Google investiert 75 Millionen in «Backrooms»-Filmstudio A24
Das unabhängige Filmstudio kriegt 75 Millionen von Google. | Bild: A24
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Google investiert 75 Millionen in «Backrooms»-Filmstudio A24

Pascal Scherrer
Pascal Scherrer

Unter Filmfans ist das Independent-Filmstudio A24 längst ein Begriff. Für viele ist es eines der wenigen Hollywood-Studios, das noch einzigartige Filme produziert. Einer davon feiert aktuell gerade riesige Erfolge an den Kinokassen: «Backrooms». Bei geschätzten Produktionskosten von nur gerade zwanzig Millionen US-Dollar hat der Film weltweit schon über 200 Millionen eingespielt.

Nun darf A24 einen weiteren Erfolg vermelden: Google wird über die nächsten Jahre 75 Millionen US-Dollar in A24 investieren. Dies vermeldete das «Wall Street Journal» in einem Artikel. Später bestätigte Google dies in einem eigenen Blogbeitrag, ging aber nicht näher auf die Höhe der Investition ein.

Künstliche Intelligenz für Filmschaffende

Es ist das erste Mal überhaupt, dass Google Geld in ein Filmstudio steckt. Zum Filmstudio werden möchte Google nicht. Vielmehr geht es auch hier um das Thema künstliche Intelligenz. Genauer gehen Googles KI-Abteilung DeepMind und A24 eine Forschungspartnerschaft ein.

Die Partnerschaft sei dabei nicht exklusiv und das Studio A24 soll weiterhin komplett unabhängig bleiben. Vielmehr möchte Google zusammen mit A24 gezielt KI-Werkzeuge für Filmschaffende entwickeln.

Bereits jetzt bietet Google für Filmschaffende etliche KI-Werkzeuge, mit denen sich unter anderem visuelle Effekte generieren lassen. Diese hat Google in der KI-Plattform Google Flow zusammengefasst. Sie erlaubt es unter anderem aus Bildern und Textprompts Videos zu erstellen. Unter der Haube von Google Flow steckt dabei Googles Video-KI «Veo».

Google Flow ist ein KI-Tool für Filmschaffende, das laufend ausgebaut wird.

Die KI-Zukunft kennt keine Text-Prompts mehr

Google betont in seinem Blogpost aber bereits, dass Textprompts nicht die Zukunft sein würden. Mit diesen würden sich viele Personen unwohl fühlen. Stattdessen würden die KI-Werkzeuge der Zukunft für Filmschaffende ganz anders aussehen. Was genau das heisst, hat Google in seinem Beitrag nicht näher erläutert.

Die Zusammenarbeit mit A24 soll nun also genau diese «KI-Werkzeuge der Zukunft» im Filmbereich hervorbringen. A24 wird dabei vor allem beratend zur Seite stehen. Weder die Bibliothek von A24 noch Daten des Studios fliessen in den Deal mit ein.

Künstliche Intelligenz ist in der Filmbranche angesagt

Auch wenn die Investition für Google und A24 ein Novum darstellt, ist KI in der Filmbranche bereits weit verbreitet. So werkeln etwa Netflix und Amazon MGM an eigenen KIs, die sicher bald in den Eigenproduktionen zum Einsatz kommen dürften. In Deutschland hat diese unter anderem zu einem Boykott durch Synchronsprecher:innen geführt. Dies, da Netflix deren Stimmen zu Trainingszwecken für seine KI nutzen wollte.

Amazon MGM hat derweil bereits eine KI-Schauspielerin entwickelt, die nun zu einem Franchise ausgebaut werden soll. Amazon schwebt dabei ein ganzes Universum an künstlichen Schauspieler:innen vor. Das Filmstudio Lionsgate, von dem unter anderem die «Hunger Games»-Filme stammen, arbeitet mit dem KI-Startup Runway zusammen. Dieses hat eines der besten Tools für KI-Videos im Film-Look entwickelt.

Eigene Meinung

Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis künstliche Intelligenz in Filmen grossflächig zum Einsatz kommt. Das hat sicher auch seine positiven Seiten: So könnten z.B. die Lippenbewegungen bei Synchronisationen perfekt angepasst werden. Auch könnten die Produktionskosten von Filmen und Serien sinken, was dazu führen könnte, dass etwa Serien schneller profitabel sind und nicht vorzeitig abgesetzt werden.

Auch für Filmschaffende, die kein oder nur ein kleines Budget haben, ermöglicht KI plötzlich ganz neue Perspektiven. So können visuelle Effekte plötzlich am heimischen Computer erstellt werden. Dass die Resultate dabei immer besser werden, zeigen etliche Videos auf YouTube, die sich mit dem Thema beschäftigen.

KI-generierte Effekte sind noch nicht perfekt – holen aber immer mehr auf.

Erste Auswirkungen bereits vorhanden

Auf der anderen Seite bleibt die grosse Frage der künstlerischen Freiheit. Wenn künstliche Intelligenz bestimmt, wie eine Emotion eines Schauspielers auszusehen hat, welchen Wert hat ein KI-generierter Film dann überhaupt noch? Ganz zu schweigen davon, dass viele Personen, die in der Filmbranche arbeiten, wohl arbeitslos werden.

Auch für Zuschauer hat dies bereits merkliche Auswirkungen. In Deutschland wird etwa Jason Momoa bei neuen Netflix-Produktionen bald mit neuer Synchronstimme über die Bildschirme flimmern. Dies, weil die originalen Synchronsprecher ihre Stimmen nicht kostenlos und uneingeschränk an Netflix für KI-Trainigns abtreten wollen.

Netflix hat diese Klausel in die neuen Verträge aufgenommen. Die berechtigte Berfürchtung der Synchronsprechenden ist nun, dass Netflix die Stimmen später klonen und so die echten Synchronstimmen ersetzen könnte.