Leapmotor hat am Pariser Autosalon eine Nachricht vermeldet, die für den chinesischen Autobauer wichtiger sein dürfte als jede Messe-Premiere: Im spanischen Zaragoza hat die Serienfertigung des Kompakt-SUV B10 begonnen, wie der Hersteller mitteilt. Zum ersten Mal baut Leapmotor damit ein Auto in einer eigenen Fabrik auf europäischem Boden.
Hinter dem Standort steckt die Allianz mit Stellantis: Der Mutterkonzern von Opel, Peugeot und Fiat stieg 2023 mit 1,5 Milliarden Euro bei Leapmotor ein und hält seither rund einen Fünftel der Anteile, so viel wie kein anderer ausländischer Investor.
Das Geschäft ausserhalb Chinas, die Schweiz eingeschlossen, wickelt das Joint Venture Leapmotor International ab, an dem Stellantis mit 51 Prozent die Mehrheit besitzt. In Zaragoza können die Chinesen nun auf die eingespielte Fertigungsinfrastruktur des Partners zurückgreifen.
Zweiter Versuch, diesmal mit längerem Atem
Lokale Produktion hat Leapmotor schon einmal ausprobiert: Von 2024 bis im Frühjahr 2025 wurde der Kleinstwagen T03 in einem polnischen Stellantis-Werk gefertigt. Der neue Anlauf ist breiter abgestützt. So soll Zaragoza ab 2028 auch ein kompaktes Elektro-SUV von Opel fertigen, das Technik von Leapmotor nutzt. In Madrid wiederum ist geplant, das Stellantis-Werk Villaverde der spanischen Tochter von Leapmotor International zu übergeben.
Dass chinesische Hersteller in Europa eigene Fabriken aufbauen, hat handfeste Gründe: Wer vor Ort produziert, umgeht die EU-Zusatzzölle auf Elektroautos aus China, spart sich den wochenlangen Schiffstransport und kann schneller auf die Nachfrage reagieren. Leapmotor fasst das unter dem Motto «in Europe, for Europe» zusammen.
105'656 Autos in einem einzigen Monat
Der Ausbau fällt in eine Phase, in der es für die Marke kaum besser laufen könnte. Im September hat Leapmotor laut «CnEVPost» 105'656 Fahrzeuge ausgeliefert und hielt sich damit zum dritten Mal hintereinander über der Schwelle von 100'000 Autos, die der Hersteller im Sommer erstmals übersprungen hatte. Seit Jahresbeginn summieren sich die Auslieferungen auf 666'539 Stück: rund 68 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode und schon jetzt mehr als im gesamten Jahr 2025. Bis Silvester sollen daraus eine Million werden.
Und die Schweiz?
Hierzulande gehört der B10 seit 2025 zum Angebot. Von den EU-Zöllen ist die Schweiz zwar gar nicht betroffen, trotzdem geht uns die spanische Fertigung etwas an: Autos aus Zaragoza sind deutlich schneller bei den Händlern als Ware aus Fernost, was die Lieferfristen verkürzen dürfte. Ob Leapmotor die Schweiz künftig allerdings tatsächlich aus Spanien beliefert und ob die gesparten Logistikkosten irgendwann in den Preisen ankommen, bleibt vorerst offen.