Schon länger ist bekannt, dass BYD auch in Europa ein eigenes Netz mit Flash-Charging-Schnellladestationen aufbauen möchte. Auch in der Schweiz sollen entsprechende Stationen mit Ladeleistungen von bis zu 1500 kW entstehen, gab BYD-Schweiz-Chef im Gespräch mit finews.ch bekannt. Aktuell wartet BYD allerdings noch auf die notwendige Zertifizierung.
Läuft alles nach Plan und wird die Zertifizierung zeitnah erteilt, sollen bis Ende 2026 bereits 20 Schnellladestationen schweizweit installiert werden – zunächst vor allem bei den eigenen Handelspartnern, später auch in Zusammenarbeit mit bestehenden Ladenetzbetreibern. Im kommenden Jahr soll das Schweizer Netz dann bereits auf 100 Standorte wachsen.
An den Flash-Charging-Schnellladestationen von BYD lässt sich ein entsprechend ausgestattetes Elektroauto in nur neun Minuten von 10 auf 97 Prozent aufladen. In der Schweiz kann diese extreme Ladeleistung derzeit allerdings nur der Z9GT von BYDs Premiummarke Denza ausschöpfen. In China verbaut BYD die dafür notwendige Blade Battery 2.0 inzwischen jedoch auch in günstigeren Mittelklassemodellen.¨

Einschätzung
Dass BYD in der Schweiz ein eigenes Schnellladenetz aufbauen möchte, halte ich für einen durchaus spannenden Schritt. Bislang haben nur wenige Autohersteller eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut. Das prominenteste Beispiel ist zweifellos Tesla mit seinem inzwischen weitverbreiteten Supercharger-Netz. In der Schweiz betreibt Tesla aktuellen Zahlen zufolge 34 Supercharger-Standorte mit mehr als 410 einzelnen Schnellladeplätzen.
Zumindest bei der Anzahl der Standorte könnte BYD Tesla in der Schweiz bereits im kommenden Jahr übertreffen. Bei der Ladeleistung stellt der chinesische Autobauer die Konkurrenz ohnehin deutlich in den Schatten: Bis zu 1500 kW wirken heute zwar noch überdimensioniert, zumal derzeit kaum ein Elektroauto diese Leistung ausschöpfen kann. Das dürfte sich in den kommenden Jahren jedoch ändern.
Spannend bleibt, welche Preise BYD an seinen Flash-Charging-Schnellladestationen für den Strom verlangen wird. Ebenso muss sich zeigen, wie schnell die angekündigten Standorte in der Schweiz tatsächlich entstehen. Ein zügiger Ausbau könnte jedoch auch andere Autohersteller und Ladenetzbetreiber unter Druck setzen, ihre Infrastruktur auszubauen und leistungsfähigere Schnellladestationen anzubieten.