. Zudem gewährleistet die Zertifizierung einen vollständigen Schutz gegen das Eindringen von Staub. Schade, dass Nothing keine vollständige IP68-Zertifizierung anbietet. Andere Smartphones dieser Preisklasse verfügen über diese.
Neben den gewohnten Tasten auf der rechten Gehäuseseite gibt es auf der linken Seite eine weitere physische Taste, den sogenannten Essential Key. Damit bietet Nothing einen direkten Zugang zum Essential Space. Alle physischen Tasten des Geräts verfügen über einen guten Druckpunkt und unterstreichen damit die hohe Wertigkeit.

Display
Das Nothing Phone 4a Pro ist mit einem 6,83 Zoll grossen LTPS-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2800 x 1260 Pixeln und einer adaptiven Bildwiederholrate von bis zu 144 Hz ausgestattet. Allerdings kann diese nur im Bereich von 30 bis 144 Hz angepasst werden. Flaggschiff-Smartphones wie das Galaxy S26 Ultra ermöglichen eine adaptive Bildwiederholrate im Bereich von 1 bis 120 Hz. Zudem unterstützen nur wenige Apps die butterweichen 144 Hz.
In puncto Farbwiedergabe und Helligkeit kann das Display überzeugen. Laut Nothing erreicht das Display eine maximale Helligkeit von bis zu 1600 Nits. Das reicht im Alltag locker aus, um die Displayinhalte auch noch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesen zu können. Das Display ist ab Werk mit einer Schutzfolie überzogen, was in dieser Preisklasse erfreulich ist. Ansonsten wird das Display durch kratzresistentes Gorilla Glass 7i von Corning geschützt.

Eine kleine Besonderheit ist die Glyph-Matrix auf der Rückseite. Dabei handelt es sich um 137 einzelne Mini-LEDs. Darüber lassen sich beispielsweise die Uhrzeit, die Ladeanzeige oder visuelle Benachrichtigungen anzeigen. Zusätzlich kann sie als Taschenlampe oder Selfie-Spiegel fungieren. Letzteres ist jedoch nur bedingt zu empfehlen, da die Auflösung dafür zu schlecht ist und man kaum etwas erkennen kann.
Ausstattung und Leistung
Für den Takt im Nothing Phone 4a Pro sorgt der Qualcomm Snapdragon 7 Gen 4. Flankiert wird der Chipsatz von 12 GB RAM (LPDDR5X) und einem internen Speicher von 256 GB (UFS 3.1). In ausgewählten Regionen verkauft Nothing das Pro-Modell auch in der Ausführung mit 8 GB RAM und 128 GB interner Speicher. Diese Variante wird in der Schweiz jedoch nicht angeboten.
Der Snapdragon 7 Gen 4 ist ein typischer Mittelklasse-Chipsatz. Er bietet genügend Leistung, um alltägliche Dinge wie Streaming oder Surfen ohne Ruckler zu bewältigen. Apps starten ohne spürbare Verzögerungen. Auch Games laufen auf dem Phone 4a Pro grundsätzlich problemlos. Allerdings können grafikintensive Games nicht in der höchsten Auflösung gespielt werden. Dafür ist die verbaute Grafikeinheit (GPU) schlichtweg zu schwach.
In puncto Konnektivität müssen in dieser Preisklasse noch gewisse Einschränkungen hingenommen werden. So unterstützt das Phone 4a Pro beispielsweise nur den Wi-Fi-6-Standard, nicht jedoch den aktuellen Wi-Fi-7-Standard. Auch steht noch nicht Bluetooth 6 zur Verfügung, sondern nur Bluetooth 5.4. Das ist jedoch nicht dramatisch, da noch lange nicht alle einen Router mit Wi-Fi-7-Unterstützung zu Hause haben. Ein NFC-Chip fürs kontaktlose Bezahlen ist vorhanden und auch Dual SIM (Nano + eSIM) ist dabei.
Das Phone 4a Pro lässt sich entweder per Gesichtserkennung oder über den optischen Fingerabdrucksensor entsperren, der direkt unter dem Display integriert ist und präzise arbeitet.

Kamera
Das Phone 4a Pro verfügt über ein Setup aus drei Kamerasensoren. Erfreulich ist, dass Nothing in der gehobenen Mittelklasse eine 50-Megapixel-Periskop-Telekamera mit optischer Bildstabilisierung (OIS) und 3,5-fachem optischem Zoom anbietet. Das Kamera-Setup wird durch eine 50-Megapixel-Hauptkamera (Sony LYT-700C) mit f/1.88-Blende, eine 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera (Sony IMX355) mit f/2.2-Blende und 120-Grad-Sichtfeld sowie eine 32-Megapixel-Selfiekamera.


Links mit 3,5-fachem Zoom / Rechts mit digitalem Zoom | Galerie: vybe
Fangen wir gleich mit dem Highlight für mich an: der Periskop-Telekamera. Sie ermöglicht es, Motive mit einer 3,5-fachen optischen Vergrösserung näher heranzuholen. Das gelingt der Kamera bei guten Lichtverhältnissen hinsichtlich Farbwiedergabe und Dynamikumfang sehr gut. Selbst mit digitalem Zoom von bis zu einer 7-fachen Vergrößerung sind die Aufnahmen durchaus brauchbar. Hier sorgt die gute optische Bildstabilisierung für verwackelungsfreie Fotos. Weniger geeignet ist die Periskop-Telekamera bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei Nacht. Hierfür nimmt die kleine Blende einfach zu wenig Licht auf.



Galerie: vybe
Bei guten Lichtverhältnissen liefert auch die 50-Megapixel-Hauptkamera von Sony überzeugende Ergebnisse. Nothing hat es geschafft, die Kamera-Software optimal auf den Sensor abzustimmen. Das Resultat sind Fotos mit vielen Details und einem guten Dynamikumfang, selbst bei Gegenlicht. Bei Nacht schaltet sich automatisch der Nachtmodus ein, der wiederum für gute Fotos sorgt.


Galerie: vybe
Im Vergleich zur Haupt- und Telekamera fällt der Ultraweitwinkelsensor mit nur 8 Megapixeln deutlich ab. Während Fotos bei Tageslicht auf dem Smartphone-Display ganz gut aussehen, fallen auf einem grösseren Monitor die fehlende Schärfe, insbesondere an den Rändern, auf. Bei Nacht hat die Ultraweitwinkelkamera, die ohne optische Bildstabilisierung auskommen muss, mit der limitierten Blende zu kämpfen. Wer kein Stativ verwendet, erhält meistens unterdurchschnittliche Aufnahmen.
Videos lassen sich mit der Haupt- und Telekamera mit bis zu 4K bei 30 Bildern pro Sekunde aufzeichen. Die Ultraweitwinkelkamera schafft maximal FullHD-Auflösung. Videos besonders mit der Haupt- und Telekamera sind auf einem guten Niveau. Die Tonqualität ist ebenfalls zufriedenstellend.
Software
Das Nothing Phone 4a Pro wird ab Werk mit Nothing OS 4.1, das auf Android 16 basiert, ausgeliefert. Während Google und Samsung bei ihren Mittelklasse-Smartphones sieben bzw. sechs Jahre grosse Android-Updates und Sicherheitspatches versprechen, sind es bei Nothing drei grosse Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitspatches. Das ist nicht schlecht, im Vergleich zu den Mitbewerbern aber auch nicht herausragend.



Screenshots: vybe
Nothing bietet zahlreiche eigene Widgets und KI-Tools. Die eigene Oberfläche wurde in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und es werden immer wieder neue Features hinzugefügt, die meist in enger Zusammenarbeit mit der Community entstehen. Die meisten dieser Funktionen bieten im Alltag einen Mehrwert, sofern man sich nicht vor KI-Funktionen scheut. Typisch für Nothing ist das Dot-Matrix-Design, das auch in der Benutzeroberfläche geschickt umgesetzt wurde.
Akku
Das Phone 4a Pro ist mit einem 5080-mAh-Akku ausgestattet. Bei nicht zu intensiver Nutzung hält das Smartphone damit bis zu zwei Tage ohne Nachladen aus. Allerdings hängt die tatsächliche Laufzeit stark davon ab, wie das Smartphone genutzt wird. Ich bezeichne mich als Heavy-User und nutze regelmässig Social-Media- und Streaming-Apps. Dennoch hat das Phone 4a Pro problemlos einen ganzen Tag überstanden.
Wenn das Phone 4a Pro wieder mit Strom versorgt werden muss, gelingt dies mit bis zu 50 Watt über den USB-C-Anschluss. Die Spule für kabelloses Laden hat sich Nothing hingegen gespart.

Das Testfazit zum Nothing Phone 4a Pro
Mit dem Phone 4a Pro liefert Nothing ein spannedes Smartphones der gehobenen Mittelklasse. Für unter 400 Franken erhalten Käufer:innen ein hochwertig verarbeitetes Gerät mit eigenständigem Design, hellem 144-Hz-AMOLED-Display, guter Akkulaufzeit und einer überraschend starken Kameraausstattung inklusive Periskop-Telekamera – ein Feature, das in dieser Preisklasse nach wie vor selten anzutreffen ist.
Im Alltag überzeugt das Smartphone mit einer flüssigen Performance, einer aufgeräumten Software und sinnvollen Zusatzfunktionen wie dem Glyph-Display und dem Essential Space. Auch die Hauptkamera liefert bei Tag und Nacht überzeugende Ergebnisse, während die Telekamera insbesondere bei guten Lichtverhältnissen zu den Stärken des Geräts zählt.
Ganz ohne Kompromisse kommt das Phone 4a Pro allerdings nicht aus. Die Ultraweitwinkelkamera fällt qualitativ deutlich hinter die übrigen Sensoren zurück, kabelloses Laden fehlt und bei der Update-Politik sowie der IP-Zertifizierung haben einige Mitbewerber die Nase vorn. Auch der Snapdragon 7 Gen 4 richtet sich klar an Alltagsnutzer und weniger an anspruchsvolle Mobile-Gamer.
Dennoch überwiegen die positiven Eindrücke. Während meines einmonatigen Tests als Hauptgerät habe ich trotz des Wechsels von einem deutlich teureren Flaggschiff kaum etwas vermisst. Wer ein modernes, leistungsfähiges und optisch auffälliges Smartphone mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, findet im Nothing Phone 4a Pro eine der interessantesten Optionen seiner Preisklasse.