Ganze neun Jahre nach der ersten Ankündigung hat Tesla nun tatsächlich die zweite Generation des Roadster vorgestellt – auf einem, sagen wir mal, spektakulären Event. Mit dem damals präsentierten Roadster hat das neue Modell allerdings nur noch wenig gemeinsam. Und wer eine «klassische» Fahrzeugpremiere erwartet hatte, dürfte ohnehin enttäuscht worden sein. Statt technischer Details standen eher kuriose Showeinlagen im Vordergrund.
Bereits im Vorfeld hatte Tesla die Vorbestellungen geöffnet. Wer sich die Variante «Performance» sichern möchte, muss insgesamt 50’000 Franken anzahlen: 5000 Franken werden sofort fällig, weitere 45’000 Franken innerhalb von zehn Tagen. Noch deutlich höher fällt die Anzahlung für die Variante «Thrust» aus. Hier müssen nach den ersten 5000 Franken innerhalb von zehn Tagen weitere 245’000 Franken überwiesen werden – insgesamt also 250’000 Franken.
Das Problem: Wer vorbestellt, erhält keinen verbindlichen Liefertermin. Laut Tesla-Chef Elon Musk wird eine Auslieferung im Jahr 2028 angepeilt. Nach all den Verzögerungen bei der zweiten Generation des Roadster dürfte aber auch dieser Zeitplan alles andere als sicher sein. Wer möchte schon bis zu eine Viertelmillion Franken anzahlen, ohne zu wissen, wann das Auto tatsächlich geliefert wird? Vermutlich die wenigsten.
Tesla’s Roadster 2 demo looked straight out of a sci-fi movie.
— ChinaEV Home (@CNEVhome) October 16, 2026
Tesla engineer Lars Moravy says the car uses four rear thrusters that fire at supersonic speeds, creating visible Mach diamonds and over 80,000 N of thrust.
And Tesla claims it can do 0–60 mph in under a second.… pic.twitter.com/p7WcbWUUBK
Tesla zeigt tatsächlich fliegender Roadster
Der Roadster 2 verfügt tatsächlich über Kaltgastriebwerke, die gemeinsam mit Ingenieuren von SpaceX entwickelt wurden. Diese bleiben allerdings den Varianten «Thrust» und «Rocket» vorbehalten. Letztere ist nur auf Einladung erhältlich und soll laut Tesla sogar fliegen können. Eine entsprechende Demonstration lieferte das Unternehmen gleich auf dem Event. Mit einem klassischen Auto hat das allerdings nichts mehr zu tun.
Was die nur auf Einladung erhältliche «Rocket»-Variante kosten wird, bleibt unklar. Die limitierte «Thrust»-Version verfügt zwar ebenfalls über ein Kaltgastriebwerk, kann aber nicht fliegen. Hinzu kommt ein Multimodus-Lüfter- und Saugsystem, das durch Unterdruck theoretisch sogar ermöglichen soll, das Fahrzeug im Stillstand kopfüber an einer Decke zu halten. Das klingt irre, hat mit einem klassischen Sportwagen aber auch nichts mehr zu tun.

Das Multimodus-Lüftungs- und Saugsystem gehört übrigens auch bei der «günstigsten» Variante «Performance» zur Ausstattung und soll für maximalen Abtrieb sorgen. Während «Performance» und «Thrust» als Zweisitzer geplant sind, bietet die «Rocket»-Variante nur einen Sitzplatz. Das macht die exklusive und nur auf persönliche Einladung erhältliche Variante nicht attraktiver.
Für den «Thrust» verspricht Tesla eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in weniger als einer Sekunde. Ohne Kaltgastriebwerk soll der Sprint 1,9 Sekunden dauern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei den frei erhältlichen Varianten bei 370 bis 402 km/h. Die nur auf Einladung erhältliche «Rocket»-Version soll laut Tesla sogar mehr als 600 km/h erreichen.


Galerie: Tesla
Die Reichweite ist arg geschrumpft
Als Tesla die zweite Generation des Roadster vor elf Jahren ankündigte, stellte das Unternehmen eine Reichweite von bis zu 998 Kilometern in Aussicht. Davon ist inzwischen deutlich weniger übrig: Trotz einer gewaltigen 200-kWh-Batterie nennt Tesla nun lediglich 483 Kilometer. Eine unabhängige Bestätigung steht noch aus. Damit hat sich die versprochene Reichweite mehr als halbiert.
Auch beim Design hat Tesla die ursprünglichen Pläne über Bord geworfen. Wie bereits im Vorfeld vermutet, orientiert sich die zweite Generation nun am Cybercab. Um das Gewicht trotz der riesigen Batterie möglichst niedrig zu halten, kommen leichte Materialien wie Karbonfasern, Magnesium und Titan zum Einsatz. Angeboten werden soll der Roadster 2 in einer Speziallackierung namens «Ano White» – irgendwann zumindest.

Tesla Roadster 2 sorgt für Kopfschütteln
Irgendwie passt die Vorstellung der zweiten Roadster-Generation perfekt zu Elon Musk. Mit einem klassischen Elektro-Sportwagen hat das präsentierte Modell nur noch wenig gemeinsam. Tesla machte sich beim Event auch kaum die Mühe, diesen Eindruck zu vermitteln. Im Vordergrund standen spektakuläre Showeinlagen, deren Nutzen für einen Sportwagen im Strassenverkehr fraglich bleibt bzw. gar nicht erlaubt sind.
Nach elf Jahren voller Ankündigungen hätte ich mir vor allem ein seriennahes Fahrzeug mit nachvollziehbaren technischen Daten und einem verlässlichen Liefertermin gewünscht. Stattdessen zeigte Musk ein Modell, das sich erheblich vom ursprünglichen Versprechen unterscheidet und neue Fragen aufwirft. Kurzfristige Aufmerksamkeit ist Tesla damit sicher. Ob daraus auch ein erfolgreiches Auto wird, bezweifle ich allerdings.