Der VW ID. Polo erfreut sich einer hohen Nachfrage in Europa.
Der VW ID. Polo erfreut sich einer hohen Nachfrage in Europa | Bild: Volkswagen
News Volkswagen Renault

Lange Wartezeiten bei VW und Renault: Profitiert jetzt die Konkurrenz aus China?

Lange Lieferzeiten bei VW ID. Polo und Renault 5 könnten Käufer zur Konkurrenz aus China treiben. Wird die hohe Nachfrage zum Problem?

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Elektro-Kleinwagen erfreuen sich in Europa einer hohen Nachfrage. Das bekommen auch Volkswagen und Renault deutlich zu spüren. Einerseits ist das für die Hersteller ein erfreuliches Zeichen, andererseits stellt sie der Erfolg vor erhebliche Herausforderungen. Vor allem die beiden genannten Autobauer haben Mühe, mit der Produktion Schritt zu halten und die zahlreichen Bestellungen zeitnah auszuliefern.

Beim VW ID. Polo beträgt die Lieferzeit für die besser ausgestatteten Varianten inzwischen bis zu zwölf Monate. Wer hingegen das günstigste Modell mit der kleinen Batterie bestellt, muss Berichten zufolge sogar fast zwei Jahre warten. Deshalb sollen Händler interessierten Kundinnen und Kunden teilweise empfehlen, stattdessen zu einer teureren und immerhin etwas schneller verfügbaren Variante zu greifen.

Nicht anders sieht es beim französischen Autobauer Renault aus. Auch dort müssen sich Kundinnen und Kunden auf längere Lieferzeiten einstellen – insbesondere beim erfolgreichen Renault 5 E-Tech Electric. Beim Renault 5 beträgt die Lieferzeit aktuellen Berichten zufolge derzeit allerdings «nur» rund vier bis fünf Monate. Damit müssen sich Käuferinnen und Käufer zwar ebenfalls gedulden, jedoch längst nicht so lange wie beim VW ID. Polo.

Der Renault 5 E-Tech Electric mit gelber Lackierung.
Der Renault 5 E-Tech Electric ist ebenfalls sehr gefragt | Bild: Renault

Die Konkurrenz schläft nicht und kann schneller liefern

Vor allem chinesische Hersteller drängen derzeit mit zahlreichen neuen Modellen auf den europäischen Markt. Allein in diesem Jahr haben mehrere Marken ihren Markteintritt in Europa und der Schweiz angekündigt. Geely bringt beispielsweise den E2 zu einem attraktiven Preis in die Schweiz. Der kompakte Stromer tritt in einer ähnlichen Fahrzeugklasse wie der VW ID. Polo an. Auch Hersteller wie Leapmotor und Chery erweitern ihr europäisches Angebot um preiswerte Elektro-Kleinwagen.

Viele chinesische Hersteller können ihre Elektroautos deutlich schneller ausliefern als die europäische Konkurrenz. Das könnte Kundinnen und Kunden, die ursprünglich ein europäisches Modell ins Auge gefasst hatten, aufgrund der langen Wartezeiten zum Umdenken bewegen. Statt ein Jahr oder länger zu warten, dürfte sich mancher letztlich für ein kurzfristig verfügbares Fahrzeug aus China entscheiden.

Die hohe Nachfrage nach Elektro-Kleinwagen könnte sich für Volkswagen und Renault somit zunehmend zum Problem entwickeln. Schliesslich lassen sich die Produktionskapazitäten nicht von heute auf morgen beliebig erhöhen. Entscheidend wird daher sein, wie geduldig und markentreu die europäische Kundschaft tatsächlich ist – oder ob sie angesichts langer Wartezeiten doch zur schneller verfügbaren Konkurrenz aus China wechselt.

Mehr zum Thema: