Mit dem Era Lite verfolgt PocketBook einen spannenden Ansatz. Während andere Hersteller und Modelle immer mehr Features in ihre eReader stopfen, wählt PocketBook mit dem Era Lite den Weg zur Rückbesinnung in Schwarzweiss. Darüber hab ich hier geschrieben.
Beim PocketBook Era Lite steht das Lesen im Mittelpunkt. Ein Ansatz, der mir durchaus sympathisch ist. Denn nicht alle brauchen Farbdisplays und anderen Firlefanz. Ganz ohne Kompromisse kommt der Era Lite allerdings nicht aus. Einige der bekannten PocketBook-Eigenheiten bleiben nämlich bestehen. Doch dazu später mehr.
Im Lieferumfang befinden sich der eReader, ein USB-C-Ladekabel und die üblichen Anleitungen. Optional – und gegen Aufpreis – gibt es noch einen Klappdeckel, der sich an der Rückseite des Geräts montieren lässt und das Display schützt. PocketBook hat uns ein Testgerät zur Verfügung gestellt.

Design & Handling
Optisch bleibt sich PocketBook treu. Der Era Lite orientiert sich klar an der bisherigen Era-Reihe und liegt mit seinen 204 Gramm angenehm leicht in der Hand. Auch längere Lesesessions werden damit nicht zur Belastung für die Handgelenke.
Besonders praktisch finde ich weiterhin die seitlichen Blättertasten. Gerade wenn man den Reader mit einer Hand hält, sind sie komfortabler als ausschliesslich auf den Touchscreen zu setzen.
Dank integriertem Lagesensor dreht sich die Anzeige automatisch. Ob links- oder rechtshändig, im Hoch- oder Querformat – der Reader passt sich der eigenen Haltung an, ohne dass man ständig in den Einstellungen suchen muss. Dies lässt sich bei Bedarf aber auch ausschalten – habe ich so gemacht, weil ich oft abwechselnd liegend und sitzend lese.

Im Zentrum steht das 7 Zoll grosse E Ink Carta 1300 Display mit einer Auflösung von 1264 × 1680 Pixeln und 300 ppi. Farben fehlen zwar, dafür überzeugt das klassische Schwarz-Weiss-Display mit scharfer Darstellung und hohem Kontrast. Gerade bei Romanen vermisse ich die Farbe kaum.
Ebenfalls enthalten ist das SMARTlight. Damit lassen sich nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Farbtemperatur anpassen. Tagsüber sorgt ein kühleres Licht für gute Lesbarkeit auf dem Balkon, abends wirkt ein wärmerer Ton deutlich angenehmer für die Augen.
Konsequent auf das Lesen fokussiert
Auch bei den Zusatzfunktionen bleibt PocketBook seiner Linie treu. Hörbücher lassen sich via Bluetooth mit Kopfhörern oder Lautsprechern abspielen, zusätzlich steht eine Text-to-Speech-Funktion in mehreren Sprachen bereit. Die Stimmen klingen nach wie vor klar künstlich und ersetzen kein Hörbuch, erfüllen ihren Zweck als Barrierefreiheitsfunktion aber zuverlässig.
Praktisch ist auch die Unterstützung von insgesamt 25 Dateiformaten ohne vorherige Konvertierung. Dazu kommen Adobe DRM und LCP DRM, wodurch sich Bücher aus unterschiedlichsten Quellen problemlos öffnen lassen.
Die Offenheit ist auch ein Schwachpunkt
Neue eBooks können direkt über den integrierten PocketBook-Shop gekauft werden. Wer lieber bei anderen Anbietern einkauft, kann seine Bücher aber auch bequem per Cloud oder Direktmail auf den Reader übertragen. Gerade diese Offenheit gehört für mich weiterhin zu den grossen Stärken von PocketBook – kann für Neulinge aber etwas fummelig und umständlich sein.

Bis man nämlich seine heruntergeladenen Bücher von Tolino und Co. auf dem PocketBook-Reader hat, braucht es ein paar Tutorials oder Tauchgänge in die Tiefen der Bedienungsanleitung. Zumindest für Leute wie mich, die sich mit dem offenen System des PocketBooks noch nicht so gut auskennen.
Bibliothekanbindung wieder dabei
Besonders erfreulich finde ich erneut die direkte Integration von Onleihe und Libby. Wer regelmässig digitale Bücher aus der Bibliothek ausleiht, spart sich damit einige Zwischenschritte und kann direkt loslesen. Die Funktion gab's schon in früheren Geräten, ist hier netterweise auch wieder dabei.
Wie schon beim Vorgänger finden sich daneben weitere Extras wie ein RSS-Feed, Wörterbücher oder kleine Spiele wie Sudoku. Ob man all diese Funktionen tatsächlich nutzt, sei dahingestellt. Aber wie heisst es so schön? «Nützt's nüt, so schadet's nüt».

Das steckt im Era Lite
Mit 16 GB Speicher bietet der Era Lite genügend Platz für tausende eBooks. WLAN, Wörterbücher und das Linux-Betriebssystem gehören ebenfalls zur Ausstattung.
Der Akku hält wieder mehrere Wochen. Während der ganzen Testzeit seit Erhalt des Geräts vor einem Monat (in der Zeit habe ich drei Bücher weggelesen) musste ich den Reader nicht einmal aufladen.
Gegen Spritzwasser schützt die IPX4-Zertifizierung. Für einen Tauchgang im Meer reicht das zwar nicht, ein paar Regentropfen oder ein versehentlich umgestossenes Getränk sollten den Reader aber nicht gleich aus der Ruhe bringen.
Ein Geschenk kann auch nerven
Weniger begeistert bin ich erneut von der grossen Sammlung vorinstallierter Bücher. Klingt komisch, aber lasst es mich erklären. Die Idee ist eigentlich sympathisch: PocketBook liefert kostenlose Literatur in der Form von zahlreichen Klassikern vorinstalliert mit. In der Praxis sorgt das jedoch vor allem für Unordnung.
Weil die Bücher in zahlreichen Sprachen wie Tschechisch, Ungarisch, Polnisch, Portugiesisch, Italienisch oder Niederländisch vorinstalliert sind, verbringe ich nach dem Gerätestart erst einmal einige Zeit damit, die Bibliothek aufzuräumen und Titel zu löschen, die ich ohnehin nie lesen werde – mangels Sprachkenntnisse. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.
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Mein Fazit
Der PocketBook Era Lite verzichtet bewusst auf das grosse Verkaufsargument seines Vorgängers: das Farbdisplay. Überraschenderweise empfinde ich das aber nicht als Rückschritt. Im Gegenteil. Wer hauptsächlich Romane, Sachbücher oder Zeitungsartikel liest, erhält einen angenehm leichten, scharfen und unkomplizierten eReader, der sich auf seine eigentliche Aufgabe konzentriert.
Die bekannten PocketBook-Schwächen verschwinden dadurch zwar nicht, doch wer ein offenes System mit hervorragender Bibliotheksanbindung sucht und auf Farben verzichten kann, findet im Era Lite einen gelungenen Begleiter. Manchmal ist weniger eben doch mehr.
Kaufen kann man das Gerät bei verschiedenen Anbietern wie InterDiscount, Digitec oder Amazon. Die Preisspanne reicht dabei von 155 bis zu 200 Franken.

