Die Flaggen Südkoreas und Südafrikas sowie das FIFA-Logo vor ihrem Spiel bei der Weltmeisterschaft 2026 im BBVA-Stadion in Monterrey, Mexiko.
Die Fussball-WM 2026 wurde in der Schweiz auf SRF übertragen. Ändert sich das womöglich in der Zukunft? | Bild: Wikimedia Commons/Balaenicactus 
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Netflix will die Fussball-WM – was heisst das für die Schweiz?

Netflix will die Fussball-WM der Männer zeigen – vorerst nur in den USA. Wir ordnen ein, was das für Europa und die Schweiz bedeutet.

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

Netflix und Live-Sport – vor ein paar Jahren hätte das noch nach einem Widerspruch geklungen. 2022 haben wir noch darüber berichtet, dass Netflix überhaupt erst mit Live-Streaming experimentieren könnte. Heute zeigt der Streamingdienst NFL-Spiele, grosse Boxkämpfe und hat sich in den USA die Rechte an den Frauen-Fussballweltmeisterschaften 2027 und 2031 gesichert. Und jetzt schielt Netflix auf das ganz grosse Ding: die Fussball-WM der Männer.

Content-Chefin Bela Bajaria bekräftigte am Donnerstag an der «Business of Entertainment»-Konferenz der «Financial Times» das Interesse: «Wir haben eine grossartige Beziehung zur FIFA, weil wir die Frauen-WM haben, und wir führen diese Gespräche.» Netflix wolle Sportereignisse, die sich nach einem «Event» anfühlen – und das ist eine WM zweifellos. Schon vergangene Woche hatte Bajaria gegenüber dem US-Sender CNBC ähnliche Töne angeschlagen.

Worum es konkret geht

Die FIFA hat erste Gespräche über die US-Übertragungsrechte für die WM 2030 und 2034 aufgenommen. 2030 findet das Turnier in Marokko, Portugal und Spanien statt, die Eröffnungsspiele werden in Uruguay, Argentinien und Paraguay ausgetragen. 2034 ist Saudi-Arabien Gastgeber. Laut Berichten will die FIFA die englisch- und spanischsprachigen Rechte für die USA und Puerto Rico in einem einzigen Paket verkaufen. Das könnte einem Streamingdienst entgegenkommen, der mehrere Sprachversionen parallel anbieten kann. CNBC hatte im Juli berichtet, das Paket könnte bis zu zwei Milliarden Dollar wert sein.

Netflix ist dabei nicht allein: Auch Fox, NBC, Disney mit ESPN, YouTube, Amazon mit Prime Video und Apple gelten als Interessenten. Würde Netflix den Zuschlag bekommen, wäre die Männer-WM in den USA erstmals exklusiv bei einem Streamingdienst zu sehen.

Was heisst das für Europa und die Schweiz?

Vorerst: nichts. Es geht ausschliesslich um den US-Markt. TV-Rechte an Weltmeisterschaften werden Land für Land vergeben. In der Schweiz hat SRF die WM 2026 umfassend übertragen und alle 104 Spiele live im Stream gezeigt. Auch die Frauen-WM 2027, die in den USA bei Netflix läuft, hat sich hierzulande die SRG gesichert. Wer die Männer-WM 2030 in der Schweiz zeigt, ist unseres Wissens noch nicht kommuniziert.

Ein Blick nach Deutschland zeigt aber, dass auch in Europa immer öfter private Plattformen den Zuschlag erhalten: Dort hat sich die Telekom im Juli die Rechte an allen 104 Spielen der WM 2030 für MagentaTV gesichert. Ob einzelne Partien zusätzlich im Free-TV laufen, ist noch offen. Streaming- und Pay-TV-Anbieter drängen also auch in Europa immer stärker ins Geschäft mit dem Fussball.

Und Netflix selbst? Der Dienst setzt im Sport bisher vor allem auf einzelne Grossereignisse, die weltweit laufen. Am 11. Dezember etwa überträgt Netflix den Schwergewichts-Boxkampf zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua live aus Cardiff – für alle Abonnentinnen und Abonnenten weltweit, also auch in der Schweiz, ohne Aufpreis. Ein WM-Deal für Europa ist derzeit aber kein Thema.

Eigene Meinung

Die Verschiebung zu Streamern im Fussballsport ist nichts neues. Wer heutzutage etwa Spiele aus mehreren europäischen Ligen streamen möchte, braucht gefühlt ein Dutzend verschiedene Streamer.

Nun möchten sich die Streaming-Dienste also auch den weltweiten Fussball einverleiben. Ganz so schlimm ist es für Fans aber nicht. Im wesentlichen macht es keinen grossen Unterschied, ob die Fussball-WM jetzt auf SRF oder Netflix läuft – ausser, dass man für Netflix ein Abo lösen muss.

Es wäre aber durchaus möglich, dass dies auch seine Vorteile hätte. So dürften Spiele noch länger als Stream verfügbar sein, damit man sich die besten (oder nervenaufreibendsten) Szenen nochmals anschauen kann.

Bleibt nur zu hoffen, dass die FIFA nicht auf komische Ideen kommt, um noch mehr Geld zu machen. Etwa, dass die Vorrunde und die KO-Phase separat verkauft werden. So könnten wir uns sonst bald in einer ähnlichen Situation wiederfinden, wie bei der Übertragung des Clubfussballs.

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