Mit dem neuen ID. Tiguan überträgt Volkswagen erneut einen bekannten Modellnamen auf ein Elektroauto. Damit gehen gewisse Erwartungen einher, die der ID. Tiguan aus meiner Sicht allerdings nicht vollends erfüllt. Bereits in meiner Einschätzung kritisierte ich insbesondere die begrenzte Ladeleistung für ein Auto, das immerhin mindestens 52'200.00 Franken kostet. Hier macht sich die weiterhin auf einer 400-Volt-Architektur basierende MEB-Plattform bemerkbar.
Die Reichweite von etwas über 600 Kilometern ist nicht schlecht, setzt in dieser Preisklasse aber auch keine neuen Massstäbe. Genau hier will Volkswagen im kommenden Jahr nachlegen. Während die bislang grösste Batterie des ID. Tiguan eine Kapazität von 77 kWh bietet, hat der deutsche Autobauer für das kommende Jahr bereits eine neue 90-kWh-Batterie bestätigt. Sie könnte direkt mit dem ID. Tiguan R starten. Die sportliche Variante soll Ende 2027 auf den Markt kommen.

Plötzlich doch mit schnellerer Ladeleistung?
Auf der britischen VW-Website findet sich bereits eine erste Ankündigung zur grösseren 90-kWh-Batterie. Neben einer Reichweite von über 700 Kilometern stellt der Eintrag auch kürzere Ladezeiten in Aussicht: Laut Werbetext soll sich die Batterie in nur 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen. Das würde eine deutlich höhere Ladeleistung voraussetzen. Mit den maximal 165 kW der bisherigen ID. Tiguan-Modelle wäre diese Ladezeit rechnerisch nicht erreichbar.
Die Ladezeit würde sich damit gegenüber den bisherigen 29 Minuten um neun Minuten verkürzen – trotz grösserer Batterie. Doch wie will Volkswagen das erreichen? Denkbar ist, dass der Hersteller aus der MEB+-Plattform eine deutlich höhere Ladeleistung herausholt. Eine andere Plattform für das kommende Topmodell ID. Tiguan R, das namentlich auf der britischen Website erwähnt wird, wäre ebenfalls eine mögliche Erklärung, ist bislang aber nicht bestätigt.

Grundsätzlich sind auch mit einer 400-Volt-Architektur höhere Ladeleistungen möglich, wie etwa Xpeng beim L03 mit über 235 kW zeigt. Dass Volkswagen die MEB-Plattform kurz nach dem letzten Upgrade nochmals umfassend überarbeitet, erscheint mir allerdings wenig wahrscheinlich. Eine denkbare Alternative wäre die PPE-Plattform, die bislang den teureren Modellen von Audi und Porsche vorbehalten ist. Ob Volkswagen diesen Schritt tatsächlich erwägt, ist jedoch offen.