In den letzten Monaten durfte ich das eine oder andere Elektroauto für vybe testen. Es hat mir grossen Spass gemacht und macht es immer noch. Doch Autotesten ist auch immer mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. Einfach losfahren und Spass haben – so einfach ist es nicht. In diesem Artikel gewähre ich einen Blick hinter die Kulissen.
Anfragen und auf Rückmeldung hoffen
Es ist nicht so, dass die Autohersteller uns direkt kontaktieren . Dafür sind wir, um ehrlich zu sein, auch einfach (noch) zu klein. Wenn ich ein Elektroauto testen möchte, komme ich also nicht darum herum, mich aktiv bei den jeweiligen Herstellern bzw. meist bei den Importeuren zu melden. In der Regel geschieht das direkt über den jeweiligen Pressekontakt.
Als wir uns am Anfang im vybe-Team dazu entschieden haben, auch Elektroautos unter die Lupe zu nehmen, mussten wir uns also zunächst mit den verschiedenen Kontakten vernetzen.

Die meisten Hersteller haben schnell auf unsere Anfrage reagiert. Bei anderen blieb unsere Anfrage hingegen bis heute unbeantwortet. Ich vermute, dass dies auf die Reichweite unseres Magazins und unserer Social-Media-Kanäle zurückzuführen ist. Dennoch würde eine kurze Rückmeldung – auch wenn sie negativ ausfällt – Wertschätzung zeigen. Aber damit haben wir bzw. ich mich abgefunden. No hard feelings also.
Erfreulicherweise durften wir in den letzten Monaten aber mit einigen tollen Marken zusammenarbeiten. Dazu zählen unter anderem die VW-Gruppe (VW, Cupra, Skoda, usw.), Hyundai, Kia, MG und nicht zuletzt auch Polestar.
Das Administrative und die Abholung
Vielleicht fragst du dich jetzt, wie es abläuft, wenn eine „Übereinkunft” erzielt wird. Zunächst wird ein Testzeitraum festgelegt. In der Regel stehen uns die Fahrzeuge zwei Wochen lang zur Verfügung. Da Pressefahrzeuge, insbesondere bei neuen Modellen, sehr gefragt sind, muss ich mich jeweils etwas gedulden. Bis wir das Fahrzeug dann testen dürfen, können auch mal mehrere Monate vergehen. Aber wie heisst es doch so schön: Vorfreude ist die schönste Freude. Haben wir uns auf einen Testzeitraum geeinigt, erhalten wir in der Regel kurz vor der Übergabe einen Vertrag zugeschickt. Manchmal wird der Vertrag aber auch erst vor Ort bei der Schlüsselübergabe ausgehändigt und unterschrieben.

Wenn der Tag X kommt, wird das Pressefahrzeug nicht etwa an meinem Wohnort übergeben. So läuft das nicht, auch wenn ich es mir genau so wünschen würde. Nein, die Fahrzeuge müssen jeweils bei der zuständigen Garage abgeholt werden. Wo diese sind, ist unterschiedlich. Sie könnten sich also irgendwo im Aargau, in Zürich oder sonst wo in der Schweiz befinden.
Je nach Standort bin ich mit der Anreise, die natürlich von mir bezahlt wird, mit dem Zug zwei oder mehr Stunden unterwegs, um das Auto in Empfang zu nehmen. Da „vybe” von Pascal Scherrer und mir als „Hobby” geführt wird und wir beide auch sonst vollzeitangestellt sind, ist dieser Umstand nicht zu unterschätzen bzw. jeweils auch zeitraubend. Deshalb testen wir nur Autos von Marken, die uns die Fahrzeuge für mindestens zwei Wochen zur Verfügung stellen. Unter uns gesagt ist eine Woche ohnehin zu knapp, um ein Fahrzeug wirklich „kennenzulernen”.

Endlich geht es los mit dem Testen!
Sobald alle administrativen Aufgaben erledigt sind, kann mit dem Testen begonnen werden. Da die Fahrzeuge jeweils etwas weiter entfernt abgeholt werden müssen und ich in der Nähe von Bern wohne, kann ich auf der Rückreise nach Hause schon mal ein erstes Gefühl für das Pressefahrzeug entwickeln. Da es sich dabei hauptsächlich um Autobahnkilometer handelt, kann ich den durchschnittlichen Verbrauch auf der Autobahn ermitteln – sofern ich nicht im Stau stehe. Und ja, das kommt relativ oft vor – zumindest, wenn ich die Fahrzeuge im Raum Zürich abholen kann.
Ach ja, ich werde in meinem Umfeld immer wieder gefragt, wer eigentlich die Kosten für den Strom während der Tests übernimmt. Das ist unterschiedlich. Bei der Fahrzeugübergabe übergeben einige Hersteller mir auch gleich eine Ladekarte. Damit kann ich das Elektroauto an verschiedenen Schnellladestationen aufladen. Andere verzichten hingegen darauf, sodass ich selbst für den Strom aufkommen muss. Das ist jetzt nicht tragisch, aber natürlich ist es für meine Geldbörse schon besser, wenn ich das Laden nicht selbst bezahlen muss. ;-)

Ansonsten erhalte ich seitens der Hersteller (fast) keine Einschränkungen. Eine Kilometerbegrenzung oder Ähnliches gibt es nicht. Dafür darf nur „ich” das Fahrzeug lenken, da ich schliesslich auch den Vertrag unterschrieben habe. Ausserdem muss ich versichern, dass ich mit dem Fahrzeug nicht auf eine Rennstrecke fahren werde. Sollten Auslandsfahrten geplant sein, muss ich diese jeweils vorab anmelden. In der Regel erhalte ich dann eine Bestätigung, die ich bei einer etwaigen Kontrolle im Ausland vorzeigen kann.
Während der zwei Wochen fahre ich das Auto so viele Kilometer wie möglich. Und das nicht nur auf der Autobahn, sondern in verschiedenen anderen Szenarien. Bei Elektroautos ist es auch immer spannend zu sehen, wie sie sich an Schnellladestationen schlagen. Schliesslich möchte ich das Auto ja auch kennenlernen, um dann auch wirklich meinen Senf dazugeben zu können.

Da wir vermehrt auch auf Videos (Shorts und Longforms) bei vybe setzen, drehe ich meine Videoberichte bevorzugt am Wochenende. Das kostet natürlich wieder Zeit, aber es ist eine Zeit, die ich mir sehr gerne nehme. Die Videoberichte kombiniere ich in der Regel mit dem „Fotoshooting”, dessen Ergebnisse dann in den geschriebenen Testbericht einfliessen.
Die Rückgabe
Irgendwann hat alles ein Ende, so auch die Testphase eines Fahrzeugs. Bevor ich es zurückgebe, reinige ich es selbstverständlich gründlich von innen und aussen. Staubsaugen und ein Besuch in der Waschanlage sind somit obligatorisch, auch wenn dies als „Schattenseite eines Autotesters” bezeichnet werden könnte. Aber hey, so sieht die Realität aus.

Je nach Garage kann ich das Fahrzeug auch ausserhalb der Öffnungszeiten zurückbringen und den Schlüssel in die Schlüsselbox werfen. Das kommt mir jeweils sehr gelegen, denn so kann ich meinem Beruf nachgehen, ohne früher Feierabend machen zu müssen. Wenn das Pressefahrzeug wieder an Ort und Stelle ist, fahre ich gemütlich mit dem Zug nach Hause.

Ja, es macht Spass, aber es kostet auch viel Zeit
So sieht es aus, wenn man als „Autotester“ unterwegs ist – und das als Hobby, versteht sich. Unterm Strich macht es mir nach wie vor richtig viel Spass, wenn ich mich mal wieder hinters Lenkrad eines neuen Fahrzeugs setzen darf. In den letzten Monaten durfte ich so viele verschiedene Autos fahren, darunter den Polestar 4 Long Range Dual Motor und den Hyundai IONIQ 5 N, um nur ein paar wenige aufzuzählen.
Man darf jedoch nicht unterschätzen, welche Arbeit ein Fahrzeugtest mit sich bringt. Natürlich haben die Hersteller gewisse Erwartungen und stellen die Fahrzeuge nicht einfach so zur Verfügung. Ein Testbericht zu schreiben, ein Video zu drehen und zu schneiden, all das ist sehr zeitaufwendig. Auch die weniger rühmlichen Dinge wie die Fahrzeugreinigung sowie die Zeit für die Abholung und Rückgabe darf man nicht unterschätzen.
Mit diesem Artikel wollte ich einmal aufzeigen, was eigentlich alles dahintersteckt. Ich hoffe, mir ist das gelungen. Wenn du Fragen hast, kannst du sie gerne in den Kommentaren stellen.