2024 führte Audi in China eine neue Schwestermarke ein, die auf die ikonischen vier Ringe verzichtet und stattdessen den Schriftzug «AUDI» in Grossbuchstaben trägt. Sie wurde von Anfang an gezielt für den chinesischen Markt entwickelt. Exporte nach Europa waren nicht Teil der Strategie. Einige unabhängige Händler durchkreuzten diese Pläne jedoch: Sie brachten einzelne Fahrzeuge nach Europa und kümmerten sich um deren Homologation.
Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Audi rechtlich gegen die betroffenen Händler vorgeht. Diesen wurde der Verkauf der grau importierten AUDI-Modelle gerichtlich untersagt. Bei einem Verstoss gegen die Verfügung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250’000 Euro oder ersatzweise Ordnungshaft, die bei Unternehmen am Geschäftsführer vollzogen werden kann. Audi geht also mit harten Bandagen gegen die unabhängigen Importeure vor.
Nun stellt Audi in einer Pressemitteilung nochmals klar: AUDI ist eine «China-exklusive Schwestermarke», die gemeinsam mit dem chinesischen SAIC-Konzern betrieben wird. Ein Europastart ist nicht vorgesehen. Daran ändern offenbar weder die bislang verhaltenen Verkaufszahlen in China noch das Interesse aus Europa etwas. Das finde ich schade, aus Sicht des Herstellers ist die Entscheidung aber durchaus nachvollziehbar.
Denn die chinesischen AUDI-Modelle haben technisch einiges zu bieten und sind den europäischen Audi-Modellen insbesondere bei der Ladeleistung voraus. Hinzu kommen attraktive Preise in China, die sich allerdings nicht direkt auf Europa übertragen lassen. Ein offizielles Angebot könnte dennoch die Frage aufwerfen, wie Audi seine beiden Marken hierzulande voneinander abgrenzen will.
Einen späteren Europastart von AUDI würde ich trotzdem nicht gänzlich ausschliessen. Strategien können sich ändern – gerade in einem Automarkt, der sich derzeit so schnell wandelt. Davon kann auch Volkswagen ein Lied singen: Audis Mutterkonzern prüft Berichten zufolge, ob die bislang für China vorgesehene Technik künftig auch in europäischen Modellen zum Einsatz kommen könnte.