Dass chinesische Autobauer konkurrenzfähige Elektroautos und Hybride bauen können, ist längst kein Geheimnis mehr. Wie selbstbewusst sie inzwischen im Premiumsegment auftreten, zeigt Zeekr: Die Geely-Marke ist in Europa mittlerweile mit fünf Modellen vertreten. Das jüngste davon, der Zeekr 9X, trägt dabei sogar ein sechsstelliges Preisschild.
Damit stellt sich die Frage: Wie will Zeekr Kunden in Europa davon überzeugen, sich für die noch junge Marke zu entscheiden? Im Interview mit Motor1 erklärt Europa-Chef Lothar Schupet, worauf Zeekr dabei setzt und warum dabei auch Hybride eine zentrale Rolle spielen.
Europäische Kunden haben andere Ansprüche
Lothar Schupet kennt den europäischen Automarkt aus seiner Zeit bei der BMW Group, wo er vor seinem Wechsel zu Zeekr 23 Jahre lang tätig war. Er weiss bestens: Was sich in China gut verkauft, kommt in Europa nicht automatisch genauso gut an. Im Gespräch mit Motor1 erklärt er, wo Zeekr seine Modelle für europäische Kunden anpassen muss:
«Fahrerlebnis, Dämpfung, Kurvenverhalten, Sicherheitssysteme: In Europa wollen wir schneller und dynamischer sein, während in China die Kunden eher sicherheitsorientiert sind. Wir haben eine ganze Reihe von Dingen, die wir anpassen müssen», sagt Schupet.

Bei der Anpassung seiner Modelle für Europa profitiert Zeekr von der Zusammenarbeit mit Volvo. Beide Marken gehören zum Geely-Konzern. Mit Forschungs- und Entwicklungsstandorten in Schweden, Deutschland und Grossbritannien kann Zeekr seine Fahrzeuge gezielt auf die Erwartungen der europäischen Kundschaft abstimmen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Zeekr 7GT. Zeekr hätte theoretisch auch einfach die Elektrolimousine 007 in Europa anbieten können. Lothar Schupet war jedoch überzeugt, dass ein elektrischer Kombi hier besser ankommen würde. So entstand auf Basis des 007 der 7GT Shooting Brake, der auch in der Schweiz erhältlich ist.
Warum Zeekr in Europa auch auf Hybridantriebe setzt
Schaut man sich die aktuellen Modelle für Europa an, dann fällt auf, dass vier der fünf Zeekr-Modelle in Europa rein elektrisch fahren. Die Ausnahme ist das teuerste Modell: der Zeekr 9X mit seiner sogenannten «Super Hybrid»-Technik. Damit will die Marke auch Kunden erreichen, die noch nicht bereit sind, ganz auf ein Elektroauto zu wechseln.
Gerade bei teureren Modellen soll der Super-Hybrid den Einstieg ins elektrische Fahren erleichtern: Im Alltag lassen sich viele Strecken rein elektrisch zurücklegen, auf längeren Fahrten dient der Verbrennungsmotor als Reserve. Für Lothar Schupet ist das eine Übergangslösung. Er geht davon aus, dass sich diese Kundschaft beim nächsten Autokauf für ein vollelektrisches Modell entscheidet.
Mehr als 200 Händler sollen Vertrauen schaffen
Für Lothar Schuper ist klar: Wer sich als neue Marke in Europa etablieren will, braucht ein dichtes Händlernetz und einen verlässlichen Service. Zeekr strebt deshalb europaweit mehr als 200 Händler und rund 100 zusätzliche Servicepartner an. Entscheidend ist für Schupet auch, dass die Werkstätten schnell an Ersatzteile kommen.
In der Schweiz setzt Zeekr bereits seit dem Marktstart im Juni 2025 auf Emil Frey. Die Gruppe übernimmt den Import und den Aufbau des Händlernetzes. Der 7GT kam hierzulande nach dem Zeekr X, dem 7X und dem 001 hinzu.