Bisher lief der Technologietransfer in der Autoindustrie meist in eine Richtung: Von Europa nach China. Westliche Hersteller kauften chinesische Assistenzsoftware höchstens für Modelle, die sie in China verkaufen. Jetzt dreht sich das. Der chinesische Softwarespezialist Momenta entwickelt Fahrassistenzsysteme für neue Modelle von Peugeot und Jeep, und zwar ausdrücklich auch für Europa. Die ersten Fahrzeuge sollen ab 2027 auf den Markt kommen.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung am 24. September in Shanghai, bekannt gegeben hat Momenta sie am 28. September. Partner auf Seiten von Stellantis ist nicht der Konzern selbst, sondern Dongfeng Stellantis Automotive Technology (DSAT) mit Sitz in Wuhan. Dieses Gemeinschaftsunternehmen haben Stellantis und der chinesische Autobauer Dongfeng laut der Nachrichtenagentur «Reuters» erst im August gegründet, um besser gegen die chinesische Konkurrenz bestehen zu können.
Elektroautos und Plug-in-Hybride ab 2027
Laut der Mitteilung von Momenta gilt die Zusammenarbeit für neue Elektroautos und Plug-in-Hybride. Diese sollen ab 2027 zuerst in China und danach in Europa und weiteren Märkten starten. Grundlage ist Momentas KI-Modell R7, das der Hersteller als «Weltmodell» bezeichnet. Die Systeme sollen im Stadtverkehr, auf langen Strecken, beim Parken auf engem Raum, auf Schnee sowie abseits befestigter Strassen funktionieren.
Dabei soll jede Marke ihren eigenen Charakter behalten: Bei Peugeot steht die Fahrdynamik im Vordergrund, bei Jeep die Geländetauglichkeit. Längerfristig wollen die Partner auch Funktionen nach Level 3 entwickeln. Auf dieser Stufe darf das Auto in bestimmten Situationen selbst fahren, und der Fahrer kann die Aufmerksamkeit vorübergehend vom Verkehr abwenden. Welche Modelle die neuen Systeme zuerst erhalten, haben die Unternehmen noch nicht verraten.
Wer ist Momenta?
Momenta ist an der Börse in Hongkong kotiert und gehört zu den grössten Anbietern von Fahrassistenzsoftware in China. Laut «Reuters» ist die Software bereits in über 1,2 Millionen Fahrzeugen unterwegs, bisher vor allem bei deutschen Premiumherstellern. Mit Peugeot und Jeep kommen nun zwei Volumenmarken dazu.
Momenta-Chef Cao Xudong sieht im Deal eine Bestätigung für die chinesische KI-Entwicklung: Die Anerkennung durch DSAT, Peugeot und Jeep gebe dem Unternehmen «noch mehr Vertrauen in das globale Potenzial von Physical AI aus China».
Was heisst das für die Schweiz?
Peugeot und Jeep sind hierzulande gut vertreten. Ob die Modelle mit der Momenta-Software auch in der Schweiz angeboten werden, ist zwar noch offen. Der ausdrückliche Fokus auf Europa macht das aber wahrscheinlich. Rechtlich stünde zumindest nichts im Weg: Seit März 2025 ist automatisiertes Fahren, etwa mit einem Autobahnpiloten, in der Schweiz unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Eine eigene Mitteilung von Stellantis gibt es bisher übrigens nicht. Die Informationen stammen von Momenta und aus dem Bericht von «Reuters».