Das klassische Mass-Market-Paperback gilt in Nordamerika eigentlich als Auslaufmodell. Nachdem der Grossdistributor ReaderLink die Auslieferung des Formats Ende 2025 eingestellt hatte, schien das Ende der kleinen und günstigen Taschenbücher besiegelt. Darüber hab ich hier geschrieben:

Doch ausgerechnet in Kanada gibt es nun einen Versuch, dem Format neues Leben einzuhauchen.
Die kanadische Buchhandelskette Indigo Books & Music arbeitet seit Mai mit mehreren heimischen Verlagen zusammen, darunter Dundurn Press, Harbour Publishing und HarperCollins Canada. Gemeinsam bringen sie ausgewählte Sachbücher in einem kompakten Format von rund zehn mal 20 Zentimetern auf den Markt. Die sogenannten «Pocket Paperbacks» kosten weniger als 20 kanadische Dollar und werden häufig im Rahmen von Aktionen wie «zwei Bücher für 20 Dollar» verkauft.
Laut «The Globe and Mail» wurden bereits mehrere tausend Exemplare unter die Leute gebracht. Aktuell umfasst das Programm rund 30 Neuauflagen, die überwiegend von kanadischen Autorinnen und Autoren stammen.
Ein Format auf dem Rückzug
Der kanadische Comeback-Versuch kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Mass-Market-Paperback vielerorts bereits als praktisch ausgestorben gilt. Noch vor rund 20 Jahren gehörten die kleinen Taschenbücher zum festen Sortiment von Supermärkten, Kiosken, Bahnhöfen und Flughäfen. Mit ihren typischen Massen von etwa 17 mal 11 Zentimetern waren sie kleiner und günstiger als reguläre Taschenbücher.
Doch die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen. Wie «Publishers Weekly» berichtet, sank der Absatz in den USA von rund 131 Millionen Exemplaren im Jahr 2004 auf nur noch etwa 21 Millionen im Jahr 2024. Als Gründe für den Niedergang gelten unter anderem die Konkurrenz durch E-Books und Hörbücher sowie veränderte Lesegewohnheiten.
Wohl kein grosses Comeback in Sicht
Trotz der positiven Resonanz in Kanada rechnen selbst Branchenbeobachter nicht mit einer Rückkehr zu den Glanzzeiten des Formats. Traditionell waren Mass-Market-Paperbacks vor allem bei Krimis, Liebesromanen oder Science-Fiction beliebt. Dass Indigo ausgerechnet mit Sachbüchern experimentiert, macht das Projekt zusätzlich zu einem Sonderfall.
Trotzdem: Mal schauen, wie sich der Versuch entwickelt. Wer weiss, vielleicht kann ich bald wieder meine geliebten billig produzierten Taschenbücher im Kleinformat am Flughafenkiosk ergattern. Wünschenswert wäre es.