Erst vor wenigen Tagen hatte Aito-Hersteller Seres bekannt gegeben, dass man 2027 nach Europa expandieren möchte. Nun macht der Hersteller aber im Heimatland Schlagzeilen. Dort geht Seres nämlich gegen einen Mann vor, der ein KI-generiertes Video verbreitet hat. Dessen Inhalt richtet sich dabei gegen Aito.
Im Video ist ein Fahrzeug von Aito zu sehen, dessen Karosserie während der Fahrt mehr und mehr in sich zusammenfällt. Ein Voice-Over zweifelt dabei die Sicherheit des Fahrzeugs an. Das KI-generierte Video wurde auf einer Kurzvideoplattform hochgeladen.
Obwohl das Video es auf nicht einmal 3000 Klicks gebracht hat, findet Seres das ganz und gar nicht lustig. Sie verklagten den Mann hinter dem Video auf eine Million Yuan Schadenersatz. Das sind umgerechnet rund 125'000 Franken. Weiterhin fordern sie, dass das Video gelöscht wird, eine öffentliche schriftliche Entschuldigung und die Übernahme sämtlicher Verfahrungskosten.
Nutzer ist sich seiner Verantwortung nicht bewusst
Falls sich der Mann nicht fristgerecht entschuldigt, kann es für ihn noch teurer werden: In diesem Fall kann das Gericht das Urteil in landesweiten Zeitungen veröffentlichen lassen – natürlich auf seine Kosten.
Der Beklagte selbst gibt sich in Chatnachrichten laut Chinesischen Medien überrumpelt. Er sagt, dass dies die erste Vorladung seines Lebens sei und zweifelt an, dass er ernsthaft zahlen müsse. Experten sehen das jedoch anders. Wer ein KI-Video generiert, bleibt haftbar, auch wenn die KI das Material generiert hat.
Seres geht strickt gegen Verleumdung vor
Es ist nicht das erste Mal, dass Seres gerichtlich gegen rufschädigende Inhalte vorgeht. Bereits im Mai hatte der Konzern einen Nutzer verklagt, der auf einer Frageplattform unwahre Inhalte über Aito verbreitet hatte.
Erst vor wenigen Tagen hatte Seres deshalb auch angekündigt, einen festen Reaktionsmechanismus gegen Rufschädigungen einzurichten. Verwunderlich ist das nicht. Seres ist Aito im Premium-Segment unterwegs und kann sich daher nicht den kleinsten Zweifel an der Qualität der Fahrzeuge leisten. Vor allem in Anbetracht einer Expansion nach Europa.
Eigene Meinung
Eine sehr interessante Entwicklung. Es dürfte wohl kein Einzelfall bleiben und nur eine Frage der Zeit sein, bis so etwas auch in Europa passiert. Dass Hersteller da konsequent dagegen vorgehen, ist verständlich.
Ziemlich naiv scheinen mir solche Nutzer, wie der Mann aus China zu sein. Heutzutage etwas im Internet zu veröffentlichen und zu denken, man bleibe anonym, zeugt von sehr viel Unwissenheit. Und damit bestätigte sich eben auch etwas, wofür die deutsche Bundeskanzlerin Merkel 2013 von vielen Ausgelacht wurde: «Das Internet ist für uns alle Neuland.» Für uns alle sicher nicht. Aber leider für mehr Personen, als man wahrhaben möchte.
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